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Accor-Chef Sébastien Bazin "Wir müssen uns in China beeilen"

Der Chef der französischen Hotelkette Accor, Sébastien Bazin, krempelt das Geschäft um. In Europa sollen digitale Angebote helfen und in China neue Häuser.

Sébastien Bazin, Chef der Hotelkette Accor. Quelle: dpa Picture-Alliance

WirtschaftsWoche: Monsieur Bazin, Accor ist in Deutschland Marktführer und hat im Vorjahr zusätzlich zu den bestehenden 330 Hotels 16 neue Häuser der Marken Ibis und Mercure eröffnet. Was planen Sie für dieses Jahr?
Sébastien Bazin: Wir planen rund 20 neue Accor-Hotels pro Jahr in Deutschland. Zwölf Projekte mit rund 2000 Zimmern sind für 2015 bereits in der Pipeline, in großen Zentren und kleineren Städten. Der deutsche Markt ist für uns so wichtig wie Frankreich, nur ist er komplizierter. In Frankreich gibt es Paris und vielleicht noch Marseille, alles andere ist Provinz. Deutschland hat gleich sieben bis acht Zentren wie Berlin, Hamburg oder München und wichtige Subzentren wie Osnabrück, Hannover oder Nürnberg. Darum entwickeln wir neue Projekte oft mit lokalen Partnern, die ihren Markt kennen.

Zur Person

Etliche große Städte leiden aber schon heute unter Überkapazitäten bei Hotels.
Wir sehen als große Kette dennoch Wachstumsmöglichkeiten in allen Städten. Große Chancen sehen wir aber vor allem in den Subzentren, zumal es dort überwiegend privat geführte Häuser und kaum Kettenhotels gibt. In Deutschland betreiben die internationalen Ketten gerade mal elf Prozent der Zimmerkapazitäten. Aber private Hotelbetreiber haben es schwer. Den meisten fehlt die Marken-, Produkt- und Vertriebspower. Diese privaten Betreiber wollen wir als Franchise-Partner gewinnen.

Die Privatbetreiber geben die Schuld an ihren Problemen vor allem Online-Reservierungsplattformen wie HRS oder Booking.com. Sehen Sie das genauso? Sie haben gerade Beschwerde eingereicht...
Es bringt nichts, da ein Feinbild aufzubauen. Wir sollten die Plattformen als Partner betrachten, zumal sie uns Umsatz bringen und weiter wachsen werden. Die Gefahr für die Branche liegt darin, dass die Digitalisierung den Konzentrationsprozess fördert: Kleine Mitbewerber werden geschluckt, große Plattformen werden noch größer. Wir können nicht akzeptieren, dass der Markt irgendwann von zwei großen Buchungsplattformen beherrscht wird und die unser Geschäft bestimmen. Wir investieren, wir tragen das Risiko, darum müssen wir verhindern, dass uns durch eine Wettbewerbskonzentration die Hoheit über unser Geschäft genommen wird. Wir wollen eine balancierte Zusammenarbeit mit den Portalen. Deswegen haben wir Seite an Seite mit der Branche Beschwerde eingereicht, um uns einzubringen.

Das sind die umsatzstärksten Hotels in Deutschland
Platz 10 – Marriott InternationalDas Marriott zählt laut Forbes zu den besten Arbeitgebern weltweit. Zu den 29 Hotels, die die Gruppe in Deutschland betreibt, zählt das höchste Hotel Deutschlands: das Marriott im Westend Gate in Frankfurt am Main. Die amerikanische Gruppe mit Hauptsitz in Washington D.C. steigerte ihren Umsatz hierzulande von 272,5 Millionen Euro im Jahr 2012 um 2,9 Prozent auf 280,4 Millionen Euro im Jahr 2013. Quelle: Das Ranking wird von der Allgemeinen Hotel- und Gaststättenzeitung (AHGZ) veröffentlicht. Die erhobenen Daten beruhen nach Angaben der herausgebenden dfv Mediengruppe auf Eigenangaben der Hoteliers. Häuser, die bereits in den Vorjahren im Ranking erschienen sind, aber diesmal keine Angaben machten, wurden auf Basis der Durchschnittswerte geschätzt. In die Schätzung fließen darüber hinaus Marktdaten sowie Fakten aus den Lage- und Geschäftsberichten ein. Quelle: PR
Platz 9 – NH Hotels Deutschland Die spanische Hotelkette betreibt mehr als 400 Hotels in der ganzen Welt, davon – seit dem Aufkauf der Hotelkette Astron im Jahr 2002 – 60 in Deutschland mit rund 10.000 Zimmern. Der Umsatz der NH Hotels legte von 283,5 Millionen Euro um 2,9 Prozent auf 291,7 Millionen Euro zu. Quelle: PR
Platz 8 – Grand City HotelsGrand City verfügt nach eigenen Angaben weltweit über mehr als 13.000 Hotelzimmer (im Bild: St. Regis in Abu Dhabi) und verbucht jährlich mehr als drei Millionen Gäste. Der Konzern, zu dem auch das Sir F.K. Savigny Hotel in Berlin gehört, machte den größten Umsatzsprung in der Top 10 (plus 8,1 Prozent). Grand-City-Chef Christian Windfuhr konnte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 313,8 Millionen Euro vorlegen. Trotzdem blieb es bei Rang 8 im AHGZ-Ranking. Quelle: AP
Platz 7 – Hospitality Alliance/Ramada WorldwideSeit 2000 ist die Bad Arolsener Hospitality Alliance der Partner von Ramada Worldwide in Deutschland, der Schweiz und Österreich. 67 Hotels betreiben die beiden Gruppen hierzulande gemeinsam – zwei weniger als im Jahr 2012. Der Platz im AGHZ-Ranking indes blieb gleich. Mehr noch: Der Umsatz stieg um 4,1 Prozent auf 322 Millionen Euro. Damit hat die Gruppe gegenüber dem Sechstplatzierten noch einiges aufzuholen. Quelle: PR
Platz 6 – Maritim Hotelgesellschaft Die größte inhabergeführte deutsche Hotelkette hat ihren Firmensitz im ostwestfälischen Bad Salzuflen. In Deutschland betreibt das Unternehmen 38 Hotels, im Ausland 13 Hotels in sieben Ländern. Das erste Hotel des Unternehmens entstand im Jahr 1969 mit dem Maritim Seehotel in Timmendorfer Strand. Mit der Eröffnung des Maritim Hotel Teneriffa in Spanien im Jahr 1980 begann die Expansion im Ausland. 2013 ging der Umsatz hierzulande zurück, er lag bei 364,1 Millionen Euro – ein Minus von 2,6 Prozent. Das reichte nicht aus, um den fünften Platz aus dem Vorjahr zu halten. Quelle: dpa
Platz 5 – Steigenberger Hotels Bis 2009 waren die Steigenberger Hotels im Besitz der Familie des Gründers Albert Steigenberg. Die Kette mit 30 Häusern in Deutschland gehört mittlerweile einem ägyptischen Tourismuskonzern. Zu den Häusern zählen viele weltbekannte, denkmalgeschützte Häuser wie das Hotel Frankfurter Hof. Als einziger Konzern in den Top Ten sind die Steigenberger Hotels im Ranking einen Platz nach oben geklettert. Der Umsatz wuchs um 6,7 Prozent – von 364,9 auf 389,4 Millionen Euro. Quelle: PR
Platz 4 – Starwood Hotels & Resorts WorldwideAlle 400 Zimmer im The Westin Grand in Berlin mischen – der Werbung zufolge – moderne Funktionalität und historisches Dekor. Diese Aspekte beschreiben den Kern der Gruppe schon gut: Sie konzentriert sich auf den Betrieb vor allem auf Luxushotels auf der ganzen Welt. Mit Erfolg: Die Starwood-Gruppe steigerte 2013 ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent – von 381,1 Millionen Euro auf 392,2 Millionen Euro. Quelle: PR

Und wie wollen Sie noch verhindern, dass die Portale die Branche dominieren?
Indem wir unsere Kunden stärker an uns binden. Der Schlüssel dazu sind ihre Daten, und die müssen in unserem Besitz bleiben, was wir zum Beispiel über unser Kundenbindungsprogramm LeClub erreichen. Das geht nur, wenn wir unser Geschäftsmodell digitalisieren. Die Hotellerie muss den Kunden über den gesamten Reiseprozess hinweg begleiten und an sich binden.

Was heißt das konkret?
In der Vergangenheit haben wir uns um den Kunden gekümmert, solange er im Hotel ist. Wichtig ist aber auch die Zeit vorher, wenn der Kunde seine Reise plant, sich auf Buchungs- oder Bewertungsplattformen im Internet über Hotelangebote und -preise informiert oder wenn er nach der Reise über seine Erfahrungen reden und Kommentare abgeben möchte. Wir müssen uns permanent um unsere Kunden kümmern: etwa mit einer App, über die man sich per Smartphone oder Tablet informieren, reservieren, ein- oder auschecken, aber auch einen Platz im Restaurant oder Spa buchen kann. Und mit unserem Kundenbindungsprogramm können nicht nur Meilen und Punkte gesammelt werden, sondern wir können damit Kunden maßgeschneiderte Angebote unterbreiten.

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