Air Berlin Airline sichert sich 115 Millionen Euro an frischem Geld

Exklusiv

500 Millionen am Mittwoch, 200 Millionen US-Dollar am Donnerstag: Nachdem eine neu gegründete Finanzierungsgesellschaft erneut Geld eingesammelt hat, hat die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin sich nun einen Teil der Refinanzierung ihrer im November fälligen Anleihe gesichert.

Flugzeug von Air Berlin Quelle: dpa

Das fast unmöglich Geglaubte wird nun doch noch möglich: Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin wird dank einer neu gegründeten Finanzierungsgesellschaft dringend benötigtes Geld zufließen. Vorerst sind es wohl rund 130 Millionen US-Dollar (umgerechnet 115 Millionen Euro). Air Berlin kommt damit der Refinanzierung seiner im November fälligen Anleihe näher. Dann muss Airline-Chef Stefan Pichler Anlegern inklusive Zinsen gut 200 Millionen Euro zurückzahlen.

Dass es Großaktionär Etihad aus Abu Dhabi, der gut 29 Prozent an Air Berlin hält, nun erneut gelingt, frisches Geld für Air Berlin zu organisieren, ist einer trickreichen Strategie zu verdanken. Das Problem, welches es zu überwinden galt, war folgendes: Etihad selber durfte offenbar direkt kein frisches Geld mehr geben. Denn nach geltendem Recht darf eine europäische Fluggesellschaft nicht von einem EU-Ausländer beherrscht werden. Und Kreditgeber können Macht ausüben.

Etihad hatte die Berliner bereits mehrfach mit frischem Geld unterstützt: Aktienkäufe aus Abu Dhabi verschafften Air Berlin rund 72 Millionen Euro, später verkauften die Berliner die Mehrheit des Vielflieger-Bonusprogramms an Etihad und erlösten 184 Millionen Euro. Eine Wandelanleihe brachte 140 Millionen Euro in die knappe Kasse. Etihad stellt außerdem eine Kreditlinie und stützt die Firmenkasse so mit bis zu 255 Millionen Dollar. 50 Millionen davon hat Air Berlin bereits im Juli gezogen.

Frisches Geld musste jetzt also aus einer EU-Quelle kommen, die unabhängig von Etihad ist: Geboren wurde die Idee einer Finanzierungsgesellschaft, genau genommen einer Stiftung mit dem Namen EA Partners. Die sitzt in Holland und ist damit über jeden Zweifel erhaben. Der Clou: Es ist die Stiftung, die jetzt Geld am Finanzmarkt sammelt – und zwar über eine Art Anleihe, in der Fachsprache Notes genannt.

Geschäftszahlen von Air Berlin

Bis zu 1,3 Milliarden Dollar sollen maximal zusammenkommen. In einem ersten Schritt sammelten die beteiligten Banken am Mittwoch 500 Millionen Dollar ein. Das Interesse der Investoren war so groß, dass die Stiftung ihr Wertpapier heute erneut um 200 Millionen aufstocken konnte. Bislang kamen also 700 Millionen Dollar zusammen. Der Kupon des EA-Partners-Wertpapiers liegt bei 6,78 Prozent. Es soll laut der Agentur Bloomberg ab dem 28. September börslich gehandelt werden.

Das Geld soll dann an sieben Kreditnehmer, die allesamt Etihad-Beteiligungen sind, verliehen werden. Sind die vollen 1,3 Milliarden eingesammelt, verteilen sie sich wie folgt: Etihad Airways, die Air Berlin PLC und die italienische Alitalia sollen jeweils bis zu 245 Millionen US-Dollar bekommen. Jet Airways aus Indien bekommt bis zu 210 Millionen, Air Serbia bis zu 105 Millionen, Air Seychelles bis zu 40 Millionen und Etihad Airport Services bis zu 210 Millionen.

Das Air-Berlin-Problem in Zahlen

Air Berlin, heißt es in einem Papier der Ratingagentur Fitch, plane, „die Erlöse“ zur „Refinanzierung“ zu benutzen. Damit dürfte die im November fällige Airline gemeint sein. Der Kreditzins, den Air Berlin an die Stiftung zahlen muss, liegt mit gut 10,5 Prozent allerdings etwas höher als der Zins der November-Anleihe - für die zahlt Air Berlin bislang nur 8,5 Prozent. Air Berlin wollte die Informationen nicht kommentieren.

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Die beteiligten Banken - Goldman Sachs International, ADS Securities aus Abu Dhabi und Anoa Capital, ein auf illiquide Wertpapiere spezialisiertes Haus aus London - haben mit der holländischen Stiftung eine bislang ungekannte Möglichkeit zur Finanzierung gefunden.

Als Strippenzieher gilt in der Branche Ex-Air-Berlin-Finanzchef Ulf Hüttmeyer, der im Frühjahr zu Etihad wechselte. Er hatte der Airline schon in seiner Zeit bei Air Berlin immer wieder auf kreative Art und Weise Geld beschafft – der neue Deal trägt damit auch seine Handschrift. Geht das Konzept auf, könnte es Nachahmer finden.

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