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Air-Berlin-Auktion "Erinnerungen öffnen das Portemonnaie"

Jan Bröker Geschäftsführer Dechow GmbH Quelle: Presse

Im Internet werden Devotionalien der insolventen Air Berlin versteigert. Auktionator Jan Bröker erklärt, warum Menschen bereit sind, hohe Summen für einen Flugzeugsitz auszugeben und was einen schrottreifen Fischkutter wertvoll macht.

WirtschaftsWoche: Sie versteigern gerade die Überbleibsel von Air Berlin. Aktuell liegt das Gebot für 100 Schokoladenherzen bei 325 Euro. Wer bezahlt ernsthaft so viel Geld für Schokolade, die es sonst geschenkt gab?
Jan Bröker: Um so viel Geld für ein Erinnerungsstück auszugeben, müssen Emotionen im Spiel sein. Die Bieter wollen eine Erinnerung an ihre Erlebnisse mit Air Berlin haben. Folgendes Szenario schwebt mir vor: Ein Mann hat mit seiner neuen Freundin am Flughafen auf den Start des Ferienfliegers gewartet. Dabei tranken sie Kaffee aus einer Air-Berlin-Tasse und knabberten an einem Schokoherz. Solche Erinnerungen öffnen das Portemonnaie.

Verhalten sich die Bieter anders, wenn Sie Emotionen mit dem Produkt verbinden?
Als die Air-Berlin-Auktion am 15. Januar gestartet ist, schossen die Gebote in einer hohen Intensität rein. Viele Leute haben wohl vorm Rechner auf die Auktion hingefiebert. Und das, obwohl die Auktion bis Anfang Februar läuft. Normalerweise starten Auktionen gemächlich. Die richtig heiße Phase sind die letzten Minuten vor Auktionsende.

Zur Person

Ein Doppel-Flugzeugsitz soll jetzt schon fast 2000 Euro kosten.
Es muss ganz schön viele Fans dafür geben. Wir sind alle ganz gespannt, was am Schluss tatsächlich für so einen Flugzeugsitz rauskommt.

Was haben die Leute mit den Sitzen vor? Sie könnten schließlich zum Ende hin fast so viel kosten wie ein neuer Kleinwagen.
Flugzeugsitze und Trolleys sind heiß begehrt, um Partyräume und Heimkinos auszustatten. Da sitzt man dann offenbar in seinem Flugzeugsitz und guckt mit seinen Freunden Fußball. Passend dazu gibt es das Lieblingsgetränk aus dem Air-Berlin-Trolley.

Wäre das nicht auch etwas fürs Chefbüro?
Ich glaube nicht, dass sich ein Unternehmenschef einen Flugzeugsitz kauft, sich darauf in einem Meeting platziert, während alle anderen auf Holzstühlen sitzen. Dafür müsste man schon sehr abgehoben oder ein sehr großer Fan sein.

Für das sechs mal vier Meter große Flugzeugmodell werden gerade 6000 Euro geboten. Wo wollen Bieter damit hin?
Vielleicht ins Wohnzimmer? Es müsste aber schon ein sehr anständiger Raum mit einer sehr stabilen Decke sein. Ich bin gespannt.

Haben Sie einen ähnlichen Ansturm schon einmal erlebt?
2006 durften wir für das Organisationskomitee des DFB alle Produkte versteigern, die eigens für die Weltmeisterschaft in Deutschland angeschafft wurden. Dazu gehörten Eckfahnen, Schilder, Trikots, unterschriebene Schuhe und auch die Kabinenausstattung von Shakira. Sind Gefühle im Spiel, können Kaffeebecher plötzlich hundert Euro einbringen. Der Materialwert lag unter fünf Euro. Die Unvorhersehbarkeit macht solche emotionalen Auktionen besonders.

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