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Air Berlin Wie Air Berlins Kampf die Branche durchwirbelt

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Billiganbieter lauern auf Wachstumschancen

Angesichts der Air-Berlin-Rekordschulden von zuletzt rund 900 Millionen Euro könnte Tui gezwungen sein, in den sauren Apfel zu beißen – auch um nicht sehr bald von einem Zusammenbruch der Berliner überrascht zu werden. Eigentlich hatte Tui-Chef Fritz Joussen schon laut darüber nachgedacht, dass der weltgrößte Reisekonzern ganz ohne eigene Flugzeuge auskommen könnte – wenn es denn genügend Fluganbieter gäbe. Die Deals um Air Berlin könnten so erste Schritte zur Neuordnung der europäischen Luftfahrtbranche werden.

Mit Ryanair und Easyjet lauern zwei aggressive Anbieter permanent auf Wachstumschancen, zumal sie wegen des angekündigten Brexits in ihrem britischen Hauptmarkt mit jahrelanger Flaute rechnen müssen. Ryanair hat Air Berlin bereits in der deutschen Hauptstadt mit Kampfpreisen und neuen Destinationen die Hölle heiß gemacht. Ein Ende der Offensive ist nicht in Sicht: Allein in diesem Jahr stellt Ryanair 52 neue Jets in den Dienst und verfügt dann über 380 Flieger.

Lufthansa muss daher dafür sorgen, dass der Flugbetrieb der von ihr geleasten Air-Berlin-Flugzeuge ununterbrochen weiterläuft. Kommt der Deal, der nur Flugzeuge vom Eurowings-Einheitsmuster A320 umfassen soll, werden zum Winterflugplan ab dem 30. Oktober erst einmal nur Flugnummer und Verkehrsrechte umgeflaggt. Neue Uniformen, Lackierungen und erst recht eine engere kommerzielle Anbindung der neuen Teilflotte hätten hingegen erst einmal Zeit.

Für den von Eurowings-Chef Karl Ulrich Garnadt erwarteten „härtesten Wettbewerb aller Zeiten“ rüstet Lufthansa noch mit einem weiteren Geschäft, der Komplettübernahme der bisherigen 45-Prozent-Beteiligung Brussels Airlines, die ebenso in der Eurowings aufgehen soll.

Dazu müsste der Aufsichtsrat am Mittwoch die schon seit Jahren bestehende Aktien-Option ziehen. Die Belgier würden 29 Mittelstrecken-Jets der A320-Familie und 9 Langstrecken-Flugzeuge (A330) einbringen.

Das fliegende Personal ist höchst alarmiert, wenn auch zunächst vor allem in der Verwaltung gestrichen werden soll. Beim neuen Ferienflieger inklusive der Niki stünde voraussichtlich schnell im Raum, diese Gesellschaft in Österreich aufzustellen, wo ein geringeres Tarifniveau herrscht. Ufo-Chef Nicoley Baublies warnt die Gesellschaften davor, die Neuordnung ohne die Sozialpartner durchzuziehen. Der unstrukturierte Prozess bereite ihm große Sorgen, sagt der Tarifexperte der Kabinengewerkschaft. Auch die Piloten der Tuifly haben vorsorglich Widerstand angekündigt, falls ein ihnen nicht genehmer Investor zum Zuge kommen sollte.

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