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Air-Berlin-Insolvenz Was hieße Air Berlins Abschied für den Flugmarkt?

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Verschlechtert sich durch Air Berlins Abschied das Flugangebot?


Die Angst, dass das Angebot für Verbraucher nun sehr viel schlechter werden könnte, wenn Air Berlin in Teilen der Konkurrenz zugeschlagen wird, ist laut den Experten unbegründet.

"Es muss sich niemand Sorgen machen, dass echte Angebotslücken entstehen", ist sich Luftfahrtexperte Großbongardt sicher: „In solche Lücken, die Air Berlin hinterlassen könnte, wird kurzfristig jemand reinspringen." Profitable Strecken und solche mit Wachstumspotenzial werden erhalten bleiben, wenn sie bei der Konkurrenz Mehrwert schaffen: „Wenn ein Konkurrent Streckennetze übernimmt, werden die vorhandenen Air-Berlin-Strecken genutzt, um das eigene Angebot zu komplettieren und zu erweitern", schätzt Großbongardt.

Dass sich für die Slots und Flugverbindungen neue Wettbewerber finden lassen, die diese übernehmen – da ist sich auch Verbraucherschützer Streese sicher: „Entweder indem sie von Air Berlin abgekauft oder nach deren Abgang neu aufgebaut werden." Wettbewerb auf allen Strecken beibehalten – das ist den Verbraucherschützern das wichtigste Anliegen im Falle einer Air-Berlin-Aufteilung. „Um monopolartige Strukturen auf bestimmten Strecken auszuschließen, befürworten wir eine Aufteilung der Airline auf verschiedene Konkurrenten", sagt Streese. „Wir hoffen dabei darauf, dass Bundesregierung und Kartellamt diesen Aspekt kritisch prüfen und zu einer schnellen Lösung kommen." Ein Teilverkauf derjenigen Strecken, die ansonsten ausschließlich vom Hause Lufthansa bedient würden, an andere Konkurrenten (etwa Easyjet), würde ein solches Monopol leicht verhindern.

Aufstieg und Niedergang von Air Berlin
Kim Lundgren (l), Mitgründer und Präsident der 'Air Berlin Inc.' und Pilot, mit seinem Sohn Shane Lundgren, ebenfalls Pilot bei Air Berlin Inc. Quelle: airberlin
Joachim Hunold Quelle: airberlin
Einstieg ins Linienfluggeschäft Quelle: airberlin
Service an Bord von Air Berlin 2003 Quelle: airberlin
Niki Lauda (2009) Quelle: dpa
Airbus A 320 (2005) Quelle: airberlin
dba Air Berlin Quelle: AP

Natürlich hängt das zukünftige Flugangebot zu großen Teilen auch davon ab, welcher Konkurrent, was übernimmt. „Wirft man beispielsweise einen Blick darauf, wie expansiv eine Eurowings bei den Langstrecken mittlerweile agiert, kann man erwarten, dass lohnenswerte Strecken mit Sicherheit übernommen werden", sagt Großbongardt. Die Entwicklungen auf dem noch recht neuen Low-Cost-Markt deuten beispielsweise darauf hin, dass profitable Air-Berlin-Strecken auch hier erhalten bleiben dürften. „Da steckt durchaus ein großes Volumen drin", so Großbongardt.

Das zeigt sich beispielhaft an Norwegian Air: Die Norweger starten seit diesem Jahr als erste europäische Airline Billigflüge auf der Langstrecke. Zunächst mit Routen nach New York und Bangkok, bald sollen Insidern zufolge Fort Lauderdale in Florida, China und Malaysia folgen. Damit macht der norwegische Edelbilligflieger eine deutlich bessere Kampfansage an die Lufthansa als Air Berlin sie jemals hätte machen können.

Könnte weniger Airline-Auswahl zu schlechterem Service führen?

Dass zukünftig die Lufthansa so unpünktlich wird, wie zuletzt häufig Air Berlin, die es damit immer mal wieder in die Top-Tweets bei Twitter schaffte – einfach weil man es sich nun erlauben kann, scheint also unwahrscheinlich. Letztendlich scheidet wohl ein Konkurrent namentlich aus dem deutschen Fluggeschäft aus – es stehen aber genügend andere Schlange.

"Ein Abgang der Airline wird weder Angebotslücken zurücklassen, noch ein Umfeld schaffen, in dem Wettbewerber Preise hochsetzen oder Leistung ungestraft einbüßen können", schlussfolgert Großbongardt. Sein Fazit deshalb: „Air Berlin wird auf dem Markt ganz sicher nicht fehlen."

So kam es zur Insolvenz



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