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Air Berlin ist insolvent Die wichtigsten Antworten zur Airline-Pleite

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Was passiert mit meinem gebuchten Air-Berlin-Ticket?

War die wirtschaftliche Lage wirklich so ernst?

Ja, die Airline balancierte schon lange am Rande des Konkurses. Seit Jahren gab es in Berlin nur noch rote Zahlen, 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro. Die Schulden und das negative Eigenkapital summieren sich auf gut drei Milliarden Euro. Bereits im ersten Quartal dieses Jahres hat die Linie rund drei Millionen Euro verloren – pro Tag. Und im zweiten Quartal dürfte es kaum besser gelaufen sein. Wegen der vielen organisatorischen Pannen durch verlorenes Gepäck und abgesagte Flüge hat die Linie so viele Passagiere verärgert, dass die Zahlen kaum besser sein dürften. Die Halbjahresbilanz wollte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann noch im August vorstellen.

Aufstieg und Niedergang von Air Berlin
Kim Lundgren (l), Mitgründer und Präsident der 'Air Berlin Inc.' und Pilot, mit seinem Sohn Shane Lundgren, ebenfalls Pilot bei Air Berlin Inc. Quelle: airberlin
Joachim Hunold Quelle: airberlin
Einstieg ins Linienfluggeschäft Quelle: airberlin
Service an Bord von Air Berlin 2003 Quelle: airberlin
Niki Lauda (2009) Quelle: dpa
Airbus A 320 (2005) Quelle: airberlin
dba Air Berlin Quelle: AP

Wollte nicht die Lufthansa Teile von Air Berlin übernehmen?

Die Fluggesellschaft verhandelt unter anderem mit dem Konkurrenten Lufthansa und einer weiteren Fluggesellschaft über einen Verkauf von Betriebsteilen. Entschieden ist aber noch nichts. Laut Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries laufen die Gespräche mit der größten deutschen Fluglinie erfolgsversprechend. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf nicht genauer benannte Insider berichtet, soll die zweite Fluggesellschaft Easyjet sein. Der britische Billigflieger soll demnach vor allem Interesse an den Start- und Landerechten (Slots) in Berlin und Düsseldorf haben. Easyjet wollte den Bericht bislang nicht kommentieren.

Was muss ich tun, wenn ich bereits ein Ticket von Air Berlin bezahlt habe?

Erst einmal nichts. „Durch den Kredit der Bundesregierung ist der Betrieb ja erst einmal gesichert“, erklärt der Berliner Reiserechtler Jan Bartholl. „Anders sieht es jedoch aus, wenn Sie Schadensersatzforderungen, beispielsweise wegen Verspätungen haben. Da würde ich mir mehr Sorgen machen.“ Der Grund: Da es sich bei den Kunden nicht um sogenannte bevorrechtigte Gläubiger handelt, werden ihre Forderungen im Insolvenzverfahren mit der gleichen Priorität bedient, wie beispielweise eine Anleihe. Dass das dann oft heißt, dass Kunden leer ausgehen, hat sich in der Vergangenheit zum Beispiel auch bei der Pleite der spanischen Spanair gezeigt.

Schwierig wird die Lage, falls der Insolvenzverwalter den Flugbetrieb trotz des Kredits ganz oder teilweise einstellt. Dafür gibt es aber gerade keine Anzeichen. Dennoch sollten sich diejenigen, die bald mit Air Berlin fliegen wollen, direkt bei der Airline über den Status ihres gebuchten Fluges erkundigen.

Bund sichert Air-Berlin-Flugbetrieb mit Kredit

Laut dem Unternehmen sollen die Auswirkungen auf die Kunden möglichst gering sein – trotz des Insolvenzantrags sollen alle gebuchten Tickets gültig bleiben. Auch die Flugpläne würden nicht geändert, hieß es am Dienstagnachmittag auf der Internet-Seite von Air Berlin. Alle Flüge von Air Berlin und ihrer Tochter Niki fänden wie geplant statt. Zudem seien auch alle vorgesehenen Flüge weiterhin buchbar, teilte die Fluggesellschaft mit.

Die KfW stellt der Fluglinie 150 Millionen Euro zur Verfügung, die per Bundesbürgschaft abgesichert werden. Zypries zeigte sich zuversichtlich, dass die insolvente Fluggesellschaft den Übergangskredit des Bundes zurückzahlen kann. Dies sollte aus dem Erlös der Start- und Landerechte (Slots) möglich sein, sagte Zypries auf einer Pressekonferenz.

Was passiert mit den Arbeitsplätzen?

Die Nachricht der Insolvenz von Deutschlands zweitgrößter Fluglinie sei ein Schock für die Mitarbeiter, erklärte die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Doch der Luftverkehr in Deutschland wachse. „Damit sind alle Voraussetzungen gegeben, diese deutschen Arbeitsplätze zu erhalten“, gab sich VC-Präsident Ilja Schulz zuversichtlich. Skeptischer äußerte sich Verdi-Bundesvorstand Christine Behle: „Wir haben große Sorge um die Arbeitsplätze der Beschäftigten.“ Deren Sicherung müsse oberste Priorität haben. Air Berlin müsse „mit Hochdruck daran arbeiten, tragfähige und gute Konzepte zu entwickeln, um möglichst viele Arbeitsplätze zu retten.“ Anfang des Jahres zählte Air Berlin rund 8600 Mitarbeiter.

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