Air Berlin Ministerium arbeitet weiter an Millionenkredit

Vor fast drei Wochen hat Air Berlin Insolvenz beantragt, die Bundesregierung will die Fluggesellschaft mit einem Millionenkredit stützen. Der ist bisher noch nicht in trockenen Tüchern.

Air Berlin streicht Flüge aus

Nach der Insolvenz von Air Berlin wird laut Wirtschaftsministerium weiter an einem Millionenkredit für die Fluggesellschaft gearbeitet. „Die technische Umsetzung ist auf dem Weg. Eine Unterschrift ist noch nicht geleistet worden“, teilte eine Ministeriumssprecherin am Sonntag in Berlin mit. Zu weiteren Einzelheiten wollte sich das Ministerium nicht äußern. Die „Bild am Sonntag“ berichtete, die Airline und die staatliche Förderbank KfW hätten sich auf Konditionen des Kredits geeinigt.

Ein Sprecher von Air Berlin wollte dazu keine Stellung nehmen. Die Fluggesellschaft soll einen 150-Millionen-Euro-Kredit der Bundesregierung bekommen, um die Zeit bis zu einem Verkauf zu überbrücken. Air Berlin verhandelt als zweitgrößte deutsche Airline derzeit mit dem Marktführer Lufthansa und weiteren Interessenten über den Verkauf von Unternehmensteilen.

Auf der Internetseite erklärte die Fluglinie am Sonntag, es seien Flüge abgesagt worden. „Aus operativen Gründen muss airberlin heute Flüge streichen“, hieß es. „Wir bedauern die für unsere Fluggäste entstandenen Unannehmlichkeiten sehr.“ Nähere Angaben etwa zur Zahl der gestrichenen Flüge und zu den Gründen machte die Airline nicht.

Das ist Air Berlin

Die Fluggesellschaft schrieb zum Beispiel bei Facebook, Passagieren, die von einer Flugstreichung betroffen seien, werde „die bestmögliche Reisealternative angeboten“. In Berlin habe es die eine oder andere Schlange vor dem Umbuchschalter gegeben, sagte ein Sprecher der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg am Abend. „Auswirkungen auf den Flugverkehr hatte das aber nicht.“

Ein Sprecher von Air Berlin war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Am Flughafen Berlin-Tegel fielen laut online genannten Abflügen vereinzelt Verbindungen aus, etwa nach Köln/Bonn oder Stuttgart, aber auch an entferntere Orte wie San Francisco. Am Flughafen Düsseldorf fielen nach Angaben eines Flughafensprechers sieben Flüge aus, größere Probleme habe es nicht gegeben.

Wer um Air Berlins Zukunft ringt
Nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin zeichnet sich ab, dass die Fluggesellschaft von mehreren Konkurrenten übernommen wird. Ganz vorn dabei ist der deutsche Marktführer Lufthansa. Die Verhandlungen laufen seit Freitag. Zu den Akteuren gehört ein Leiter des Insolvenzverfahrens und indirekt auch die Bundesregierung. Ein Überblick. Quelle: dpa
LufthansaDer umsatzstärkste Luftverkehrskonzern Europas treibt die Übernahme der Air Berlin bereits seit Monaten in Gesprächen mit der Politik und dem Großaktionär Etihad voran. Ein erster Erfolg war die im Januar genehmigte Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen, rund ein Viertel der Air-Berlin-Flotte. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will nun mindestens ein weiteres Viertel für seine Billigflieger-Gruppe Eurowings sichern, die zusätzliche Maschinen und Slots für die Mittel- und die Langstrecke sucht. Für sein Ziel, den Billigflieger Ryanair von den größeren deutschen Flughäfen so weit es geht fernzuhalten, muss Spohr aus Wettbewerbsgründen größere Marktanteile anderer Anbieter wie der Easyjet in Kauf nehmen. Quelle: dpa
Andere InteressentenAußer der Lufthansa sind nach Angaben von Air Berlin noch zwei weitere Interessenten im Geschäft. Nach dpa-Informationen sind Gespräche mit Easyjet und Tuifly geplant. Der Reiseveranstalter Thomas Cook mit seiner Ferienflugtochter Condor bekundete Interesse an einer „aktiven Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin“. Ein Teil der Thomas-Cook-Feriengäste kommt mit Air Berlin ans Ziel. Quelle: dpa
EtihadDer Staatskonzern aus Abu Dhabi ist seit 2012 Großaktionär von Air Berlin mit einem Anteil von 29,2 Prozent. Wenige Tage, nachdem Etihad die Unterstützung entzogen hatte, sah sich Air Berlin zur Insolvenzanmeldung gezwungen. Ein Großteil der Schulden von Air Berlin in Höhe von 1,5 Milliarden Euro dürfte am Partner hängenblieben, der mehrere Kredite gegeben hat. Etihad wehrt sich gegen den Eindruck, Air Berlin im Stich gelassen zu haben. Das Unternehmen habe im April nochmals 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Angesichts der „sich rapide verschlechternden Geschäftsergebnisse und Liquidität“ wollte Etihad aber nicht noch mehr Geld in Air Berlin pumpen. Quelle: REUTERS
RyanairDer Passagier-Europameister Ryanair hat bereits mehr als 300 Flugzeuge und bekommt grob gesagt jedes Jahr 50 neue hinzu, für die in ganz Europa Punkt-zu-Punkt-Strecken gesucht werden. Derzeit gilt das größte Interesse der Iren Deutschland und Italien, wo mit Alitalia und Air Berlin jeweils eine verkehrsreiche Airline in die Insolvenz gegangen ist. Deren Verbindungen würde Ryanair-Chef Michael O'Leary liebend gern übernehmen, die Flugzeuge und teils teuren Crews eher nicht. In Italien gehört Ryanair zum Bieterkreis für das Alitalia-Erbe, in Deutschland fühlen sich die Iren durch den Lufthansa-Deal ausgebootet und haben kartellrechtliche Schritte angekündigt. In der politischen Auseinandersetzung macht ihnen ihr schlechtes Sozial-Image als Arbeitgeber zu schaffen. Quelle: REUTERS
InsolvenzexpertenGleich zwei Top-Sanierungsexperten des Landes sind in die Rettungsbemühungen involviert. Der Düsseldorfer Jurist Frank Kebekus (rechts) sitzt als Generalbevollmächtigter an der Seite von Air-Berlin-Vorstandschef Thomas Winkelmann im Cockpit. Sein Credo: So viel „business as usual“ hinbekommen. Das Duo Kebekus/Winkelmann leitet die Verkaufsverhandlungen. Der zweite Insolvenzexperte, Lucas Flöther, überwacht als vorläufiger Sachwalter im Auftrag der Gläubiger alle Vorgänge. Beide Rechtsanwälte kennen einander seit Jahren vom Gravenbrucher Kreis. In diesem Verband sind die 30 führenden Insolvenzverwalter organisiert. Kebekus war zuletzt unter anderem als Insolvenzverwalter beim Modekonzern Steilmann gefragt. Flöther wurde bereits zwei Mal mit der Rettung des Fahrradherstellers Mifa betraut und beschäftigte sich mit der Pleite des Leipziger Internetunternehmens Unister. Quelle: dpa
BundesregierungDie Bundesregierung hat es durch schnelles Handeln ermöglicht, dass über die Zukunft Air Berlins in halbwegs geordneten Bahnen geredet werden kann. Ohne den Brückenkredit von 150 Millionen Euro hätte die Fluggesellschaft sofort den Betrieb einstellen müssen, Zehntausende Passagiere wären an ausländischen Flughäfen gestrandet. Nun hält es Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) für dringend geboten, dass Lufthansa wesentliche Teile der insolventen Airline übernimmt. Allerdings sitzt die Regierung nach eigenen Angaben nicht mit am Verhandlungstisch. Quelle: dpa

Die verlustreiche Fluggesellschaft hatte mitten in der Ferienzeit Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Der Staatskredit der Bundesregierung, dem die EU-Kommission noch zustimmen muss, ist umstritten. Konkurrent Ryanair hatte das Bundeskartellamt und die EU-Wettbewerbskommission angerufen, auch die Fluglinie Germania will gegen den Kredit vorgehen.

Arbeitnehmervertreter kämpfen um eine Übernahme möglichst vieler der mehr als 8000 Beschäftigten durch den oder die jeweiligen Käufer. An diesem Montag gibt es dazu ein Treffen mit den Regierungschefs der Länder mit den größten Air-Berlin-Standorten Berlin und Düsseldorf, dem Berliner Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

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