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Air Berlin und Air France Anhaltend unangenehme Überraschungen

Air Berlin und Air France melden nach erfolgreichen Sparprogrammen für 2012 bessere Zahlen als im Vorjahr. Doch die Erfolgsmeldung der Deutschen täuscht. Am Ende sind bleiben beide Bilanzen weiterhin kritisch, besonders bei Air Berlin.

Wirbel um kinderfreie Zonen
Das Deutsche Institut für Service-Qualität wollte es wissen: Mit welchen Airlines fliegen die Deutschen am liebsten? Für das Ranking wurden 1186 Personen zu der Fluggesellschaft befragt, die sie in den letzten zwölf Monaten am häufigsten genutzt haben. Im Mittelpunkt stand die Meinung zu Service und Flugangebot sowie zu Zuverlässigkeit/Sicherheit und Preis-Leistungs-Verhältnis. Darüber hinaus flossen Ärgernisse und die Weiterempfehlungsbereitschaft in die Wertung ein. Nicht dabei ist Air Asia, die allerdings auch nicht mehr nach Europa fliegt. Malaysias Billig-Linie sorgt aktuell mit kinderfreien Zonen für Schlagzeilen. Die ersten sieben Economy-Reihen der Air Asia-Jets sind für Kinder unter zwölf Jahren tabu. Erwachsene, die in der ruhigen Zone sitzen wollen, müssen einen Aufschlag zahlen. Die Airline verspricht „Frieden und Stille“ für ein paar Euro und verbannt die Familien in den hinteren Flugzeugteil. In Internet-Foren findet sich viel Empörung. Deutsche Fluggesellschaften versichern, es gebe keine Pläne für kinderfreie Zonen. Quelle: dpa
Michael O'Leary (M), Chef des Billig-Fliegers Ryanair, mit zwei Stewardessen Quelle: dpa/dpaweb
Check-In Automaten der Lufthansa und von Germanwings Quelle: dpa
Flugzeuge der Gesellschaft airberlin Quelle: dpa
Fluggäste des britischen Billigflieger "easyjet" Quelle: dpa/dpaweb
Modell einer Boeing 737-800 mit dem neuen Schriftzug TUIfly.com steht am Freitag (12.01.2007) in Hannover der bisherige HLX-Chef Roland Keppler. Quelle: dpa
Eine Stewardess zeigt am 21.11.2012 in München (Bayern) am Flughafen im Business-Class-Bereich einer Boeing 747-8 Intercontinental die Sitze. Quelle: dpa

 

Wer jemals daran gezweifelt hat, dass Europas große Fluglinien in der Krise sind, wurde spätestens diese Woche eines Besseren belehrt. Montagabend verkündete die Lufthansa, dass sie im Betrieb erneut weniger Geld verdient hat, obwohl ihr Sparprogramm Score deutlich mehr Ersparnisse gebracht hat als erwartet. Und heute legen mit Air Berlin und Air France gleich zwei Linien ebenso beunruhigende Zahlen vor.

Die größte Mühe gab sich die Linie aus der deutschen Hauptstadt. Sie verschickte gestern am späten Abend überraschend ihre vorläufigen Zahlen für 2012 und zwar erstaunlich detailliert auf drei Seiten. Lufthansa kam Montag mit einer Drittelseite aus.

Die Zahlen sind auf den ersten Blick erstaunlich positiv. „Air Berlin schließt 2012 mit Gewinn ab“, jubelt die Mitteilung. Das überrascht. Immerhin hat die die Linie im Rahmen ihres verschärften Sparprogramms Turbine diese Woche den ersten 100 von insgesamt gut 800 Beschäftigten gekündigt. Ob sich Airline mit der Erfolgsmeldung einen Gefallen in den Verhandlungen zum Personalabbau getan hat, bleibt abzuwarten.

Denn eigentlich signalisiert die Mitteilung: das Sparprogramm läuft gut und hat in 2012 mit 250 Millionen Euro mehr gebracht als ursprünglich geplant.

Dazu verkündet die Air-Berlin-Spitze, dass die Partnerschaft mit der Mutterlinie Etihad aus Abu Dhabi bombig läuft. Die Kooeparation hat 50 Millionen Euro mehr Umsatz gebracht, der wahrscheinlich größtenteils in den Gewinn geflossen ist. Was blieb, ist ein gewaltiger Sprung beim operativen Gewinn von 230 Millionen Euro und auch das Finanzergebnis ist mit einem Verlust von knapp 74 Millionen etwas besser.

Schrumpfende und wachsende Flughäfen
Kassel-CaldenAb November 2013 bis Frühjahr 2014 soll es in Kassel-Calden keine Linienflüge mehr geben. Das berichtet hr-online. Verhandlungen über Flüge nach Ägypten seinen gescheitert, die ab Februar geplanten wöchentliche Flüge auf die Kanaren stünden auf der Kippe. Das Medium bezieht sich dabei auf Calden-Geschäftsführerin Maria Anna Muller. Der Regionalflughafen wurden am 4. April 2013 eröffnet. Die Kritik war von Anfang an groß, denn der Airport gilt als vollkommen überflüssig.Auf anderen deutschen Flughäfen herrscht dagegen ein regelrechter Überfluss an Passagieren... Quelle: dpa
+ 1: Karlsruhe/Baden-BadenDer Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden hat 2012 in Deutschland prozentual die meisten Passagiere hinzugewonnen. 15,4 Prozent Fluggäste mehr zählte der Baden-Airport, der in Rheinmünster-Söllingen steht. Insgesamt kam der Flughafen auf 1,28 Millionen Passagiere. Auf dem Baden-Airport werden auch immer mehr Fluggäste für außereuropäische Verbindungen abgefertigt. Quelle: Flughafen-Verband ADV Quelle: dpa/dpaweb
+ 2: Leipzig/HalleSegen für die Landebahn des Flughafens Leipzig/Halle (Archivbild): In 2012 hat der Airport seine Passagierzahl um 13,9 Prozent gesteigert. Damit schafft es Leipzig/Halle über die Zwei-Millionen-Marke. 2,09 Millionen Fluggäste landeten oder hoben dort ab. Der Flughafen ist vor allem als Drehkreuz für das Logistikunternehmen DHL bekannt. Quelle: dpa
+ 3: Berlin-TegelEigentlich sollte der Flughafen Berlin-Tegel in 2012 geschlossen werden. Stattdessen setzte er zu neuen Höhenflügen an: Das Passagierplus betrug 7,4 Prozent, 18,15 Millionen Fluggäste konnte der Airport begrüßen. Grund war der mehrfach verschobene Start des neuen Hauptstadtflughafens. Das größte Wachstum verzeichnete Tegel bei Interkontinental-Flügen. Quelle: dpa
+ 4: DortmundNicht nur BVB-Trainer Jürgen Klopp fliegt ab Dortmund: Der Flughafen im Ruhrgebiet verzeichnete 2012 ein Passagierplus von 4,6 Prozent. 1,9 Millionen Fluggäste hatte der Airport. Quelle: dpa
+ 5: DüsseldorfDüsseldorf ist nicht nur einer der größten deutschen Flughäfen, sondern auch einer der am stärksten wachsenden. 2,4 Prozent betrug der Zuwachs bei den Passagieren in 2012. Insgesamt wurden 20,81 Millionen Fluggäste abgefertigt. Interkontinental-Flüge waren mit einem Plus von 11,4 Prozent der Wachstumstreiber des Flughafens in Nordrhein-Westfalen. Quelle: dpa
+ 6: FrankfurtDer mit Abstand größte Flughafen der Republik wächst weiter. Mit einem Zuwachs von 1,7 Prozent lag Frankfurt über dem durchschnittlichen Wachstum von 1,1 Prozent. 57,27 Millionen Passagiere flogen ab, nach oder über den Frankfurter Airport, der nur im innerdeutschen Flugverkehr Einbußen hinnehmen musste. Quelle: AP

Das beruht nicht allein auf Kostensenkungen, sondern wohl vor allem darauf, dass Air Berlin jedem ihrer 33,4 Millionen Passagiere im vergangenen Jahr im Schnitt mehr Geld abgeknöpft hat als im Vorjahr. Rein rechnerisch ergeben die neun Euro pro Kunde ein Plus von fast 300 Millionen Euro. Die erfolgreiche Ertragssteuerung, wie die Branche Preiserhöhungen nennt, bemerkte jeder beim Buchen, wenn er für die Sommerreise ans Mittelmeer teilweise bereits im Oktober auf Preise von mehr als 300 für den Hin- und Rückflug stieß.

Und das dürfte erst der Anfang sein. Weil die Zahl der Wettbewerber sinkt, dürften die Preise weiter steigen. Das gilt besonders im größten Feld innerdeutscher Verkehr, aus dem sich die Lufthansa fast komplett zurückgezogen und ihrer beim Service aufgerüsteten Tochter Germanwings überlassen hat. Die Erfahrung zeigt: die Preise steigen, wenn irgendwo statt drei nur noch zwei Wettbewerber unterwegs sind.

Doch trotzdem sollten die Anleger zumindest vorsichtig bleiben. Denn in ihrer Mitteilung hat Air Berlin leider ein paar wichtige Dinge im Kleingedruckten versteckt und vor allem eine ganz wichtige gar nicht erwähnt.

So sind die Schulden zwar gesunken. Doch am Ende steht die Linie mit 770 Millionen immer noch mit dem Elffachen des operativen Gewinns aus 2012 in der Kreide.

Wer ganz genau rechnet, sieht zudem dass der Netto-Gewinn am Ende wohl auch aus einer Steuerrückzahlung stammt. Denn vor Steuern schreibt Air Berlin einen – wenn auch kleinen – Verlust.

Dazu hat die Linie in der Mitteilung über die Bilanz noch eine unangenehme Wertberichtigung untergebracht, die das ohnehin schon beunruhigend niedrige Eigenkapital für 2011 rückwirkend auf kaum 100 Millionen Euro gedrückt hat.

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