Air Berlin und Etihad Absurdes Tauziehen um die Gemeinschaftsflüge

Deutschland und die Emirate verhandeln über die Zukunft von Air Berlin. Es geht um 9000 Arbeitsplätze. Und die Verhandlungsatmosphäre ist am Tiefpunkt. Doch am Ende könnten die Araber siegen.

Air Berlin Quelle: dpa

140 Millionen Euro, das ist eine gewaltige Summe. Vor allem für eine Airline wie Air Berlin, die in gewaltigen Turbulenzen steckt. Die Zukunft der angeschlagenen Fluggesellschaft ist ungewiss. Vieles dreht sich in den diesen Tagen um die Codeshare-Flüge von Air Berlin und Etihad. Das sind Gemeinschaftsflüge, die jede Airline so verkauft, als wären es ihre eigenen Flugzeuge. Geflogen werden die Passagiere dann teilweise im Flieger des Partners. Diese Form der Kooperation bringt Air Berlin 140 Millionen Euro pro Jahr ein. Angeblich.                                            

Denn tatsächlich tobt hinter den Kulissen ein Streit darüber, ob die von Air Berlin und Etihad veranschlagten Umsatzzahlen realistisch sind. So wurde die Zahl etwa in einem offiziellen Schreiben der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) an den Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im September genannt. „Die Etihad Airways-airberlin Partnerschaft beinhaltet verschiedene Codeshare-Flüge, die airberlin ausführt und die mit mehr als 140 Millionen Euro für airberlin zu Buche schlagen“, heißt es in dem Brief des Wirtschaftsministers der Emirate, Sultan bin Saeed Al Mansoori, an Dobrindt. Der Brief liegt der WirtschaftsWoche vor.

Darum geht es beim Code-Share-Streit

Doch aus deutschen Verhandlungskreisen gibt es erhebliche Zweifel an dieser Version. „Die Codeshare-Flüge bringen Air Berlin eher einen zweistelligen Millionenbetrag“, heißt es aus der Regierung: „Die VAE haben dies in den Gesprächen mit der deutschen Seite eingeräumt“, so ein Insider weiter.

Im Bundesverkehrsministerium (BMVI) in Berlin ist man jedenfalls sehr irritiert. Seit Monaten verhandelt das Haus von Verkehrsminister Dobrindt federführend für die Bundesregierung mit den Emiraten. Das Grundproblem: Rund die Hälfte der 60 Codeshare-Flüge sind mit dem derzeit laufenden Luftfahrtabkommen zwischen Deutschland und den VAE nicht gedeckt. Diese Rechtsauffassung der Bundesregierung ist den VAE seit einem Jahr bekannt.

50.000 verkaufte Tickets

Seit 2014 genehmigte das verantwortliche Luftfahrtbundesamt die Gemeinschaftsflüge von Air Berlin und Etihad deshalb nur unter Vorbehalt, weil damals schon ein Großteil von Tickets verkauft wurden. Eine Vereinbarung zwischen den beiden Ländern sollte eigentlich bis zum Winterflugplan, der am 25. Oktober beginnt, unter Dach und Fach sein.

Das Air-Berlin-Problem in Zahlen

Doch die Gesprächsatmosphäre ist inzwischen an einem Tiefpunkt angekommen. Es hat seit Oktober 2014 nur wenige Gespräche gegeben. So traf man sich im Mai in Leipzig und erneut im August. Zuletzt gab es Gespräche am Freitag der vergangenen Woche und am Montag.

Doch die Emirate, so ist aus dem BMVI zu hören, bewegen sich nicht. „Die Gespräche mit den VAE zu Codeshare-Flügen, die über den zwischenstaatlich vereinbarten Rahmen hinaus durchgeführt werden sollen, sind bisher ohne Ergebnis verlaufen“, heißt es ganz offiziell. Und dann setzt das BMVI noch einen drauf: „Den Anstrengungen der Bundesregierung, eine luftverkehrsrechtlich tragfähige Lösung zu finden, haben sich die VAE verweigert“, sagte ein Sprecher von Dobrindt der WirtschaftsWoche.

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Dabei nimmt der Zeitdruck minütlich zu. Ohne Einigung dürfte Air Berlin ab Sonntag auf knapp 30 Flügen die Passagiere, die über den Codeshare-Partner Etihad ihr Ticket gebucht haben, nicht an Bord begrüßen. Das gilt etwa auf Flügen von Abu Dhabi nach Berlin und Stuttgart. In dem Schreiben des arabischen Wirtschaftsministers ist von 50.000 bereits verkauften Tickets die Rede.

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