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Air Berlin Der Fünf-Stufen-Rettungsplan des Stefan Pichler

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Was der Air-Berlin-Plan bringt

5. Selbstbewusster Auftreten

Was Pichler an seinem neuen Arbeitgeber - neben den notorisch roten Zahlen - bislang offenbar am meisten ärgerte, war der öffentliche Auftritt. In den Diskussionen um die Finanzhilfen von Hauptaktionär Etihad und dem Streit um die Gemeinschaftsflüge habe Air Berlin zu häufig nur auf die Vorwürfe von Wettbewerbern reagiert, statt selbst aktiv zu werden und das Meinungsbild zu prägen.

Passagiere provozieren Zwischenlandung
Schon zum dritten Mal binnen kurzer Zeit zwangen streitende Passagiere eine Maschine zur Zwischenlandung: Weil ein Passagier seinen Sitz zurück klappte, rastete eine dahinter sitzende 32-Jährige aus, schrie und fluchte und ließ sich nicht mehr beruhigen. Sie verlangte von der Crew, dass der Delta-Flug 2370 von New York nach Palm Beach in Florida landen solle. Eine ganz ähnliche Situation mussten die Flugbegleiter von United Airlines letzte Woche ertragen... Quelle: AP
Zwei streitende Passagiere haben auf einem United Airlines-Flug von Newark nach Denver für einen unfreiwilligen Zwischenstopp gesorgt. Die Maschine musste ihren Flug in Chicago unterbrechen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP sorgte ein kleines technisches Gerät für den Streit. Ist das am Sitz befestigt, kann die Lehne nicht heruntergefahren werden. Ein Fluggast hatte ein solches Gerät offenbar an seinem Vordersitz befestigt, die Dame auf dem Platz musste aufrecht sitzen bleiben und beschwerte sich. Da der Fluggast auf seinem Laptop arbeiten wollte, weigerte er sich, das Gerät zu entfernen. Nachdem die Dame daraufhin ein Glas Wasser über ihren Hintermann kippte, sah sich die Crew des Fluges zur Zwischenlandung gezwungen. Welche weiteren Fragen Flugbegleiter schnell auf die Palme bringen. Quelle: AP
Gerade Menschen mit Flugangst machen sich oft viele Gedanken: Warum macht das Flugzeug jetzt dieses Geräusch? Was passiert bei einem Gewitter, warum fliegt der Pilot Schlangenlinien? Bei der Frage: "Wo befindet sich denn der Fallschirm?" nach den Sicherheitseinweisungen mussten sich die Flugbegleiter jedoch das Lachen verkneifen. Quelle: AP
Bei den Billig-Airlines mit all ihren Sonderzuschlägen kann man ja nie wissen. Die Frage "Ist der Flugpreis eigentlich nach Gewicht gestaffelt?" ist deshalb gar nicht mal so aus der Luft gegriffen. Der Reiseführer Marco Polo hat diese und weitere kuriose Fragen, die sich Flugbegleiter während ihrer Arbeit anhören müssen, gesammelt. Quelle: dpa
Na klar, viele Menschen sind nervös oder aufgeregt, wenn sie - vielleicht auch zum ersten Mal - mit einem Flugzeug reisen. Die Frage: "Haben Sie auch kalorienreduziertes Wasser?", lässt sich aber nicht nur mit Flugangst oder Reisefieber entschuldigen. Quelle: dpa
Nicht schlecht gestaunt haben dürften Stewards und Stewardessen über die Frage: "Gibt’s den Kaffee auch in Kännchen?" Dabei weiß doch jeder, dass es Kännchen nur draußen gibt. Quelle: dpa
Klar kommt auch die kulinarische Versorgung der Passagiere über den Wolken nicht zu kurz. Nur dass die obligatorische Frage, ob es nun vegetarisch, Rind oder Hühnchen sein dürfe, mit "Gibt es auch McDonalds-Produkte?" beantwortet wurde, das war neu. Quelle: REUTERS

Auch die Mitarbeiter dürfen künftig mehr Selbstbewusstsein ihrer Führungskräfte erwarten. So hat Pichler bereits eine eigene interne E-Mailadresse eingerichtet, über die er Verbesserungsvorschläge und Rückmeldungen aus der Belegschaft einsammelt.

Dazu gibt es offenbar Pläne, die Chefetage ein wenig mehr zu öffnen. Als erstes hat Pichler im Konzern die Anrede per Vornamen und möglichst auch per Du eingeführt. Dazu will sich die Chefetage weniger intensiv in ihren Räumen am Flughafen Berlin verbarrikadieren. Beides dient vor allem dem Zweck, die Mitarbeiter zu motivieren.

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Schnelle Rettung ist kaum zu erwarten

Bei allem Enthusiasmus, Wunder erwartet Pichler von seinem Rettungsplan offenbar nicht. So wird wohl auch das laufende Geschäftsjahr 2015 mit einem Verlust enden.

Für einen schnellen Turnaround sind die Mühlsteine einfach zu groß. Hierzu zählen etwa die viel zu teuer gemieteten Flugzeuge von der Tui oder jene Maschinen, die zur raschen Geldbeschaffung an Leasingfirmen verkauft und teuer zurück gemietet wurden. Die Deals mit ihren hohen Folgekosten gelten inzwischen branchenweit als Beispiel für die Tücken solcher Sale- und Lease-Back-Geschäfte.

Doch ganz mutlos ist Pichler nicht. Wie er in vertrauter Runde durchblicken ließ, will er das Projekt "Air Berlin wird profitabel" beenden, bevor der Berliner Flughafen BER fertiggestellt wird. Das müsste dann wohl 2016 sein.

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