Air Berlin Wie Air Berlins Kampf die Branche durchwirbelt

Bei der Fluggesellschaft Air Berlin steht die Woche der Entscheidungen an. Die deutsche Nummer Zwei wird voraussichtlich zerschlagen. Das kann weitreichende Folgen für die Branche haben.

Der Überlebenskampf von Air Berlin wirbelt die gesamte Branche durcheinander. Quelle: dpa

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat es vorausgesagt: Air Berlin implodiert. Der Überlebenskampf der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft wirbelt die gesamte Branche durcheinander und führt zu neuen Allianzen.

Voraussichtlich noch in dieser Woche will Air-Berlin Großaktionär Etihad die hoch verschuldete Firma auf die Hälfte schrumpfen. Rund 40 Flieger werden die Araber voraussichtlich an die Lufthansa los, deren Aufsichtsrat am Mittwoch über die Übernahme von Flugzeugen und Crews mittels Leasing beraten will.

Weitere Ferienflieger und die Tochter Niki könnten in einem Gemeinschaftsunternehmen mit der Tui landen, heißt es aus dem Umfeld der Verhandler. Zuerst hatte darüber die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.

Europas größte Billigflieger
Platz 10: Jet 2Jet 2 ging aus der 1978 gegründeten Channel Express hervor und nahm im Jahr 2013 ihren Flugbetrieb auf. Sie fliegt vor allem Urlaubsdestinationen am Mittelmeer sowie europäische Hauptstädte an. Der britische Billigflieger mit Sitz in Leeds startete im Juli 1846 Mal, verfügte über 345.414 Sitze und flog 516 Strecken. Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt; Ranking auf Grundlage der Starts im Juli 2017
Transavia Quelle: REUTERS
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Norwegian Air Shuttle Quelle: REUTERS
Flybe Quelle: REUTERS
Eurowings/Germanwings Quelle: dpa

Verbleiben würden mit rund 70 Jets einige Fernstrecken, der Drehkreuz-Verkehr in Berlin und Düsseldorf sowie die Zubringerflüge nach Abu Dhabi – der eigentliche Grund, warum Etihad überhaupt jemals bei den Berlinern eingestiegen ist.

Luftfahrt-Berater Gerald Wissel ist allerdings auch vom verkleinerten Konzept nicht überzeugt: „Die Europa-Strategie der Etihad ist gescheitert. Mit den Zubringerflügen nach Abu Dhabi wäre auch eine Rumpf-Air Berlin nicht zukunftsfähig. Etihad handelt nicht strategisch sondern aus reiner Verzweiflung.“

So ist wohl auch die derzeitige Eile zu verstehen, die verlustreiche Airline aufzuspalten. „Es geht jetzt Schlag auf Schlag“, heißt es in Etihad-Kreisen. Wenn der Lufthansa-Deal am Mittwoch gelingt, solle die Vereinbarung mit Tuifly noch diese Woche spruchreif werden.

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Zusätzliche Bewegung kommt von den großen Touristikkonzernen, deren eigene Fluggesellschaften wie Tuifly oder Condor zuletzt mit der mangelnden touristischen Nachfrage in die Türkei und arabische Ziele zu kämpfen hatten. „Thomas Cook und Tui prüfen, ob sie ihre Fluggesellschaften abgeben“, sagt Wissel. „Gut wäre ein unabhängiger Ferienflug-Anbieter, der diese Flotten auch mit den Flugzeugen von Air Berlin zusammenfasst.“

Zunächst geht aber wohl erstmal nur die Tuifly mit einer Air-Berlin-Teilflotte zusammen. Die Partner fänden damit zumindest einen Ausweg aus dem für Air Berlin viel zu teuren Leasing-Deal von 14 Tuifly-Boeings samt Personal, der Insidern zufolge noch mindestens bis 2019 gelaufen wäre.

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