Air Berlin "Wir knallen die Flugzeuge nicht zu Billigpreisen voll"

Air Berlin häuft seit Jahren Verluste und Schulden an. Der Chef der Fluglinie, Stefan Pichler, gibt dem Konzern noch eine letzte Chance. Wie die Rettung gelingen soll, skizziert er im Interview.

Stefan Pichler hat den Posten des Air-Berlin-Chefs in einer schwierigen Zeit übernommen. Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Pichler, Sie versuchen seit Februar, Air Berlin zu retten. Doch zum Halbjahr mussten Sie erneut ­gewaltige Verluste melden. Scheitert die Sanierung?

Stefan Pichler: Im Gegenteil. Wir sind tief in der Sanierung, und ich bin sicher, dass wir sie erfolgreich abschließen. Unsere rein operative Performance entwickelt sich gut. Wir haben viele Maßnahmen gestartet, die zu niedrigeren Kosten und höheren Einnahmen führen. Unser Unternehmen schreibt seit Jahren Verluste. Das können wir nicht in ein paar Monaten drehen, aber wir schaffen die Grundlagen.

Was macht Sie so optimistisch?

Nehmen Sie unsere neuen Systeme zum Ertragsmanagement, die für erheblich höhere Erträge sorgen. Auch unsere Strategie zur Sicherung von Ölpreis und Dollar-Kurs wird unser Resultat verbessern. Der Kern unseres Geschäftes ist stark. Ich bin zuversichtlich, dass wir das an besseren Resultaten im zweiten Halbjahr merken. Das werden wir mit höheren Durchschnittserträgen und angepassten Kapazitäten erreichen.

Zur Person

Warum zeigen die Zahlen noch keine Fortschritte?

Ein Großteil der Verbesserungen wurde von unglück­lichen Sicherungsgeschäften beim Kerosin aufgefressen. Wir haben wie viele Fluglinien Kerosin zu einem Preis gesichert, der sich nach dem Einbruch auf dem Ölmarkt als viel zu hoch erweist. Das hat uns im ersten Halbjahr rund 150 Millionen Euro Mehrkosten beschert. Sonst hätten wir längst bessere Zahlen. Doch die teuren Sicherungsgeschäfte laufen gegen Ende des Jahres aus, was zu Verbesserungen führen wird. Das operative Geschäft verbessert sich, wie man an den starken Auslastungszahlen für Juli mit 87,3 Prozent und einer Rekordauslastung im August mit 90,9 Prozent ablesen kann.

Gemessen am Ergebnis von 2014 wären 150 Millionen Euro weniger Verlust immer noch fast 230 Millionen Minus.

Nicht unbedingt. 2014 war mit einmaligen Restrukturierungskosten von 100 Millionen Euro belastet.

Zum Beispiel?

Wir verbessern unser Ergebnis in allen Bereichen, durch ein neues Ertragsmanagement und höhere Durchschnittserträge.

Wie wollen Sie bei der wachsenden Billigkonkurrenz höhere Preise durchsetzen?

Wir wollen ja die Preise gar nicht generell erhöhen.

Das Air-Berlin-Problem in Zahlen

Sondern?

Wir knallen nicht wie früher die Flugzeuge lange im Voraus zu Billigpreisen mit Passagieren voll. Stattdessen halten wir mehr Plätze für kurzfristigere Bucher zurück, wie zum Beispiel Geschäftsleute, die bereit sind, höhere Preise zu bezahlen. Mit dieser Strategie haben wir im zweiten Quartal gut ein Prozent höhere Durchschnittserträge erzielt.

Kommen diese zwei Prozent mehr nicht vor allem daher, weil Sie kürzere Flüge zugunsten längerer gestrichen haben, die im Schnitt höhere Preise bringen?

Das ist nur ein Teil der Erklärung. Unsere Maschinen sind auch besser ausgelastet. Bei der Präsentation unserer Geschäftszahlen für das dritte Quartal werden Sie den Effekt deutlich sehen.

Insider berichten, Sie könnten pro Ticket sogar fünf Prozent mehr einnehmen.

Natürlich sind geringere Kosten und höhere Durchschnittserträge unser Ziel. Wir werden aber nicht unsere Strategie in den Medien offenlegen.

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