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Airbnb Vom Zimmervermittler zum Städteführer

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1,5 Milliarden Dollar Umsatz

Drei Prozent Gebühren pro Buchung verlangt Airbnb vom Gastgeber, weitere sechs bis zwölf Prozent vom Gast. Das läppert sich. Im vergangenen Jahr soll Airbnb fast die Umsatzgrenze von einer Milliarde Dollar gestreift haben. Für dieses Jahr schätzt Max Wolff, bis vor kurzem Chefökonom beim Wagniskapitalgeber Manhattan Venture Partners, den Umsatz auf mindestens 1,6 Milliarden Dollar. Bis 2020, so hat Chesky Investoren in Aussicht gestellt, soll sein Unternehmen die Gewinnschwelle erreichen.

Vom Beinahe-Bankrott innerhalb von sieben Jahren zum zweitwertvollsten US-Start-up aufzusteigen, gleich hinter dem Taxivermittler Uber, das ist eine fast unglaubliche Errungenschaft. Doch zurück auf der Bühne in Los Angeles, wirkt ihr Architekt ungeheuer angespannt. Das mag mit dem Druck zusammenhängen, den Gastgeber für 7500 Konferenzteilnehmer zu spielen, die Schauspieler Gwyneth Paltrow und Ashton Kutcher – beide nach eigenen Bekunden Airbnb-Nutzer, Kutcher ist auch selber investiert – live auf der Bühne zu interviewen, Lady Gaga als Stargast zu präsentieren und gleichzeitig ein neues Produkt zu starten.

Es kann aber am Gegenwind liegen, der dem Selfmade-Milliardär mit wachsendem Erfolg immer stärker entgegenbläst. Mehr als einmal wird Chesky in Los Angeles seinen vom französischen Romancier Victor Hugo entlehnten Lieblingsspruch, inzwischen eine interne Durchhalteparole bei Airbnb, rezitieren: „Man kann keine Idee stoppen, deren Zeit gekommen ist. Und unsere Zeit ist gekommen.”

Kategorie Start-up

Viele sehen das nicht so. Beispielsweise die Demonstranten, die Protestschilder vor dem Theater schwenken, durch Downtown Los Angeles ziehen und johlen: „Airbnb muss verschwinden.“ James Elmendorf, einer der Organisatoren, hat überhaupt nichts gegen Airbnbs ursprüngliche Idee, Schlafgelegenheiten in Wohnungen zu vermitteln, damit deren Anbieter sich ein Zubrot verdienen können. Doch für ihn ist das vergangene Romantik, die längst vom harten Kapitalismus verdrängt wurde. „Das Problem ist doch, dass mittlerweile professionelle Investoren ganze Apartments oder Häuser übernehmen, um sie ausschließlich über Airbnb zu vermarkten“, schimpft Elmendorf, dessen Aktivistenverband Laane sich auch für höhere Löhne für Hotelangestellte einsetzt. „Damit entziehen sie Wohnungen und treiben die Mieten für alle hoch.“

25 Kilometer westlich von Downtown Los Angeles, in Santa Monica, wo der frühere kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger lebt, hat der Stadtrat deshalb im vergangenen Sommer drastische Auflagen für Kurzzeit-Vermieter beschlossen, deren Auswirkungen seitdem von Lokalpolitikern weltweit studiert werden.

Unterkünfte dürfen in der Küstenstadt nur noch dann für weniger als 30 Tage vermietet werden, wenn der Anbieter während des Aufenthalts selber in der Wohnung lebt und sich im Rathaus registriert hat. Alle anderen kurzfristigen Vermietungen sind verboten. Seitdem sind die auf Airbnb gelisteten Unterkünfte laut Recherchen seiner Stadtplaner von ehemals 1700 Angeboten auf rund 500 gefallen.

Wo Tourismus in Deutschland funktioniert
Küste Quelle: dpa
Küste Quelle: imago images
Ein Blick in den Osten Quelle: dpa
Osten Quelle: dpa
Das Ruhrgebiet – Kultur als Anschub Quelle: dpa
Ruhrgebiet Quelle: dpa
Sachsen-Anhalt hofft auf Nachhall Quelle: dpa

Um ein Exempel zu statuieren, verklagte Santa Monica im Frühjahr öffentlichkeitswirksam mit Scott Shatford einen prominenten Airbnb-Gastgeber. Der ehemalige Manager der Personalberatung Korn Ferry betreibt mit AirDNA ein Beratungsunternehmen, das beim Ermitteln des optimalen Mietpreises für Airbnb-Angebote hilft. Shatford selber offerierte gleich fünf Wohnungen in Santa Monica, nach der Gesetzesänderung alle illegal. Inzwischen hat er die 3500 Dollar Strafe beglichen, die Geschäfte in Santa Monica aufgegeben und ist nach Denver weitergezogen.

Seine heißeste Empfehlung für Investoren, die angemietete Wohnungen auf Airbnb offerieren, ist Barcelona. In der spanischen Metropole lasse sich eine Ein-Zimmer Wohnung derzeit für 9500 Dollar im Jahr anmieten und im Schnitt für 24 600 Dollar auf Airbnb weitervermarkten – eine Gewinnspanne von 15 000 Dollar. Etwas geringer, aber immer noch beachtlich ist sie laut Shatford mit 8700 Dollar in Berlin.

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