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Airbus Die versteckten Nachrichten beim Chefwechsel

Airbus: Die versteckten Nachrichten beim Chefwechsel Quelle: REUTERS

Faury folgt Enders: Hinter dem Wechsel an der Airbus-Spitze steckt eine Menge Routine. Die faustdicke Überraschung verbirgt sich in einer anderen Personalie.

Unerwartet kam die Nachricht nicht. Am Montagabend verkündete Airbus per Pressemitteilung, dass Guillaume Faury vom Leiter des Zivilflugzeugbaus zum Nachfolger von Konzernchef Tom Enders befördert wird. „Das hat jeder erwartet“, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt.

Seit Faury Anfang des Jahres vom Leiter des Hubschraubergeschäfts auf den Chefposten des Flugzeugbaus rückte, schien sein Weg an die Konzernspitze vorgegeben. Mochte der Verwaltungsrat auch kurzfristig damit liebäugeln, einen Außenseiter wie Patrice Caine vom Chefsessel des französischen Technologie- und Rüstungsunternehmens Thales zu locken. Spätestens nachdem Airbus-Vertriebschef Eric Schulz als letzte Außenseiter im Vorstand gescheitert war, galt eine interne Lösung als gesetzt.

Doch wer nur auf diese Personalie blickt, verkennt die eigentliche Überraschung: Anders als von vielen erwartet, behält Denis Ranque seinen Posten als Chef des Airbus-Verwaltungsrats und tritt vorerst nicht ab.

Das ist ein Meilenstein für Europas größten Flugzeug- und Rüstungskonzern. Zum ersten Mal in den fast 50 Jahren seit der Gründung von Airbus sind die beiden höchsten Posten im Unternehmen damit in französischer Hand – und nicht paritätisch deutsch-französisch besetzt. Zudem steht noch nicht fest, wer dem deutschen Finanzchef Harald Wilhelm folgt.

Ein solches Ungleichgewicht zu Lasten Deutschlands galt bisher als undenkbar. Als vor gut zehn Jahren der damalige Staatspräsident Nicolas Sarkozy versuchte, eine rein französische Spitze zu etablieren, machte Bundeskanzlerin Angela Merkel das sogar zur Chefsache.

Drei Botschaften an die Politik

Die aktuelle Ruhe könnten Zyniker drauf zurückführen, dass die deutsche Politik angesichts von Koalitionsstreit und der Wahlen in Bayern und Hessen die französische Doppelspitze nicht so recht mitbekommen hat. Aber vielleicht haben die Regierungen in Berlin und Paris, die ja jeweils gut elf Prozent der Aktien halten, die drei versteckten Nachrichten verstanden.

Die erste und deutlichste Botschaft lautet: Airbus will keine bessere Behörde mehr sein. Die Politiker sollen sich aus Konzern raushalten. Dazu gehört, dass anders als bei den vier bisherigen Führungswechseln nicht Konzernchef und Verwaltungsratsvorsitzender gleichzeitig aufhören, sondern nach einander. Das ist ein gutes Zeichen für Kontinuität, gerade weil in den Jahren 2017 bis 2019 die Führung fast komplett getauscht wird.

Zwar gibt es mit dem ehemaligen Deutschen Telekom-Chef René Obermann bereits einen potentiellen Nachfolger für Ranque. Doch der kann sich nun noch ein Jahr länger in das komplizierte Machtgeflecht bei Airbus einarbeiten.

Das Selbstbewusstsein des Verwaltungsrats gegenüber der Politik ist keineswegs selbstverständlich. Denn als im vergangenen Winter Intrigen von französischer Seite den Konzern durchschüttelten, blieben die sonst so selbstbewussten internationalen Mitglieder des Verwaltungsrats - inklusive der Vertreter des Hauptaktionärs Bundesrepublik Deutschland - erstaunlich ruhig, statt sich zu wehren und Enders den Rücken zu stärken.

Die zweite Nachricht: Die Zeit der klassischen Sachwalter bei Airbus ist vorbei. So wie Enders kein reiner Interessenvertreter Deutschlands war, ist Faury kein Erfüllungsgehilfe Frankreichs. Zwar hat Faury mit der École Polytechnique die übliche gallische Eliteschule durchlaufen. Doch er ist kein ehemaliger Ministerialer. Er arbeitete lediglich als Testingenieur für die französische Rüstungsbehörde DGA.

Franzose Faury soll ans Ruder

Stattdessen ist Faury eine Art Novum für einen Airbus-Anführer: Ein Ingenieur mit einer Lizenz als Testpilot. Darum durchschaut er die Technik zumindest ebenso gut wie die Machtspiele. „Er kann die wichtigsten Details der meisten Airbus-Maschinen verstehen und setzt auf Klarheit sowie Liebe zum Detail mit den passenden Worten von der Vorstandsetage bis hinunter in die Werkhalle“, beschriebt ihn ein Mitarbeiter eines Zulieferers.

Darum ist die dritte und letzte Botschaft des Umbaus: Bei Airbus ändert sich nichts Grundlegendes am von Enders angetriebenen Kurs in Richtung stärkerer Internationalisierung.

Wenn sich die Politiker in Deutschland und Frankreich einig waren, dann im Unbehagen über den Abbau nationaler Machtzentren und die Verlagerung von Fertigung in Länder außerhalb Europas.

Doch zu den wenigen Dingen, bei denen Faury schon klare Andeutungen gemacht hat, gehört die weitere Globalisierung von Produktion und Unternehmenskultur – vor allem in Richtung Asien.

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