Airbus Für die Army nach Alabama

Der Flugzeughersteller Airbus sichert mit seiner neuen Fabrik für Passagierjets in den USA seine Zukunft - nicht zuletzt im Militärgeschäft.

Airbus-Chef Fabrice Brégier im US-Bundesstaat Alabama. Quelle: dpa

Schon das Wetter macht klar: Es war eine gute Idee, dass Airbus-Chef Fabrice Brégier am Montag nach Mobile im US-Bundesstaat Alabama gekommen ist. Während über der Zentrale des Flugzeugherstellers im südfranzösischen Toulouse dicke Regenwolken hängen, strahlt am Golf von Mexico die Sonne. Ebenfalls angenehm: Während sich Airbus zu Hause oft unangenehmen Fragen um den Ausbau seiner Produktion oder des Rüstungsgeschäft stellen muss, sind heute neben jede Menge Bewohner des Bundesstaates gekommen um zu jubeln. Gemeinsam mit dem Gouverneur und Gästen aus aller Welt feiern sie die Eröffnung der Fabrik am Airbus Way Nummer 320 - benannt nach der Modellfamilie A320, die hier vom Band laufen soll.

Der Jubel ist kein Wunder. Die Fabrik sorgt nicht nur in den kommenden Jahren für viele Hightech-Jobs im trotz der Autowerke von BMW ansonsten recht strukturschwachen Süden. Der Bau sichert auch einen guten Teil der Zukunft von fast allen Teilen des Airbus-Konzerns – bis hin zum Rüstungsgeschäft.

Umsatzzahlen der Airbus-Geschäftsfelder

Dabei macht die Airbus-intern FAL (Final Assembly Line) abgekürzte Fertigung rein von den Zahlen her erstmal wenig Sinn. Die FAL kostet weit über eine halbe Milliarde Euro, für die Zulassung und den Start der Fertigung werden mühsam Techniker und die Kontrolleure der europäischen Aufsichtsbehörde EASA nach Alabama geflogen.

Trotzdem rollen aus der rund 470.000 Quadratmeter großen Fabrik bis Ende 2016 gerade mal zwei Maschinen. Und die montieren die derzeit 260 Beschäftigten fast komplett aus europäischen Teilen, die bis zu drei Wochen aus den Werken in Deutschland, England und Frankreich per LKW und Schiff unterwegs waren.

Selbst wenn ab 2017 die Serienproduktion startet, wird gerade mal eine Maschine pro Woche gebaut. Die Stammwerke in Hamburg und Toulouse brauchen nicht mal einen Tag pro Jet.

Der große Airbus-Plan

Tatsächlich steht hinter Mobile ein weit größerer Plan. Zum einen soll die Fabrik helfen, das – neben dem etwas lahmen Verkauf des Superjumbos A380 - größte Probleme des Konzern zu lösen: den gegenwärtigen Orderstau im Brot- und Butter-Geschäft Mittelstreckenflugzeuge. Fast 5000 A320-Jets hat Airbus derzeit im Bestellbuch. Doch in den elf Monaten außerhalb der Werksferien im Sommer kann der Konzern lediglich gut 500 Stück bauen. Damit die Kundschaft nicht abwandert oder gar hohe Entschädigungen für verspätete Lieferungen fordert, sollen es bald 550 und bis 2018 wohl gut 700 werden.

Das sind die teuersten Flugzeuge der Welt
Die 737 ist Boeings Verkaufsschlager. Besonders die spritsparende Max-Variante des Mittelstreckenjets findet reißenden Absatz. In der größten Version, 737-Max 9, ist das Flugzeug laut Liste für 113,3 Millionen Dollar zu haben. Die günstigste Version der Baureihe ist die 737-700, die 78,3 Millionen Dollar kostet. Die Listenpreise der Hersteller bieten nur einen Rahmen. Mit den Endpreisen stimmen sie in der Regel nicht überein. Die Hersteller gewähren hier in der Regel deutliche Preisnachlässe.Hinweis: Airbus-Preisliste für das Jahr 2015, Boeing für 2014. Quelle: dpa
Spritsparen ist das Gebot der Branche. Was bei Boeing die Max-Variante, ist bei Airbus „Neo“. Auch das größte Modell der A320-Familie, die A321, wird in der Neo-Variante angeboten. Listenpreis: 124,4 Millionen Dollar. Hier im Bild die A320neo, sie kostet 106,2 Millionen Dollar. Die kleinere A318 bietet Airbus bereits für 74,3 Millionen Dollar an. Quelle: Reuters
191,5 Millionen Dollar muss berappen, wer sich eine 767 von Boeing in den Hangar stellen will. Die Goldenen Zeiten hat das Flugzeug allerdings hinter sich, es wird kaum noch bestellt. Quelle: dapd
Der neue Airbus A330neo wurde erst im Sommer 2014 vorgestellt. In der größeren Version A330-900neo kostet der Flieger 284,6 Millionen Dollar. Die Maschine löst die A330-300 ab, die gut 30 Millionen Dollar günstiger war. Quelle: PR
Boeings neue Großvariante des 787-Dreamliner ist gleich knapp 80 Millionen Dollar teurer als die 787-8. Mit einem Listenpreis von 297,5 Millionen Dollar ist das Flugzeug auch eins der teuersten der Welt. Ab 2018 soll es erstmals an eine Airline ausgeliefert werden. Quelle: PR
Die „Triple Seven“ ist ein gefragtes Modell. Das Flugzeug punktet mit seiner großen Reichweite. Der Preis beträgt laut Liste 330 Millionen Dollar. Bald ist die 777 auch als spritsparende Variante erhältlich. Quelle: dpa
Wir nähern uns den Top drei: Erst seit Anfang 2015 ist der neue Airbus A350 im Dienst. Die große Version des Langstreckenjets A350-1000 (im Bild unten) ist für 351,9 Millionen Dollar zu haben. Die A350-900 (oben) kostet laut Liste 304,8 Millionen. Insgesamt hat Airbus die durchschnittlichen Listenpreise seiner Flugzeuge von 2014 auf 2015 um 3,27 Prozent erhöht. Quelle: PR

Das geht nicht ohne Mobile. Zwar weist Brégier noch Ideen zurück, Mobile könnte bald acht Jets pro Monat bauen. Tatsächlich arbeiten die Planer seines Konzerns jedoch schon nach Kräften daran. Denn die Werke in Hamburg und Toulouse kommen an ihre Grenzen und das Werk im chinesischen Tianjin tut sich mit höheren Produktionszahlen als die aktuell vier im Monat noch etwas schwer.

Dazu ist das Werk am Golf von Mexico trotz seiner Baukosten am Ende für Airbus relativ günstig. Auch die Werke in Europa zu erweitern wäre teuer und stünde vor einem langwierigen Genehmigungsprozess. Dagegen ging der Bau der Alabama-FAL nicht nur schneller als in der alten Welt. Dank üppiger Starthilfen des Bundesstaats und der lokalen Regierung in den USA war der Bau am Ende deutlich billiger als die halbe Milliarde Euro. Dazu sind die laufenden Kosten im Betrieb geringer als Europa, weil die Produktion moderner ist und im tiefen Süden mangels Gewerkschaftern auch die Löhne niedriger sind als in der alten Welt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%