Airline-Comeback Es lebe die LTU!

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Nummer 2 nach der Lufthansa

Die LTU war einst eins der Vorzeigeunternehmen in Nordrhein-Westfalen. 1955 als „Lufttransport-Union“ gegründet und vom Mülheimer Bauunternehmer Kurt Conle aufgebaut, war sie die erste Chartergesellschaft, die Düsenflugzeuge einsetzte. Die LTU-Crews brachten jahrzehntelang Millionen Passagiere vom Düsseldorfer Flughafen in Urlaubsregionen auf der ganzen Welt. Die Flotte rückte zwischenzeitlich zur zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft nach der Lufthansa auf. Jeder kannte die Marke mit den rot-weißen Flugzeugen – nicht zuletzt wegen der bundesweit bekannten LTU-Arena im Düsseldorfer Norden, in der Stars wie Madonna, Linkin Park und Bon Jovi auftraten.

Dann kam der Absturz: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gingen die Passagierzahlen dramatisch zurück. Nur durch eine Landesbürgschaft konnte die Traditionsmarke 2001 gerettet werden. Danach hatte sie mit der wachsenden Konkurrenz von Billigfliegern zu kämpfen. 2006 stieß die Rewe-Gruppe ihre Beteiligung an LTU ab, zuletzt war der Ferienflieger mehrheitlich im Besitz des Textilunternehmers Hans-Rudolf Wöhrl, 45 Prozent hielt der LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach. 2007 verkauften die beiden das Unternehmen an Air Berlin.

Vom Glanz der LTU-Ära ist nichts mehr übrig geblieben. Die LTU-Arena trägt mittlerweile den Namen ihres neuen Sponsors Esprit. Die ehemalige Firmenzentrale am Düsseldorfer Flughafen ist zu einem anonymen Büropark geworden. Und die Flugzeuge mit den drei weißen Großbuchstaben auf rotem Grund wurden in Air Berlin-Optik umlackiert. Spätestens seit der Insolvenz von Air Berlin im Sommer vergangenen Jahres ist LTU endgültig Geschichte. 

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Geblieben sind die Menschen und ihre Erinnerungen. Menschen, die nie richtig Abschied nehmen konnten von ihrer Airline, weil sie einfach irgendwann in Air Berlin aufging. Die Fluggesellschaft legte die LTU ab wie ein altes Kleidungsstück. Einige Mitarbeiter haben das dem Berliner Mutterkonzern nie verziehen. „Für mich war die AB nur ein Zerstörer der LTU. Mehr nicht!“, schreibt ein Mitglied der Facebook-Gruppe, die für die Neugründung der LTU eintritt.

Ein Stück Identität

Obwohl viele LTU-Mitarbeiter nach dem Verkauf zu Air Berlin wechselten, sahen sie sich weiterhin als Team der LTU. Immer wieder wurden Rufe laut, die LTU irgendwann wiederzubeleben. Die Ex-Mitarbeiter sehnen sich nach den goldenen Zeiten der Luftfahrtindustrie: einer Zeit ohne Billigflieger und schlechten Service. Einer Zeit, in der Fliegen noch etwas Besonderes war und die Tickets ein paar Euro mehr kosteten. Eine Zeit, in der „der Urlaub schon im Flieger begann“ – ein häufig gepredigtes Credo der Airline. Pilot und Flugbegleiter waren damals Traumberufe. Längere Zwischenhalte in Miami oder New York gehörten bei Langstreckenflügen dazu.

Sven Scholten will diese Zeit zurückbringen. Und er meint es ernst. Sobald die Rechte an der Marke LTU wieder frei sind, will er seine „LTYou“ umbenennen. Derzeit lässt er in einer Marktanalyse von externen Beratern ermitteln, welche Kundengruppen und welche Flugstrecken für seine Airline interessant sein könnten. Erst danach will er einen konkreten Businessplan entwickeln. Das Startkapital für „LTYou“ stamme aus Spendenaufrufen in der Facebook-Gruppe und dem Privatvermögen der drei Gründer. Karlheinz Sonder war geschäftsführender Gesellschafter einer Dortmunder Pressevertriebsgesellschaft, verkaufte 1996 seine Anteile und wanderte nach Florida aus. Der dritte im Bunde, Rainer Janz, ist Handwerker. Sonder und Janz waren selbst nie bei der Airline beschäftigt, waren aber regelmäßige Passagiere. In der Facebook-Gruppe rufen sie die Mitglieder dazu auf, sich in verschiedenen Arbeitsgruppen in einem externen Forum zu beteiligen, um das Projekt „LTU-Wiederbelebung“ voranzutreiben.

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