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Airlines in Turbulenzen Jetzt trifft die Krise auch die Unbesiegbaren

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4. Aus Lastern wurden Gewohnheiten

Über wenig reden Airline-Chefs so gern wie über den Plan, aus ihrer Linie ein streng betriebswirtschaftlich geführtes Unternehmen zu machen – und alte Laster abzulegen. Leider sind das im Ernstfall oft kaum mehr als Lippenbekenntnisse.

Ob in Japan, den USA, Europa und erst recht am Golf: Bis vor kurzem war es noch das wichtigste Ziel zu wachsen, ohne Rücksicht auf mögliche Verluste. „Überall haben die Unternehmen zumindest in diesem und dem vergangenen Jahr das Angebot deutlich stärker ausgebaut als es aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung sinnvoll gewesen wäre“, so eine Analyse der CAPA-Marktforscher. So will Japan Airlines über dem Pazifik mit mehr als zehn Prozent etwa doppelt so viel zulegen wie geboten. Und selbst die lange so rationalen US-Linien denken offenbar um. „Wir wollen unseren natürlichen Marktanteil zurück“, verkündete Scott Kirby, Chef des Tagesgeschäfts bei United Airlines, zum Jahreswechsel.

Die Folge sind Überkapazitäten und Kampfpreise. So mussten Delta und Air France-KLM in ihrer Nordatlantik-Kooperation bereits ein Drittel mehr Rabatttickets anbieten als geplant – „und schädigen auch uns damit“, so Kirby.

Das ist noch nicht alles. Was sie an Gewinn machen, investieren sie eher kurzsichtig. Das Geld wird entweder in Form höherer Gehälter in den Betriebsfrieden gesteckt, als Boni an Führungskräfte gegeben, an Aktionäre ausgeschüttet oder für Aktienrückkäufe genutzt. Nötig wäre hingegen mehr Geld für den Service. Angesichts des sinkenden Komforts und dem oft rüden Umgang mit den Passagieren bei Pannen, fordern nun immer mehr Politiker in den USA für Flüge strengere Standards bei Sitzabständen und kostenlosen Servicebestandteilen.

Besser spät als nie

So sehr die Linien auch an ihren schlechten Traditionen hängen: Experten wie Leeham-Analyst Fehrm halten die aktuelle Krise für weniger schlimm als Frühere. Am Ende haben sich die Fluglinien in den vergangenen Jahren genug geändert, um ihre Fehler zumindest teilweise zu erkennen und schneller zu reagieren.

Europas größte Billigflieger
Platz 10: Jet 2Jet 2 ging aus der 1978 gegründeten Channel Express hervor und nahm im Jahr 2013 ihren Flugbetrieb auf. Sie fliegt vor allem Urlaubsdestinationen am Mittelmeer sowie europäische Hauptstädte an. Der britische Billigflieger mit Sitz in Leeds startete im Juli 1846 Mal, verfügte über 345.414 Sitze und flog 516 Strecken. Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt; Ranking auf Grundlage der Starts im Juli 2017
Transavia Quelle: REUTERS
 Aer Lingus Quelle: AP
Wizz Air Quelle: AP
Norwegian Air Shuttle Quelle: REUTERS
Flybe Quelle: REUTERS
Eurowings/Germanwings Quelle: dpa

Dafür sorgt nicht zuletzt, dass durch Pleiten und Übernahmen in den vergangenen Jahren viele Linien verschwunden sind und die verbliebenen größeren als börsennotierte Unternehmen unter dem Druck des Kapitalmarkts stehen. Wie schnell das wirkt, zeigte sich nicht zuletzt bei United Airlines. Als der Börsenkurs einbrach, weil die Anleger nach dem gewaltsamen Entfernen eines Passagiers aus einem Flugzeug nervös wurden, verkündete die Linie Reformen, und zwar deutlich schneller als bisher. „Darum muss 2017 von den Aussichten her nicht unbedingt so enden, wie es begonnen hat“, so Fehrm.

Kommt die Kurskorrektur schnell genug, haben die Airlines die Chance, glimpflich aus der Krise zu kommen.

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