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Airlines Unerwartete Belastung aus Down Under

Die angekündigte Flugkooperation zwischen der australischen Qantas und Emirates aus Dubai ist eine kleine aber nachahmenswerte Revolution, ein Sargnagel für die Oneworld-Allianz mit Air Berlin - und ein weiterer Mühlstein für die Lufthansa.

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Qantas Quelle: REUTERS

Wenn die Fluglinien vom persischen Golf wie Emirates, Etihad und Qatar Neuerungen ankündigten, erntete sie lange Zeit Mitleid, später Unverständnis und nun wächst die Angst. Denn die Staatsairlines zeigen den Marktführern im Westen, dass es in der Fleigerei ein Wort immer seltener gibt: unmöglich.

Die großen Drei aus Arabien haben zuerst gezeigt, dass niedrige Kosten und Top-Service nicht nur kein Wiederspruch, sondern im Gegensatz Bedingung sind. Dann bastelte Etihad aus Abu Dhabi ohne großes Brimborium ein kleines weltweites Flugimperium aus Aer Lingus, Air Berlin und künftig wohl auch Air France. Und nun bestätigt Emirates eine Kooperation mit der australischen Qantas, die gleich eine ganze Reihe von Gesetzen der Branche auf den Kopf stellt – und die Bedrohung für Europäer wie British Airways und Lufthansa auf eine neue Ebene hebt.

Die weltbesten Fluglinien
Die First Class in einem A340 von Emirates Quelle: AP
Ein Flugzeug der Turkisch Airlines Quelle: REUTERS
Eine Frau beim Check in bei Qantas Quelle: Presse
Zwei Flugzeuge der Air New Zealand Quelle: AP
Ein Flugzeug von Etihad Airways Quelle: AP
Flugzeuge von Thai Airways Quelle: REUTERS
Ein Paar in der First Class der Cathay Pacific Airways Quelle: Presse

Natürlich ist für Qantas die Partnerschaft mit Emirates vordergründig nur ein Akt der Verzweiflung und nicht auf andere westliche Airlines übertragbar. Denn Qantas leidet vor allem auf der Langstrecke – nicht zuletzt unter Emirates. Dagegen fliegt die Linie auf der Kurzstrecke profitabel. In Europa ist es anders herum. Hier müssen die Marktführer die Kurzstrecke aus der Langstrecke quersubventionieren.

Konsequente Lernfähigkeit

Doch das greift zu kurz. Denn Qantas ist kein Notfall wie Air France, die bei Etihad ein wenig Hilfe sucht. Die Australier galten lange als modernste der traditionellen Langstreckenlinien. Denn ihr Chef Alan Joyce hat die Linie in harten Kämpfen mit der Belegschaft und den Flughäfen flexibel gemacht und schlank wie US-Linien. Dazu lieferte sich Joyce die heftigsten Angriffe auf Emirates und passte als Eckpfeiler der Oneworld Allianz um American Airlines, British Airways und Cathay Pacific als Gegenentwurf zu den Golflinien.

Doch Joyce ist nicht nur bei seinen Sparprogrammen konsequent sondern auch in seiner Lernfähigkeit, getreu dem Motto des alten Bundeskanzler Konrad Adenauer „Wollen Sie mir vorwerfen, dass ich von Tag zu Tag klüger werde“. Darum hat er nun erkannt, dass er neben den Geboten  „Du sollst Deine Belegschaft nicht spalten“ und „Man darf nie am Service sparen“ noch ein paar weitere brechen muss wie  „Man gibt seinen wichtigsten Markt nicht auf.“

Preiskampf wird angeheizt

Air Berlin Quelle: dpa

Wenn die Informationen aus der Qantas-Zentrale aus Sydney stimmen, fährt Qantas den profitablen Europaverkehr mit Ausnahme von London nach und nach auf null. Dafür beginnen Qantas-Flüge gen Osten künftig in Dubai und vor dort aus dann in Richtung Australien.  Für die Anbindung an Europa sorgt dann Emirates.

Das könnte die Landschaft grundlegend verändern. Zum einen ist es eine Schwächung wenn nicht gar ein Sargnagel für die Oneworld-Allianz, der seit Anfang des Jahres auch Air Berlin angehört. Schließlich ist Qantas nach BA praktisch der größte Anbieter des Clubs im Asienverkehr, besonders in den südlichen Regionen. Das dürfte auch Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn zucken lassen. Denn mit Qantas geht ein Kandidat, der  das Geschäft von Air Berlin am neuen Berliner Flughafen zu einem Drehkreuz aufzustocken könnte. Damit schwinden auch die Aussichten, die Abhängigkeit von Etihad zu mindern.

Schleichender Prozess

Dazu könnte die Vereinigung zu einem weiteren Mühlstein für die Lufthansa werden. Die leidet ohnehin schon darunter, dass Emirates ihr an allen größeren Flughäfen abseits ihrer Drehkreuze sowie zunehmend auch in Frankfurt und München  in großem Stil mit Kampfpreisen und besserem Service Passagiere abjagt. Wenn nun noch Qantas seine Kunden auf die Emirates-Flieger in Richtung Dubai lotst, wird das noch zunehmen.

Zum einen kann Emirates mit der Qantas-Klientel größere Flugzeuge einsetzen. Weil die pro Passagier im Schnitt günstiger fliegen, wird das den Preiskampf weiter anheizen.

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Auch beim Service für die bislang wichtigste Lufthansa-Klientel Geschäftsreisende steigt dann der Druck. Denn die zusätzlichen Passagiere erlauben Emirates neben größeren Fliegern auch mehr Flüge. Und je öfter Emirates zwischen einer Stadt in Europa und Dubai fliegt, um so genauer kann die Linie die Zubringer in ihr Netz gen Asien einpassen. Dadurch sinken die Wartezeiten der Passagiere bis zum nächsten Anschlussflug. Weil Umsteigen am Golf im Vergleich zum Flugzeugwechsel in Frankfurt die Reisezeit bisher oft um mehrere Stunden verlängerte, haben  eilige Geschäftsleute - wenn auch zähneknirschend - die höheren Lufthansa-Preise gezahlt. Doch mit jeder Stunde  weniger Zwangsaufenthalt am Golf werden mehr gut zahlende Manager Emirates buchen.

Der Prozess wird zwar nur schleichend gehen. Doch wenn die Lufthansa nicht bald eine Antwort in Form niedrigerer Preise und Kosten sowie besserem Service findet. Droht sie das zu zerreiben. Eine Aussicht, die viele Mitarbeiter noch nicht wahrhaben wollen. Doch in der neuen Welt der Luftfahrt bestimmen een die Golf-Airlines den Takt. Und da gilt eben: nichts ist unmöglich.

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