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Aldi, Lidl, Rewe, Edeka Das Ende des Hamsterns

Exklusiv
Mitte März seien die Lebensmittelumsätze teils doppelt so hoch gewesen. Der große Andrang lässt nun wohl langsam nach. Quelle: dpa

Im Lebensmittelhandel herrscht Ausnahmezustand. Supermärkte kommen mit dem Füllen der Regale kaum nach. Inzwischen gibt es Anzeichen, dass sich die Nachfrage nach haltbaren Produkten und Hygieneartikeln beruhigt.

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Die Coronakrise hat in den vergangenen Wochen für einen Kundenansturm im deutschen Lebensmittelhandel gesorgt. Die Lebensmittelumsätze sollen Mitte März teils doppelt so hoch ausgefallen sein wie im Vorjahr, heißt in der Branche. Doch inzwischen gibt es erste Anzeichen, dass sich die Nachfrage nach haltbaren Produkten und Hygieneartikeln wieder beruhigt. „Seit einigen Tagen normalisiert sich die Lage“, sagte ein Sprecher des Kölner Handelskonzerns Rewe dem Magazin. „Der große Ansturm hat sich gelegt“, bestätigt auch ein Unternehmenssprecher von Aldi Süd.

Die deutschen Verbraucher hatten sich zuletzt mit enormen Warenmengen bevorratet. Von einer „nie dagewesene Ausnahmesituation mit großen Herausforderungen“, ist etwa bei Aldi Süd die Rede. Nach Daten des Statistischen Bundesamt stiegen allein in der Woche vom 16. bis 22. März die Verkaufszahlen für Toilettenpapier um 211 Prozent, während die Nachfrage nach Seife mehr als vier Mal so hoch war wie in den sechs Monaten zuvor. Der Bedarf an Reis verdreifachte sich, der nach Teigwaren wie Nudeln verdoppelte sich.

Obwohl Handelsmanager wie Politiker betonten, dass die Versorgungslage sicher sei und für Hamsterkäufe kein Anlass bestehe, waren einzelne Produktgruppen zeitweise ausverkauft. „Aufgrund eines stark erhöhten Abverkaufs im Trockensortiment wie beispielsweise Konserven und Nudeln oder im Hygienebereich kann es in vereinzelten Filialen vorkommen, dass wir kurzzeitig nicht das gewohnte Sortiment anbieten“, hieß es etwa bei der Schwarz-Gruppe, der Holdinggesellschaft von Lidl und Kaufland. Doch inzwischen füllen sich die Regale wieder.

Viele Kunden hätten ihre Vorratskäufe nun getätigt, heißt es bei Aldi. Zum anderen dürfte die allgemeine Akzeptanz neuer Coronaverhaltensregeln wie Einlassvorschriften Wirkung zeigen. Dies führe wieder zu einer „normaleren Nachfrage“ bei haltbaren Artikeln – bis auf Toilettenpapier, das vielerorts weiterhin Mangelware ist. Dabei gehe es aber eher um ein „psychologisches Problem“, vermutet der Sprecher.

Entlastung in den Märkten tragen auch verschiedene Kooperationen bei. So unterstützen McDonald’s-Mitarbeiter, die von Restaurantschließungen betroffen sind, inzwischen einzelne Aldi-Filialen. Die Burgerkette Hans im Glück hat eine ähnliche Zusammenarbeit mit Lidl vereinbart. „Ziel ist es, unsere Kollegen so unterzubringen, dass sie auf ein Gehalt kommen, von dem es sich weiterhin solide leben lässt in der Krise“, sagt Geschäftsführer Johannes Bühler. Auch die italienische Restaurantkette L’Osteria lotet Kooperationen im Handel aus.

Dort dürfte vor allem das Ostergeschäft zum nächsten Härtetest werden. Vor den Feiertagen werden erneut die Absatzzahlen steigen. Dennoch betonen die Händler, die Versorgung sei gesichert. „Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Lieferketten intakt, auch Waren aus dem Ausland wie beispielsweise Obst und Gemüse erreichen uns wie bisher auch“, erklärt eine Sprecherin der Schwarz-Gruppe. „Alle Bestände werden im Rahmen der üblichen Anlieferungen wieder aufgefüllt“, versichert Aldi.

Um Mitarbeitern für ihren Einsatz zu danken, plant Rewe derweil Bonuszahlungen. Und auch andere Händler erwägen bereits Coronaboni für die Beschäftigten.

Der Gewerkschaft Verdi geht das nicht weit genug. „Wir wehren uns nicht gegen Bonuszahlungen“, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger dem Magazin. Allerdings würden unverbindliche und einmalige Bonuszahlungen nicht ausreichen. Die Situation erfordere mindestens, dass die Beschäftigten, die „zum Teil in tariflosen Unternehmen schuften, jetzt nach Tarifvertrag bezahlt werden“, so Nutzenberger. „Ein deutliches Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung für die Beschäftigten, die sich auch großen gesundheitlichen Risiken aussetzen, ist mehr als angebracht.“

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