Alstom-Übernahme Siemens will mehr Informationen

Der Alstom-Übernahmepoker geht in die nächste Runde: Siemens will von der französischen Regierung mehr Informationen.

Was alles einmal zu Siemens gehörte
Joe Kaeser Quelle: dpa
Wolfgang Dehen Quelle: dpa
Kaffee tropft aus einem Kaffee-Vollautomaten in eine Tasse Quelle: dapd
Gigaset-Telefone Quelle: dapd
Stopp-Schild vor einem Gebäude mit dem Benq-Logo Quelle: AP
Schild Nokia Siemens Networks Quelle: dpa
Infineon-Fabrik Quelle: REUTERS

Der Bieterkampf um die französische Alstom gerät unversehens ins Stocken. Im Rennen gegen den US-Konkurrenten GE habe Siemens mehr Informationen über die Alstom-Energietechniksparte angefordert, sagte Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg vor dem Parlament in Paris. "Siemens macht seine Arbeit und hat heute morgen einen Brief an Alstom gesandt und darin mehr Informationen und ein tiefere Einsicht in Alstom verlangt, um wahrscheinlich einen Vorschlag zu unterbreiten", sagte der Minister am Dienstag. Siemens lehnte eine Stellungnahme ab.

Aus dem Umfeld von Alstom und Siemens hieß es, die Qualität der Daten reiche Siemens-Chef Joe Kaeser bislang nicht aus. In Frankreich fiel die Reaktion irritiert aus. Siemens habe die gleichen Daten bekommen wie die rivalisierenden Amerikaner. Alstom-Chef Patrick Kron werde Siemens höflich antworten, das Begehren aber dennoch abschmettern, hieß es in Verhandlungskreisen. Die Schritte gehörten zum üblichen Geschacher bei Großübernahmen.

GE bietet bisher 12,35 Milliarden Euro für das Hauptgeschäft der Franzosen. Die Offerte stößt aber auf Widerstand der Regierung in Paris. Alstom will die Offerte bis zum 2. Juni prüfen. Frankreich hatte Siemens um Hilfe gerufen, weil es das Werben der Amerikaner um Alstom skeptisch sieht und Arbeitsplatzverluste in Frankreich befürchtet. Unter diesem Druck hat Alstom seine Bücher auch für Siemens geöffnet. Der Elektronikkonzern hat bislang noch kein Gebot vorgelegt, will dies aber bis zum Monatswechsel tun.

Im Gespräch ist, dass die Münchner im Tausch für das Energiegeschäft von Alstom ihre Zugsparte abgeben. Frankreich hatte sich in dem Übernahmepoker in der vergangenen Woche das letzte Wort gesichert. Die Regierung veröffentlichte am Donnerstag ein Dekret, das ihr das Recht gibt, einen Kauf heimischer Firmen in strategisch wichtigen Branchen wie Energie, Wasser, Telekommunikation und Gesundheit durch Ausländer zu blockieren. Experten zufolge dürfte der Erlass Siemens in die Karten spielen, da die Regierung Präferenzen für die Münchner durchblicken ließ. Allerdings meldete EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier Bedenken an und will prüfen, ob das Dekret gegen EU-Recht verstößt.

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Siemens-Chef Kaeser hatte zuletzt betont, dass es ihm mit einer Offerte ernst sei. Experten zweifeln allerdings, ob er bereit ist, sich auf einen milliardenschweren Poker mit dem US-Rivalen um das verhältnismäßig renditeschwache Geschäft der Franzosen einzulassen. Die IG Metall hat ihm bereits signalisiert, dass sie einen Kauf um jeden Preis nicht mittragen wolle.

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