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Amazon Locker Warum Amazon mit Paketboxen experimentiert

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In den USA betreibt Amazon die Boxen seit Jahren

Verspätete Lieferungen will sich Amazon nicht leisten. Der Onlinehändler definiert sich darüber, den besten Service für seine Kunden zu bieten. Der eigene Paketdienst hilft Amazon dabei, sagt Experte Lierow: „Amazon will bei speziellen Kunden, etwa bei Prime-Mitgliedern, auf individuelle Wünsche eingehen.“ Sei es nun, dass der Kunde die Zustellung am selben Tag wünscht oder das Paket zu einer bestimmten Zeit abholen möchte. Darauf zielen die Packstationen, aber auch das Aufbauen eigner Verteilzentren.

Der Briefmarkt in Zahlen

In den USA hat der Online-Händler ein entsprechendes Angebot schon 2011 angestoßen. Dort stehen die Packstationen auf öffentlichen Plätzen, in Einkaufszentren oder in 7-Eleven- und Spar-Supermärkten. Auch in Großbritannien finden sich die Boxen. „In den USA sind sie durchaus beliebt“, sagt Lierow. „Aber sie sind nur eine zusätzliche Möglichkeit, Pakete abzuliefern und werden nie Möglichkeiten ersetzen wie die Hauszustellung.“

Trotzdem: Jedes Paket, das Amazon selbst verschickt oder in einer der eigenen Packstationen deponiert, ist eines, das bei DHL nicht mehr verschickt wird. „Dabei geht Volumen verloren“, sagt Lierow. „Aber der Markt wächst immer noch zweistellig. Allein aufgrund des Marktwachstums, dürften sich die absoluten Mengenverluste bei DHL und Co. in Grenzen halten.“

Der Paketdienst der Deutschen Post liefert bisher einen Großteil der Amazon-Sendungen aus und betreibt ein eigenes Schließfachsystem namens Packstation. Allein in Deutschland hat der Bonner Konzern bereits mehr als 2750 Packstationen in 1600 Städten errichtet. Bis Ende 2015 zählte das Unternehmen acht Millionen registrierte Nutzer – damit hatte beinahe jeder zehnte Deutsche eine Karte für die Packstation.

Allerdings können nur die Post-Zusteller dort Pakete ablegen, andere Anbieter dürfen die Packstation nicht nutzen – nicht gerade praktisch für den Kunden. Auch das IT-System der Packstation gilt in der Branche als verbesserungswürdig: Die Schließfächer sind oft voll, doch die Paketboten werden darüber nicht benachrichtigt. Außerdem klauten Hacker in der Vergangenheit Nutzerdaten im großen Stil und verkauften die Zugänge zur Packstation im Internet. Eine Kooperation zwischen DHL und Amazon gilt deshalb als unwahrscheinlich.

So gut sind Deutschlands Paketdienste

Dass trotzdem Platz für beide Anbieter ist, weil der Markt nicht gesättigt ist, zeigt eine YouGov-Umfrage aus dem vergangenen Jahr. Auch wenn es immer wieder Ärger gibt, bei den meisten Deutschen genießt die Packstation einen guten Ruf. Nur 17 Prozent der Deutschen würden Packstationen auch dann nicht nutzen, wenn sich eine in der Nähe befände oder auf dem Arbeitsweg, 8 Prozent machten keine Angabe. Die restlichen Befragten sind allesamt potenzielle Kunden.

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