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Amazon Protect Drängt Amazon ins Versicherungs-Geschäft?

Regenschirm von Amazon Quelle: dpa

Jeder kennt Amazon als riesigen Onlinehändler, der so ziemlich alles verkauft. Nun will Amazon offenbar auf neues Terrain vordringen: Versicherungsvermittlung in Europa. Noch bleibt die Branche gelassen. Zu Recht?

Es war eine Stellenanzeige, die vor einigen Monaten die europäischen Versicherungsgesellschaften aufschrecken ließ. In der Anzeige suchte Amazon für den Finanzplatz London Versicherungsspezialisten mit deutschen, französischen oder spanischen Sprachkenntnissen. Offensichtlich bereitet Amazon seine Expansion in Europas Versicherungsmärkte vor. Details wurden in den Stellenausschreibungen nicht genannt.

In den USA gab Bezos Ende vergangenen Jahres bekannt, dass Amazon mit der größten US-Bank JP Morgan und der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway von Starinvestor Warren Buffet eine gemeinsame Krankenversicherung gründen will. Sie richtet sich erst mal nur an die eigenen Mitarbeiter und soll es den drei Unternehmen ermöglichen, ihre Aufwendungen für Krankenversicherungen zu senken.

Die Gesundheitsausgaben in den USA sind weltweit die höchsten. Amazons Beteiligung am Projekt dient also in erster Linie dazu, die hohen Personalnebenkosten zu drücken. Aber damit hat Amazon auch wichtige Erfahrungen im Versicherungsbereich gesammelt. Die Frage ist also, ob Amazon diese Erfahrungen nutzt, um neue Angebote im Versicherungssektor zur Marktreife bringen.

Jeff Bezos, der Gründer von Amazon und mit einem Vermögen von über 100 Milliarden US-Dollar der reichste Mann der Welt, scheint bei allem, was er anfasst, Erfolg zu haben. Amazon, in seinen Anfangsjahren vor allem ein Buchversender, expandiert laufend und hat sich durch seinen riesigen Kundenstamm immer wieder neue Geschäftsfelder erschlossen. Amazons möglicher Einstieg in das Versicherungsgeschäft sorgt also zurecht für Unruhe in der Branche.
Unter der Marke Amazon Protect bietet das Unternehmen seinen Kunden bereits an, über die Amazon Plattform gekaufte Produkte wie Laptops, Handys oder Waschmaschinen gegen Diebstahl, Defekte oder Beschädigungen zu versichern. Dabei nutzt das US-Unternehmen eine Kooperation mit dem britischen Versicherer London General Insurance Company. Zuvor hatte Amazon Geräteversicherungen der Ergo verkauft.

Durch den Wechsel auf die London General Insurance ist die Absicherung oftmals teurer geworden. Laut Stiftung Warentest kostet nun ein Drei-Jahres-Schutz für ein Laptop im Wert von 1200 Euro knapp 300 Euro Versicherungsprämie im Jahr. Über die Ergo war der Versicherungsschutz für das gleiche Produkt nur halb so teuer. Für Handys bietet Amazon einen einjährigen Geräteschutz an, der auch eine Absicherung bei Diebstahl vorsieht. Auch hier hat sich der Preis durch den Wechsel zum britischen Versicherer erhöht.

Mit derlei Angeboten ist Amazon aber nicht allein. Auch Elektronikmärkte wie Media Markt und Saturn bieten Versicherungen und Garantieerweiterungen für die von ihnen verkauften Produkte an. Grundsätzlich ist aus Kundensicht der Sinn dieser Technikversicherungen zu hinterfragen. Laut Stiftung Warentest gibt es zum Beispiel für viele Kunden Probleme mit dem Versicherungsschutz beim Diebstahl eines Handys. Gleichzeitig ist hier das Risiko für die Versicherer besonders hoch. Aufgrund der relativ hohen Prämien lohnen sich diese Versicherungen ohnehin nur für eher teure Geräte.

Doch da es beim Kauf eines Laptops oder Handys nur eines zusätzlichen Klicks bedarf, um auch die dazu passende Versicherung abzuschließen, kaufen die Kunden meist spontan. Zum Preisvergleich oder der Überlegung, ob diese Versicherung überhaupt Sinn macht, kommt es nicht. Für große Händler wie Amazon ist das ein lukratives Zusatzgeschäft.

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