American Airlines und US Airways Die Megafusion mit absehbaren Folgen

Die geplante Fusion zwischen den Luftfahrtriesen American Airlines und US Airways bringt die Lufthansa um einen ohnehin nie geliebten Partner und erhöht den Druck auf Air Berlin sich mal zwischen Etihad und der Oneworld-Allianz zu entscheiden.

Die geplante Megafusion von American Airlines und US Airways zur größten Airline der Welt setzt Lufthansa und Air Berlin unter Zugzwang. Quelle: REUTERS

Das Ende war so wenig überraschend wie eine romantische Komödie aus Hollywood: im Grund war seit fast drei Jahren klar, dass die beiden verbliebenen amerikanischen Fluglinien American Airlines und US Airways irgendwann zusammen gehen würden. Denn nach den Fusionen von Delta und Northwest im Jahr 2008 sowie United Airlines und Continental in 2010 blieb den beiden verbliebenen der in der Branche "Big Six" (große Sechs) getauften Branchenführer in den USA wenig anderes übrig, als ebenfalls zusammen zugehen. Schließlich zählt in der Flugbranche zunehmend die Masse. Wer größer ist, kann vor allem den gut zahlenden Geschäftskunden ein größeres Netz bieten, seine Kosten leichter senken und ist am Ende vor Krisen besser gefeit, weil einem globalen Unternehmen Rückgänge in einem Teil der Welt weniger ausmachen.

Wer mit wem gemeinsam fliegt
Künftig gehört auch Air Berlin zur Allianz Oneworld. Der ehemalige Chef Joachim Hunold (Bildmitte) fädelte den Beitritt ein. Mit zwölf Mitgliedern, 2280 Flugzeugen und 330.000 Passagieren ist Oneworld die drittgrößte Allianz der Welt. Hier fliegen zum Beispiel American Airlines, Japan Airlines (JAL), British Airways, Cathay Pacific aus Hongkong oder die australische Qantas Airways im Verbund. Sie kooperieren, indem sie sich etwa Sitzkontingente leihen (Code-Sharing), Bonusprogramme teilen oder die Abflüge koordinieren. Der größte Vorteil aber ist, dass auf diese Weise auch Strecken angeboten werden können, die die Airlines selbst nicht fliegen dürfen. Quelle: dpa/dpaweb
Sky TeamDie zweitgrößte Allianz der Welt wurde im Jahr 2000 gegründet und umfasst ca. 14 Mitglieder. Zu den größten Airlines des Bündnisses gehören Air France/KLM, Delta Airlines, China Southern, Korean Air und Aeroflot.
Star AllianceDie größte Luftfahrtallianz der Welt ist die Star Alliance. Neben der Lufthansa fliegen unter ihrem Banner auch All Nippon Airways, Air China und United Airlines. Zum Verbund gehören insgesamt 26 Airlines mit knapp 4000 Flugzeugen und 604 Millionen Passagieren im Jahr. Zuletzt musste die Spanair wegen ihrer Insolvenz das Bündnis verlassen, die Aufnahme der Air India wurde wegen Finanzproblemen ausgesetzt. Quelle: dpa
EuropaNeben den großen Allianzen gibt es viele weitere Kooperationen und Übernahmen, die den Markt für Fluggesellschaften verändern. Insbesondere in Europa ist der Preisdruck auf die Airlines zuletzt immens gewachsen, während die Kerosinpreis steigen. Zudem könnte die geplante Luftverkehrsabgabe der EU das internationale Geschäft der nächsten Jahre verhageln. Die Airlines reagieren mit strikten Sparprogrammen und müssen dafür künftig enger zusammenarbeiten. Quelle: ap
Air Berlin und EtihadMit der Übernahme von der DBA im Jahr 2006 und der LTU im Jahr 2007 haben die Berliner in den vergangenen Jahren massiv expandiert um zu einem ernsthaften Konkurrent der Lufthansa aufzusteigen. Mittlerweile steckt die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft deswegen aber in massiven Finanzproblemen. Zuletzt gelang dem ehemaligen Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn ein großer Coup. Die Berliner kooperieren mit der aufstrebenden arabischen Airline Etihad. Die Fluggesellschaften teilen sich fast 100 gemeinsame Routen, das brachte allein im vergangenen Jahr einen zusätzlichen Umsatz von 100 Millionen Euro ein. Quelle: dpa
Lufthansa Für die Lufthansa könnte die Kooperation des deutschen Konkurrenten zum ernsthaften Problem werden. Die größte deutsche Airline fürchtet die neue arabische Konkurrenz. Christoph Franz, der Vorstandsvorsitzende von Lufthansa, hatte zuletzt deutlichere Schranken gegen die starke Expansion staatlicher Fluggesellschaften vom Persischen Golf gefordert. Im Gegensatz zur Konkurrenz verweigert die Airline bisher eine engere Zusammenarbeit mit den Arabern. Möglich wäre aber eine engere Zusammenarbeit mit Turkish Airlines. Quelle: Reuters
Lufthansa und Swiss AirHoffnungsschimmer im Lufthansa-Konzern ist die Schweizer Airline Swiss Air. 2005 bereits hatte die Lufthansa die damals angeschlagene Swiss zu 100 Prozent übernommen - und dann erfolgreich saniert. Mittlerweile wächst das Passagieraufkommen der Schweizer. Als eine der wenigen Konzerntöchter können die Schweizer auch im operativen Geschäft einen Gewinn ausweisen. Quelle: Reuters

Dass es am Ende doch so lange dauert, liegt daran, dass die beiden Partner ihre letzten Fusionen erst jetzt richtig verdaut haben. American hat erst im vorigen Jahr eingesehen, dass es die Spätfolgen der Übernahme von TWA in 2001 nur loswird, wenn auch sie sich in einem Gläubigerschutzprogramm entschlackt. US Airways hingegen hat erst jetzt die Fusion mit America West aus 2005 so richtig abgeschlossen.

Nun hat auch die US-Regierung den Zusammenschluss der beiden Fluggesellschaften erlaubt. Das Justizministerium teilte am Dienstag mit, es habe eine Übereinkunft mit den beiden Gesellschaften geschlossen, die das Angebot des entstehenden Anbieters auf Schlüsselflughäfen wie in Washington und anderen großen Städten reduziere. Damit scheinen frühere Bedenken, der Zusammenschluss beeinträchtige den örtlichen Wettbewerb unter den kommerziellen Fluglinien, ausgeräumt. Die Übereinkunft muss jetzt noch von einem Bundesgericht abgesegnet werden.

Die Fusion werden auch die deutschen Passagiere spüren, wenn auch etwas anders als gedacht. Auf den ersten Blick steht die Lufthansa als Verlierer da. Denn die neue American wird wohl Mitglied der Oneworld-Allianz bleiben, der neben British Airways, Iberia, Cathay Pacific aus Hongkong und  der australischen Qantas auch Air Berlin angehört. Damit verlieren die Lufthansa und ihre Partner innerhalb der Star Alliance auf den ersten Blick einen wertvollen Partner.

Doch der Verlust dürfte sich in Grenzen halten. Denn mit US Airways war die Partnerschaft nie so tief wie mit anderen Partnern, nicht zuletzt mit dem engsten LH-Partner United Airlines. Die Zusammenarbeit war weniger intensiv und von den wichtigeren US-Airports flog die Lufthansa nur Philadelphia an, nicht aber das wichtige Phoenix im Bundesstaat Arizona.

Dagegen könnte Lufthansa vielleicht sogar ein wenig profitieren, denn viele Kunden der US Airways lösten bei Lufthansa besonders gerne ihre vielen Meilen ein, so dass auf den besonders gut gebuchten Nordatlantikstrecken die Auswahl für Lufthansa-Meilensammler oft etwas knapp wurde.

Für Air Berlin ist die Fusion sicher ein Pluspunkt. Weil US Airways nach München fliegt, hat sie endlich neben dem geplant Flug der alten American von Düsseldorf nach Chicago auch in ihrem zweiten Drehkreuz endlich einen amerikanischen Partner.

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