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Angriff auf den Billigflieger Ryanair erkauft sich das Wachstum

Easyjet, Norwegian und Co. setzen Ryanair kräftig unter Druck. Der Billigflieger senkt die Preise und fliegt einen Quartalsverlust ein. Gelingt es der Airline, Zuwächse bei den Passagieren in bare Münze zu verwandeln?

Der Billigflieger hat im dritten Quartal rund 35 Millionen Euro Verlust gemacht. Quelle: dpa

Ryanair schien einst unangreifbar. Jahrelang rollten die Iren ihr Streckennetz über Europa aus und lockten Urlauber mit Billigstpreisen. Die Pioniere aus Dublin machten Europas Flugreisende zu Billigfliegern – und sich selbst zur größten Airline des Kontinents. Ryanair-Chef Michael O’Leary trieb mit seiner Strategie etablierte europäische Fluggesellschaften wie die Lufthansa, Air France-KLM oder British Airways in die Enge und ließ kaum Konkurrenz zu.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Neue Konkurrenten wie Easyjet, Norwegian und Co. heizen dem Billigflieger-König mittlerweile mit seiner eigenen Taktik ein – und locken die Kunden dabei nicht nur mit billigen Preisen, sondern auch einer Prise Komfort in die Flieger. Auch die Riesen haben reagiert: Bei der Lufthansa rollt mit der Tochter Germanwings seit dem Sommer die große Low-Cost-Offensive an. IAG, die Muttergesellschaft von British Airways und Iberia, investiert massiv in die Flotte der wachsenden Billigtochter Vueling.

Die Abzock-Tricks der Airlines
Gepäck für Kleinkinder: Kleinkinder unter zwei Jahren benötigen kein eigenes Ticket, da sie auf dem Schoß der Eltern mitfliegen. Bei einigen Fluggesellschaften haben Kleinkinder dennoch ein Freigepäck von zehn Kilogramm. Bei anderen Airlines müssen die Eltern ein zweites Gepäckstück aufgeben - z. B. für 70 Euro pro Strecke bei Air France. Quelle: dpa
Gepäckaufgabe am Flughafen: Während ein im Voraus gebuchtes Gepäckstück in der Regel zwischen sechs und 35 Euro kostet, schlagen die Airlines bei erst am Flughafen eingechecktem Gepäck richtig zu. Das erste Gepäckstück am Flughafen kostet z. B. bei Air Berlin im Billigtarif "JustFly" 70 Euro pro Strecke und damit fast das Fünffache mehr als bei Onlinebuchung (15 Euro pro Strecke). Quelle: obs
Handgepäckmaße: Im Zuge der Gepäckgebühren haben einige Fluggesellschaften wie z. B. KLM oder Air France ihre zulässigen Handgepäcksgrößen verkleinert. Kunden, die sich nicht vorher informieren, zahlen im schlechtesten Fall 60 Euro nach und müssen das Handgepäck aufgeben. Auch Air Berlin hat die Handgepäckregeln verschärft: Jedes Handgepäckstück muss beim Check-in-Schalter gewogen und mit einem JustFly-Handgepäcklabel versehen werden. Wer es vergisst, riskiert, nicht mitgenommen zu werden. Quelle: dpa
Extragebühren bei Umsteigeverbindungen: Die Billigairline Vueling verlangt von ihren Kunden nicht nur pro Strecke Gepäckgebühren, sondern sogar pro Teilstrecke bei Umsteigeverbindungen. Für die Hin- und Rückflug Berlin-Barcelona zahlt ein Kunde 26 Euro (13 Euro pro Flug) für sein Gepäck. Bei gleicher Strecke mit Umstieg in Madrid zahlt er 56 Euro (14 Euro pro Teilstrecke). Quelle: dapd
Wie Flugtickets teurer werdenNot macht erfinderisch. Das beweisen insbesondere die Fluglinien. Hohe Treibstoffkosten, der harte Konkurrenzkampf sowie immer weiter steigende Gebühren für Flughäfen und Flugsicherheit schmälern das Geschäft. Um den Profit zu steigern, langen viele Fluglinien versteckt hin. Sie erheben Zusatzgebühren oder bieten bisherige Gratis-Leistungen gegen Bares an. Im vergangenen Jahr nahmen allein die US-Fluggesellschaften dank Zusatzgebühren rund 2,4 Milliarden Euro ein. Das sind 26 Prozent mehr als noch 2009. Mit diesen Tricks zocken Airlines in Deutschland ihre Passagiere ab. Quelle: dpa/dpaweb
SitzplatzreservierungLufthansa-Passagiere mit einem Billigticket für die Economy-Class können sich künftig gegen Bezahlung einen Sitzplatz im Voraus sichern. „Wir führen eine Sitzplatzreservierung gegen Entgelt für die Economy-Tarife ein, die heute nicht dazu berechtigt sind“, sagte der Vertriebsvorstand der Lufthansa Passage, Jens Bischof. Wie tief Kunden der niedrigsten Tarifgruppen, die sich vor der offiziellen Check-in-Zeit einen bestimmten Sitzplatz sichern wollen, dafür in die Tasche greifen müssen, steht noch nicht fest. Bischof kündigte Preise „im Marktumfeld“ an. Die bewegen sich dem Magazin zufolge auf Europa-Strecken um die zehn Euro, für Langstreckenflüge könnten es auch schon mal 40 Euro sein. Das Angebot soll noch in diesem Jahr eingeführt werden. Die Sitzplatzreservierung soll zunächst nur via Reisebüro und im zweiten Schritt auch online buchbar werden. Quelle: dpa
Gebühren für Gepäckstücke Quelle: REUTERS

Unter diesem Druck lässt Ryanair Federn – und hat nun erstmals seit Jahren ein Quartal im Minus abgeschlossen. In den drei Monaten bis Ende Dezember machten die Iren einen Verlust von 35,2 Millionen Euro. Das ist mehr, als Analysten erwartet hatten. Die Gewinnprognose von 500 bis 520 Millionen Euro halten die Iren dennoch aufrecht.

Vor einem Jahr hatte Ryanair im dritten Quartal (Geschäftsjahr bis Ende März) noch ein Plus von gut 18 Millionen Euro erwirtschaftet. Jetzt beförderte die Airline eine Million Passagiere mehr, die Auslastung der Maschinen stieg um einen Prozentpunkt auf 82 Prozent – und trotzdem ging nicht nur der Gewinn verloren, sondern auch die Einnahmen leicht auf 964 Millionen Euro zurück. Denn Ryanair hat sich das Wachstum teuer erkauft. Im Oktober und November bot der Billigflieger nach eigenen Angaben auf 400 Verbindungen Einführungspreise von 14,99 Euro pro Ticket an. Der durchschnittliche Preis pro Verbindung betrug laut einer Ryanair-Präsentation lediglich 48 Euro.

Ganz anders der ärgste Rivale Easyjet: Hier mussten die Fluggäste nach Ryanair-Angaben im Schnitt mit 84 Euro deutlich mehr hinblättern. Trotzdem hatten die Briten 4,2 Prozent mehr Passagiere in den Fliegern, die Auslastung stieg insgesamt auf 88,7 Prozent. Und die Einnahmen wuchsen mit: Knapp acht Prozent mehr nahm die Airline im Quartal ein.

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