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AOK-Krankenhausreport Sind Deutschlands Krankhäuser schuld an 19.000 Toten?

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Mehr Qualität

Sollten/dürfen die Krankenkassen die Kliniken besser entlohnen und auch so zu mehr Qualität in den Kliniken beitragen, weil dann im besten Fall mehr Zeit für die Patienten zur Verfügung stünde?

Generell wäre es wichtig, in Zukunft auch die Qualität einer Behandlung zu vergüten und nicht das bloße Erbringen einer Leistung. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Auch die Möglichkeiten selektiver Vertragsgestaltung könnte verstärkt in Betracht gezogen werden. Immer mehr Geld ins System zu geben kann auf Dauer nicht die Lösung sein. Stattdessen wäre es wichtig die Prozesse kritisch zu hinterfragen, dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten und Pflegeeinrichtungen.

Stimmt der Vorwurf, dass auch zu viel Verwaltungsarbeit im Auftrag der Krankenkassen die Kliniken an besserer Qualität hindere?

Insbesondere die Belastung des ärztlichen und pflegerischen Dienstes ist sicher in den letzten zwanzig Jahren deutlich gestiegen. Die Ursachen sind sehr vielfältig. Zum Beispiel die Gesetzesänderungen in immer kürzeren Zeitabständen, das managen des hochkomplexen DRG-Abrechnungssystems oder deutlich gestiegene Anforderungen an die medizinische und pflegerische Dokumentation.

Was hat sich aus Ihrer Erfahrung beim Thema Qualität im Krankenhaus in den letzten 20 Jahren verbessert?

Die Möglichkeiten zum Beispiel die Struktur- und Prozessqualität im Krankenhaus zu messen sind sehr verbessert worden. Bei der Ergebnisqualität tut man sich nach wie vor schwer, hier könnte künftig das von der Politik angekündigte, aber noch zu gründende Institut für Qualität im Gesundheitswesen einen wichtigen Beitrag leisten. Zertifizierungsverfahren wie EFQM, KTQ und ISO 9000ff waren ein erster Schritt in die richtige Richtung. In meiner Beraterpraxis stelle ich jedoch immer wieder fest, dass diese Systeme leider nicht immer aktiv gelebt werden. Ich hoffe, dass die von der AOK angestoßene Qualitätsdiskussion dazu führt, dauerhaft etwas zu verändern. Eine verbesserte Qualität in der Behandlung führt letzten Endes unmittelbar zu Einsparungen im System.

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Welche Maßnahmen halten Sie darüber hinaus für dringend nötig?

Das sind gleich mehrere. Die von der AOK angestoßene Diskussion zeigt, dass die besagte Gründung eines Qualitätsinstituts berechtigt ist und die Realisierung nicht auf die lange Bank geschoben werden sollte.  So gibt es noch immer kein gemeinsames Verständnis von Qualität bei Leistungserbringern und Krankenkassen. Solche neutralen Definitionen wären eine wesentliche Aufgabe des Instituts. In Zeiten von sektorenübergreifenden Versorgungskonzepten halte ich gemeinsame Standards für notwendig.

Ein weiteres generelles Problem ist die in den meisten Kliniken immer noch fehlende Prozessorientierung, eine Prozesskostenrechnung fehlt in der Regel gänzlich. Fälschlicher Weise wird lediglich eine Kostenträgerbetrachtung vorgenommen, so dass die Auswirkungen auf den einzelnen Behandlungsprozess nicht zu Ende betrachtet werden können. Dies ist im Zeitalter der Abrechnungsvorgaben durch DRGs höchst problematisch.

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