WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen

AOK-Krankenhausreport Sind Deutschlands Krankhäuser schuld an 19.000 Toten?

Die AOK schlug Alarm: Ihr Krankenhausreport 2014 beklagt, dass in deutschen Kliniken jährlich rund 19.000 Menschen infolge eines Behandlungsfehlers sterben würden. Was ein unabhängiger Experte dazu sagt.

Die häufigsten Todesursachen in Deutschland
Im Jahr 2013 verstarben in Deutschland insgesamt 893.825 Menschen, davon 429.645 Männer und 464.180 Frauen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, ist damit die Zahl der Todesfälle gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent angestiegen. Durch einen Suizid beendeten 10.076 Menschen ihr Leben, wobei der Anteil der Männer mit 73,9 Prozent fast dreimal so hoch war wie der Anteil der Frauen mit 26,1 Prozent. Quelle: dpa
In 10.842 Fällen (4 972 Männer und 5 870 Frauen) war ein Sturz die Ursache für den Tod. Quelle: dpa
Bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten waren für 18.475 Sterbefälle verantwortlich. Quelle: dpa
3,8 Prozent aller Todesfälle waren auf eine nicht natürliche Todesursache wie zum Beispiel eine Verletzung, einen Unfall oder eine Vergiftung zurückzuführen (34.133 Sterbefälle). Quelle: dpa
Eine deutliche Zunahme um 16,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist bei den Psychischen und Verhaltensstörungen festzustellen. Hieran verstarben 2013 insgesamt 36.117 Menschen, davon 14.241 Männer und 21.876 Frauen. In 80 Prozent dieser Sterbefälle war eine Demenzerkrankung die Todesursache. Quelle: dpa
Die Zahl der Sterbefälle infolge von Krankheiten des Verdauungssystems betrug im vergangenen Jahr 40.112. Das entspricht einer Rate von 4,5 Prozent. Quelle: dpa
Mann packt scih an die Brust Quelle: dpa

Erwartungsgemäß schlug nun die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) zurück. „Die im Report behauptete Zahl kann nur eine wissentliche Falschangabe sein“, erklärte Präsident Alfred Dänzer. In unverantwortlicher Weise verfolge die AOK das Ziel, die Leistungen der Krankenhäuser und ihrer über eine Million Mitarbeiter zu verunglimpfen und die Patienten zu verunsichern. Die DKG kritisiert insbesondere, dass die Zahlen der AOK auf Analysen aus dem Jahr 2007 beruhten. Seither „hat sich die Bedeutung des klinischen Risikomanagements völlig verändert, zahlreiche Maßnahmen zur Risikominimierung sind in dieser Zeit eingeführt worden“, heißt es in einer Bewertung der DKG. Die Annahmen hätten daher heute keine Gültigkeit mehr.

Das glauben nun aber auch nicht alle am Gesundheitssystem Beteiligten. Die WirtschaftsWoche sprach mit Klaus H. Kober, unabhängiger Unternehmensberater im Gesundheitswesen aus Rheinmünster und seit Jahrzehnten mit dem System vertraut.

Klaus H. Kober Quelle: PR

WirtschaftsWoche: Her Kober, sind die Zahlen des AOK Krankenhausreports mit 19.000 Toten pro Jahr durch Fehler realistisch?

Kober: Die Zahlen der AOK und wie sie zustande kommen konnte ich nicht überprüfen. Ich setzte voraus, dass sie seriös recherchiert wurden. Ähnliche Zahlen wurden in der Vergangenheit immer wieder zum Beispiel mit Todesfällen im Zusammenhang mit im Krankhaus erworbenen Infektionen genannt. Man sollte diesen Hinweis in jedem Fall ernst nehmen und ihn verfolgen.

Können Sie die Kritik des Krankenhausverbandes nachvollziehen oder ist das reine Lobbyarbeit?

Als Interessenvertretung der Krankenhäuer musste der Verband mit einer entsprechenden Gegendarstellung reagieren und eigene Zahlen präsentieren, insofern habe ich das nicht anders erwartet.

Inhalt
  • Sind Deutschlands Krankhäuser schuld an 19.000 Toten?
  • Mehr Qualität
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%