WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Architektur Traditionelle Fassaden erleben Renaissance

Seite 3/3

Korrespondenz mit dem Körpergefühl

Wachstum der Mega-Metropolen
Platz 10: N.Y.-Newark (USA)Bereits 1960 lebten rund 14 Millionen Menschen im Großram New York- Newark. Laut Prognosen sollen es 2020 über 20 Millionen sein. Das würde einem Wachstum von 44 Prozent entsprechen. (Quelle: UN) Quelle: dapd
Platz 9: Tokio (Japan)Um 122 Prozent soll Japans Hauptstadt zwischen den Jahren 1960 und 2020 wachsen. Schon 1960 lebten in Tokio 16,5 Millionen Menschen - 2020 sollen es aber fast 38 Millionen sein. Zwar reicht es mit dieser Wachstumsprognose nur für einen der hinteren Plätze - allerdings wäre Tokio mit dieser Bevölkerungszahl 2020 die weltweit größte Stadt! Quelle: Reuters
Platz 8: Shanghai (China)Fast 20 Millionen Menschen sollen im Jahr 2020 in Shanghai leben - 1960 belief sich die Zahl der Einwohner noch auf 6 Millionen. Dieser Anstieg würde einem Wachstum von 180 Prozent entsprechen. Quelle: Reuters
Platz 7: Kalkutta (Indien)Knapp 6 Millionen Menschen lebten im Jahre 1960 in Kalkutta. Die Zahl der Einwohner soll bis 2020 um 227 Prozent steigen - dann soll die Stadt laut Prognosen Platz für über 18 Millionen Menschen bieten. Quelle: Reuters
Platz 6: Mexiko-Stadt (Mexiko)Ein Wachstum von 309 Prozent hat Mexiko-Stadt zu erwarten. 4,5 Millionen Menschen lebten hier 1960 - im Jahr 2020 sollen es bereits über 20 Millionen sein. Quelle: dapd
Platz 5: São Paulo (Brasilien)Noch stärker fällt der Wachstum mit 445 Prozent in Brasiliens größter Stadt aus. 2020 sollen in São Paulo fast 22 Millionen Menschen Platz finden - 1960 belief sich die Zahl der Einwohner auf "nur" 4 Millionen. Quelle: Reuters
Platz 4: Mumbai (Indien)Mit stolzen 484 Prozent Wachstum muss eine der wichtigsten Hafenstädte Indiens rechnen. Auch Mumbai fasste im Jahr 1960 nur knapp 4 Millionen Einwohner. Allerdings soll die Stadt 2020 fast 24 Millionen Menschen Platz zum Leben bieten. Quelle: dapd

Die Aversion gegen die "Glaskisten", die in den Siebzigerjahren "rücksichtslos in die Innenstädte gestellt wurden", teilt Mäckler mit Vertretern der jüngeren Architektengeneration. Für Petra Kahlfeldt, die mit ihrem Mann Paul das Berliner Büro Kahlfeldt Architekten führt, haben Kollegen, die einem Gebäude mit ihren Stahl-Glas-Konstruktionen eine Klimahülle überziehen, die "Fassade vergessen". Eine gute Fassade, findet sie, müsse aus der Fern- und Nahsicht etwas erzählen von den tektonischen Verhältnissen, vor allem vom großen Thema der Architektur: vom Tragen und Lasten einer Wand. Die Fassade habe eine "gewisse Autonomie", aber sie sei dem Haus nicht äußerlich, kein bloßer Schmuck, sondern die "Ouvertüre", die etwas verrät über die Konstruktion des Baukörpers, ein "Versprechen", das durch das innere Raumgefüge eingelöst werden muss.

Nicht Stilvorlieben, sondern die bautechnischen Herausforderungen führten "zwingend" zur architektonischen Gestalt: Ein Fenster sei, anders als manche Modernisten meinten, eben "mehr als ein Loch", ein Dach "mehr als eine Linie". Sie stehen, wie Petra Kahlfeldt sagt, in "Korrespondenz mit unserem Körpergefühl". Gute Architektur nehme deshalb Bezug auf das menschliche Maß.

Der Wunsch nach Verständlichkeit des Bauwerks, nach "überzeitlicher gestalterischer Komposition" jenseits der Moden, hat bei Kahlfeldt Architekten zu klassizistischen Lösungen geführt. Vor allem im Villenbau, wo Paul Kahlfeldt die klassischen Fassadenthemen durchspielt: ausgewogene Proportionen, Sockelausbildung, Säulenfront, Fenster- und Türrahmungen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Alte Geschichten neu interpretieren

Es ist nicht zuletzt der Geschmack der Bauherren, ihre Vorliebe für Sprossenfenster, Eingangshallen und übersichtliche Raumaufteilungen, die beim Bau von Einfamilienhäusern zu eher konservativen Kompositionen führt. Eines der ersten Häuser des Kölner Architekten Axel Steudel – der Bauherr hatte vergeblich nach einem geeigneten Altbau gesucht – war eine Neuauflage von Karl Friedrich Schinkels Neuem Pavillon, mit Zierelementen in abstrahierter plastischer Form.

Mittlerweile hat Steudel, ein Schüler von Oswald Mathias Ungers, zu freieren Kompositionen gefunden. Nostalgie ist ihm fremd, harmonische Formen weiß er zu schätzen. Dass er zu den Jungkonservativen unter den Architekten gezählt wird, quittiert er mit einem Adolf-Loos-Zitat: "Das Haus ist konservativ." Dabei versteht sich Steudel durchaus als Mittler zwischen Tradition und Moderne, es interessiert ihn, was dabei herauskommt, wenn sich "beide Seiten die Hand geben", wenn alte Geschichten neu interpretiert werden.

Wie bei seinem 2007 entstandenen Neubau im Bergischen, einem großzügigen, breitgelagerten Familienhaus, das an Friedrich Nietzsches Bemerkung erinnert: "Häuser blicken uns an wie Gesichter." Mit seinen Giebeln und freundlichen Fenstergruppen fügt es sich unaufdringlich in die Nachbarschaft ein und bleibt, wenn man genau hinsieht, trotzdem Zeitgenosse. Denn darauf kommt es Steudel eben an: "Mir ist es wichtig, dass die Leute das Gefühl haben: Das ist ein Haus von heute."

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%