ARD und ZDF Expertenrat fordert weniger Politikmagazine im Ersten

Die Politikmagazine im Fernsehen haben eine lange Tradition. Ihre herausragende Stellung zur Meinungsbildung hätten die Sendungen aber verloren, sagt ein Medienexperte und rät zur Verschlankung.

Soll die ARD die Zahl der Polit-Magazine kürzen? Quelle: dpa

Zu viele Politikmagazine, aber dennoch zu wenig Politik - zu diesem Schluss kommt der Medienexperte Bernd Gäbler in seiner am Samstag veröffentlichten Studie mit dem Titel „Wie politisch sind Politikmagazine im Fernsehen?“. Gäblers wichtigste Folgerung: Die ARD sollte die Zahl ihrer Magazine deutlich abbauen und sich auf bestenfalls zwei Marken konzentrieren. Diese Debatte hatte die ARD schon einmal vor ein paar Jahren.

Die ARD sendet im Ersten derzeit sechs verschiedene Politikmagazine immer dienstags und donnerstags um 21.45 Uhr: „Report Mainz“, „Report München“, „Monitor“, „Panorama“, „Fakt“ und „Kontraste“. Besonders die Magazine „Fakt“ und „Kontraste“ hätten im Beobachtungszeitraum zwischen September und Dezember 2014 „zu wenig eigene Recherchen aufzuweisen und kaum außergewöhnliche Beiträge entwickelt“, heißt es in der Studie. Sie sollten im Ersten abgeschafft werden und in den Regionalprogrammen fortgeführt werden.

Wie RTL und Sat.1 das Fernsehen veränderten
1. Januar 1984Die Ära des Privatfernsehens in Deutschland begann am 1. Januar 1984 um 9.58 Uhr. Die Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk (PKS) ging um diese Zeit mit Sat1 auf Sendung, RTL plus folgte einen Tag später. Der damalige Geschäftsführer, Jürgen Doetz, begrüßte das Publikum gemeinsam mit Moderatorin Irene Joest vor den Fernsehern mit den Worten: „Meine sehr verehrten Damen und Herren, in diesem Moment sind Sie Zeuge des Starts des ersten privaten Fernsehveranstalters in der Bundesrepublik Deutschland.“ Quelle: dpa
2. Januar 1984Am 2. Januar 1984 sah das Publikum dann Helmut Thoma, damals Direktor der deutschen Programme, auf der Mattscheibe. Er begrüßte die Fernsehzuschauer zum Senderstart der ersten RTLplus-Sendung. RTLplus sendete damals aus Luxemburg sein deutschsprachiges Programm. 1988 zog der Privatsender nach Köln. Für Köln sprach, dass bereits wegen des WDR Übertragungsleitungen vorhanden waren. Quelle: dpa
8. April 1988Der junge Sender musste um das Publikum kämpfen. Erfolge verzeichnet RTL dabei unter anderem mit seiner Comedy-Spielshow „Alles Nichts Oder?!“ mi t Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder (hier im Jahr 2008). Trotz kleinem Budget und minimaler Ausstattung war das Moderatorenduo sehr gewinnbringend für den Sender. Die Grundidee war ein Kindergeburtstag für Erwachsene. Ein prominenter Gast musste an albernen Spielen teilnehmen und sich gegen die Moderatoren behaupten. Der Gewinn war eine Torte. Derjenige, der das Spiel verlor, musste seinen Kopf durch ein Loch in der Wand stecken, um dann die Torten aus dem Publikum ins Gesicht geworfen zu bekommen. Das klingt letztlich infantiler, als die Show tatsächlich war. Die Sendung lief bis 1992. Quelle: dpa
7. November 1988Große Erfolge brachte Sat.1 die Sendung „Glücksrad“ ein. Zum ersten Mal drehte es sich im Privatsender am 7. November 1988. Moderiert wurde die Ratesendung von Frederic Meisner (links) und Schauspieler Peter Bond (rechts), die sich wöchentlich abwechselten. Die Buchstabenfee, also die Dame, die die Buchstaben der Ratewand umdreht, war Maren Gilzer. Die Spiele-Show war montags bis freitags um 19.30 Uhr zu sehen. Wegen des hohen Erfolges wurde sogar 1991 eine samstägliche und eine sonntägliche Ausgabe ins Programm genommen. Fast sieben Jahre lang war das „Glücksrad“ damit täglich zu sehen. Vorbild für die Sendung war die US-Show „Wheel of Fortune“. Die Adaption ausländischer Formate wurde schnell zu einem Steckenpferd der Privaten – denn das brachte enormen Erfolg. Quelle: dpa
21. Januar 1990Die erste erotische TV-Show im deutschen Fernsehen war die Spiele-Show „Tutti Frutti“, moderiert von Hugo Egon Balder. Die Gäste konnten in Raterunden Punkte gewinnen, die sie in abzulegende Kleidungsstücke der Stripperinnen investierten. Den Privaten hing damals wegen zahlreicher Erotikfilmen im Nachtprogramm ein Schmuddel-Image an. „Tutti Frutti“ änderte daran nicht viel, wurde jedoch zum vieldiskutierten Gesprächsthema. Das Punktesystem begriff kaum jemand, nackte Haut wollten dafür genug Interessenten sehen. Ein Novum, was der Sender auch offensiv bewarb: Die Kandidaten mussten auch selbst Kleidung ablegen – und die Zuschauer durften hoffen, Nachbar oder Nachbarin in Unterwäsche zu erwischen. Die Sendung lief auf RTL bis 1993. Quelle: dpa
10. Dezember 1991Rosa von Praunheim präsentierte zu Beginn einer jeden Ausgabe der Show „Explosiv - Der heiße Stuhl“ eine Person, über die sie provokante Thesen aufstellte. Anschließend musste derjenige auf dem heißen Stuhl platznehmen und mit fünf weiteren Gästen über diese Thesen diskutieren. Dabei kam es zu lauten, persönlichen Diskussionen, die der Moderator immer wieder anheizte. Filmemacher Rosa von Praunheim outete in seiner Sendung außerdem die TV-Lieblinge Hape Kerkeling und Alfred Biolek als schwul, was einer der größten Skandale der TV-Geschichte war. Sein Kommentar dazu: „Mein Outing von schwulen Prominenten war ein Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der Aidskrise“, erklärt der heute 69-jährige Rosa von Praunheim auf seiner Website. Ihm ging es damals darum, schwule Sympathieträger, die versteckt lebten, zur Solidarität mit der Homosexuellengemeinschaft zu bewegen, weil es in ihr die meisten HIV-Infizierten und Aids-Toten zu beklagen gab. Generell war „Explosiv“ die wohl umstrittenste, da krawalligste Talkshow der privaten Fernsehsender. Quelle: dpa
19. Januar 1992Linda de Mol startete 1992 die Sendung „Traumhochzeit“ auf RTL. Die Sendung zählte mit bis zu elf Millionen Zuschauern zu den beliebtesten deutschen Fernsehsendungen der 1990er Jahre. Bis zum Jahr 2000 konnten in der Sendung drei Paare gegeneinander antreten, die (neben verschiedenen kleineren Preisen) eine Traumhochzeit gewinnen konnten. Der gigantische Erfolg der Samstagabend-Show legte den Grundstein für das Imperium der niederländischen Produktionsfirma Endemol, heute zweitgrößter Fernsehproduzent der Welt. Mitbegründer der Firma: Lindas Bruder John de Mol. Quelle: dpa
11. Mai 1992Die Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ startete im Mai 1992. Montag bis Freitag ist die Sendung immer noch auf RTL zu sehen. Sie gilt als die erfolgreichste ihres Genres. Die GZSZ-Crew dreht seit 1995 in den Filmstudios von Babelsberg. Die Darsteller sind meist junge Schauspieler, die die Seifenoper als Sprungbrett benutzen, um ihre Fernsehkarriere weiter voranzutreiben – wie beispielsweise Yvonne Catterfeld, Rhea Harder und Jeanette Biedermann. Die Serie orientierte sich an den „Daily Soaps“ aus dem angloamerikanischen Sprachraum sowie den Lateinamerikanischen „Telenovelas“. Unzählige Nachahmer auf den meisten privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern folgten. Quelle: dapd
14. September 1992Mit „Hans Meiser“ startete der Moderator eine jahrelange Flut von Nachmittags-Talkshows im deutschen Fernsehen. Inhalt waren triviale Alltagsthemen unbekannter Personen. Zu Spitzenzeiten hatte RTL bis zu fünf derartiger Sendungen im Programm. 2001 wurde die Produktion eingestellt. Und auch hier gab RTL den Pionier: Die geringen Produktionskosten und der Quotenerfolg in Kombination sorgten für eine wahre Flut an täglichen Talk-Formaten. Wie schon bei „Explosiv“ legte der Sender das Niveau der Gäste eine Stufe tiefer als bei bisherigen Gesprächsrunden. Die volksnähe kam gut an. Und Millionen Normalbürger nutzten die Unterhaltungsmaschinerie in der Folge, um einmal im Leben ins Fernsehen zu kommen. Quelle: dpa
29. Januar 1992Sat.1 startete im Jahr 1992 die wöchentliche Infotainment-Show „Schreinemakers Live“ mit Margarete Schreinemakers als Moderatorin. Am 22. August 1996 wurde sie live vom Schirm genommen, als sie öffentlich über ihre privaten Steuerprobleme reden will. Sie beschäftigte sich mit Prominenten und machte beispielsweise mit kranken Kindern Betroffenheitsfernsehen, weshalb ihr oft vorgeworfen wurde, sie führe durch die Sendung mit übertriebener Emotionalität. Der Publizistikprofessor Siegfried Weischenberg bezeichnete die Kritik mit dem Wort "Schreinemakerisierung", das er wie folgt definierte: „Schreinemakerisierung vermittelt keine Fakten, sondern das Gefühl, dass die Menschen - von einer glaubwürdigen Herrin der Gezeiten - über diese Welt auf dem Laufenden gehalten werden.“ Quelle: dpa
14. August 1992Das mobile „ran“-Studio. Johannes B. Kerner legte als „ran“-Moderator und Fußball-Kommentator bei Sat.1 los. Mit dem Start der Saison '92/'93 besaß Sat.1 das Erstverwertungsrecht für die Bundesliga bis 2001/02. „Ran“ veränderte den Samstagnachmittag des deutschen Fußballfans: Über Jahrzehnte war die „Sportschau“ in der ARD Pflichtprogramm. 1988 erwarb RTL erstmal die Erstverwertungsrechte, da die Sendung „Anpfiff“ jedoch terrestrisch nur in wenigen Landstrichen verfügbar war, durfte die Sportschau weiterhin senden. Anders sah es dann bei Sat.1 aus: Die Sportschau wurde auf eine halbe Stunde gekürzt und damit faktisch vom Markt gedrängt. Erst ein Jahrzehnt später konnte die alte Ordnung wiederhergestellt werden. Für die aktuellen Spielzeiten muss die ARD aber fast eine halbe Milliarde Euro zahlen – RTL erwarb die Rechte 1988 für gerade einmal 18 Millionen DM. Quelle: AP
6. November 1993„RTL Samstag Nacht“ war die erste große Comedy-Serien-Show im deutschen Fernsehen. Produziert wurde die Serie von Hugo Egon Balder und Jacky Dreksler. Sie bestand aus einem Ablauf von gespielten Sketchen, viele davon auf wiederkehrender Basis. Direktes Vorbild war die US-amerikanische Serie „Saturday Night Live“. Die Ensemble-Mitglieder wurden zu Berühmtheiten, besonders Oli Dittrich, Esther Schweins und Wigald Boning sind bis heute bekannte TV-Gesichter. Die Show brach mit starren Humorvorlagen und Altherrenwitzen, war massentauglicher als die Kabarettisten der Öffentlich-Rechtlichen und gilt gemeinhin als Wiege der deutschen Comedy. Quelle: dpa
5. Dezember 1995Sat.1 strahlte ab dem 5. Dezember 1995 die legendäre Late-Night-Sendung „Harald Schmidt Show“ aus, die zunächst bis 2003 lief und dann nochmal 2011 und 2012. Dazwischen war Schmidt bei der ARD und von 2012 bis 2014 bei Sky Deutschland auf Sendung. Schmidt brach zahlreiche Tabus und Konventionen und etablierte das Late-Night-Format. Mal moderierte er eine Sendung komplett auf Französisch, eine weitere verbrachte er gänzlich auf einem Laufband und 2002 moderierte er eine Folge mit dem Rücken zum Publikum (angelehnt an Miles Davis, der seine Trompete stets abgewandt dem Publikum spielte). Quelle: dpa
3. September 19991999 geht die deutsche Version der britischen Quizshow „Who Wants To Be A Millionaire?“ mit Günther Jauch (rechts) auf Sendung. Bis heute ist „Wer wird Millionär?“ ein Quoten-Hit für RTL. Im Jahr 2000 gewann der Kandidat Dr. Eckhard Freise (links) als Erster eine Million Mark in der Show. RTL bewies wieder einmal maximales Gespür für den Markt und trat auch hier eine Nachahmungswelle los. Anders als viele andere Formate besticht die Quizshow jedoch durch einen geistreichen Moderator und spontanen, aber gut pointierten Humor. Quelle: AP
11. September 2001RTL bekommt viel Lob für die siebenstündige Moderation von Peter Kloeppel zu den Terroranschlägen in den USA. In der Sondersendung „Terror gegen Amerika“ berichtet Kloeppel nach den Terroranschlägen von den Geschehnissen in New York und Washington. Kloeppel erhält dafür unter anderem den Grimme-Preis. 2004 wird er Chefredakteur von RTL. Quelle: dpa
9. November 2002Im Jahr 2002 ging „Deutschland sucht den Superstar“ nicht als Mutter, aber als Flaggschiff der großen Castingshows an den Start. Chefjuror ist bis heute Ex-Modern-Talking-Star Dieter Bohlen. Die Casting-Show steht immer wieder in der Kritik: Besonders Bohlens antisoziales und respektloses Verhalten gegenüber den meist sehr jungen Kandidaten werde als cool und erfolgsversprechend dargestellt. Mittlerweile sinken die Quoten immer weiter. „DSDS“ multiplizierte zu Beginn den Erfolg, den RTL-Tochter RTL2 mit dem Format „Popstars“ zwei Jahre zuvor begonnen hatte. Doch statt einer Band steht nur ein Musiker im Mittelpunkt – die Dramaturgie überzeugte das Publikum deutlich mehr. Quelle: dpa
9. Januar 20042004 ging die erste Staffel des Dschungelcamps - „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ - mit den Moderatoren Dirk Bach und Sonja Zietlow auf Sendung. Zwei Wochen lang leben Personen, die bereits durchs Fernsehen bekannt sind, im Dschungel unter ständiger Beobachtung von Kameras. Ziel ist es Dschungelkönig oder -königin zu werden und damit einen Geldbetrag zu gewinnen. Dafür müssen die Teilnehmer verschiedene Aufgaben bewältigen, die extrem eklig sind und den Alltag dort sehr erschweren. Das Verspeisen von Tierhoden oder das Eintauchen in Becken voller Spinnen und Maden sorgen immer wieder für Aufregung. Das Kuriosum: Während der eigentliche Inhalt, die entwürdigenden und spannungslosen Wettkämpfe der mal mehr, mal weniger prominenten Bewohner, meist von Kritikern verrissen wird, werden die Moderationen mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Nur bleibt der Satire-Charakter den Protagonisten meist verborgen. Quelle: dpa
2. Oktober 2005Die Kuppelshow „Bauer sucht Frau“ ging im Jahr 2005 mit Inka Bause an den Start. Hier suchen Landwirte nach einer Lebensgefährtin. Der Deutsche Bauernverband meldete sich bereits zur Wort: Seiner Meinung nach gebe die Sendung ein dümmliches und falsches Klischee über Bauern wieder, das nichts mit der Realität zu tun habe. RTL bekräftigt, Szenen und Dialoge seien aus dem Leben gegriffen. Die Show nach Schweizer Vorbild wurde nach dem Quotenerfolg auf RTL auch international zum Renner. Quelle: dpa
19. Dezember 2013Der Moderator Thomas Gottschalk (Mitte) bei der Aufzeichnung der RTL-Fernsehshow „30 Jahre RTL – die große Jubiläumsshow“ auf der Bühne mit 30 Damen, die am 02. Januar 1984 geboren wurden. Die privaten Sender haben immer wieder neue Formate ausprobiert, mit denen sie zwar Erfolge feierten, aber mit denen sie auch stets harsche Kritik ernteten. Man darf gespannt sein, was das Privatfernsehen künftig an weiteren Ideen entwickelt, um die Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen bei Laune zu halten. Quelle: dpa

„Die jahrelange ARD-interne Debatte ist beendet“, sagte ARD-Chefredakteur Thomas Baumann der Deutschen Presse-Agentur zu Gäblers Erkenntnissen. „Wir haben sechs sehr starke, eingeführte Marken. Es gibt keinen Grund, sie preiszugeben, zumal diese auch journalistische Vielfalt widerspiegeln.“ Ein Blick auf das ZDF, das mit „Frontal 21“ eine hoch respektable Sendung mache, lehre: „Die Reduzierung auf eine Marke ist kein Garant für größeren Erfolg.“

Tages-Politik steht zu wenig im Mittelpunkt

Wichtige Themen aus dem Tagesgeschäft der Politik stehen laut Studie zu wenig im Mittelpunkt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei nie Gegenstand der Analyse, allenfalls ein „Satire-Objekt“. Parteien und Parlament würden nur gestreift, bei der Analyse gesellschaftspolitischer Großtrends seien Defizite auszumachen. Es dominierten simple Verbraucherthemen.

„Was sind „echte“ Politthemen?“, fragt dagegen Baumann. Gäbler habe da sicher eine andere Definition. „Für uns jedenfalls ist nicht nur politisch, was gerade in Ausschüssen des Deutschen Bundestages behandelt wird. Auch O-Töne von Politikern machen einen TV-Beitrag nicht per se zum politischen Beitrag. Wir hingegen meinen, dass auch Verbraucherthemen politisch sein können. Wenn wir etwa über die Zulassungsbedingungen von neuen Medikamenten berichten, dann ist das zweifellos ein relevantes, viele Menschen betreffendes Thema, mit dem sich eventuell auch der Gesetzgeber zu befassen hat.“

Gäbler kritisierte bei der ARD neben der „ungenügenden Markenführung“ auch den mit 30 Minuten zu knappen Raum für eine „variable Gestaltung“. „Die ARD hat eine Güterabwägung vorgenommen“, erklärte Baumann. „Eine Sendelänge von 45 statt 30 Minuten für die Magazine wäre schön. Wir haben uns aber entschieden, die „Tagesthemen“ von 22.30 auf 22.15 Uhr vorzuziehen. Gerade weil uns aktuelle politische Information besonders wichtig ist. Angesichts der Tatsache, dass das Erste in aller Regel pro Woche mit zwei politischen Magazinen und dem Wirtschaftsmagazin „Plusminus“ aufwartet, halten wir die Sendelänge von 30 Minuten für gut vertretbar.“

Was der ARD laut Gäbler auch fehlt: die Online-Präsenz ihrer Magazine, die Bearbeitung für einen Youtube-Kanal, Hinweise auf Facebook oder Twitter-Tweets seien vernachlässigte Themen. Politikmagazine, so Gäbler, sollten nicht vom Mythos ihrer Vergangenheit“ leben. Sie müssten wieder „informativ, investigativ, meinungsbildend, hintergründig, tiefschürfend“ werden.

Das sind die Giganten der Medienwelt
Fernsehsender, Zeitungen, Kinostudios: Medien sind ein Milliardengeschäft – im Bild eine Szene aus dem aktuellen Film „Spider-Man“. Auf Basis der Erlöse des Jahres 2013 hat Lutz Hachmeister, Direktor des Berliner Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik, ein Ranking der 50 größten Medienunternehmen der Welt erstellt. Wir zeigen die Top 10. Quelle: AP
Platz 10: Cox EnterprisesMit fast 12 Milliarden Euro Umsatz zählt Cox Enterprises zu den zehn größten Unternehmen der Branche. Das Hauptquartier liegt in Atlanta (Georgia). Der Konzern gehört fast vollständig der Familie Cox beziehungsweise Kennedy und beherbergt unter anderem 17 Tages- und 25 Wochenzeitungen sowie 15 regionale Fernsehsender. Quelle: Handelsblatt Online
Platz 9: BertelsmannBertelsmann ist der größte deutsche Medienkonzern, auch dank der RTL-Gruppe mit ihren Fernsehsendern. Weltweit rangiert der Konzern auf Rang 9, mit einem Umsatz von 16,4 Milliarden Euro. Vorstandschef Thomas Rabe will die Erlöse bis 2016, spätestens aber bis 2017 auf 20 Milliarden Euro steigern. Quelle: dpa
Platz 8: Sony Entertainment Der japanische Elektronikkonzern befindet sich weiterhin in der Krise. Der Umsatz stieg zwar zuletzt um 14,3 Prozent auf 7,77 Billionen Yen (54,8 Mrd. Euro am Stichtag 31. März), das Plus resultierte aber größtenteils aus Währungseffekten: Bei konstanten Kursen wäre der Erlös um zwei Prozent gesunken. Der operative Gewinn sank um fast 90 Prozent auf 26,5 Milliarden Yen (187 Millionen Euro), unterm Strich steht ein Verlust von 128,4 Milliarden Yen (903 Millionen Euro) – der sechste in sieben Jahren. Quelle: AP
Platz 8: Sony Entertainment Der japanische Elektronikkonzern Sony ist in vielen Sparten aktiv: Er hat ein Filmstudio, baut Fernseher und Audiogeräte, hat aber auch die Spielkonsole Playstation im Angebot – im Bild eine Brille, die Spiele in einer virtuellen Realität ermöglicht. Allerdings tut sich das Traditionsunternehmen schwer. Der Umsatz stieg zwar zuletzt um 14,3 Prozent auf 7,77 Billionen Yen (54,8 Mrd. Euro am Stichtag 31. März), das Plus resultierte aber größtenteils aus Währungseffekten, bei konstanten Kursen wäre der Erlös um zwei Prozent gesunken. Der operative Gewinn sank um fast 90 Prozent auf 26,5 Milliarden Yen (187 Millionen Euro), unterm Strich steht ein Verlust von 128,4 Milliarden Yen (903 Millionen Euro) – der sechste in sieben Jahren. Quelle: AP
Platz 7: Viacom CBSDer US-Medienkonzern Viacom CBS, Mutter der Fernsehsender MTV, Nickelodeon und des Hollywood-Filmstudios Paramount, verbuchte im vergangenen Jahr einen Umsatz 21,894 Milliarden Euro – Rang sieben. Der Hauptsitz ist der Broadway in New York City. Quelle: AP
Platz 6: Time WarnerUnter dem Dach von Time Warner sind diverse Medienunternehmen versammelt – etwa der Bezahlsender HBO, der derzeit mit der Serie „Game of Thrones“ für Furore sorgt. Auch das Verlagshaus Time Inc., die Filmproduktionen New Line Cinema und Warner Bros. Entertainment sowie die TV-Kette Turner zählen zum früheren Branchenprimus. 2009 gliederte das Unternehmen den Kabelnetzbetreiber Time Warner Cable Inc. aus und zog zudem einen Schlussstrich unter die erfolglose Fusion mit AOL. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr umgerechnet 22,4 Milliarden Euro. Quelle: AP
Platz 5: DirecTVNoch vor einigen Jahren noch gar nicht in den Top 10, hat sich DirecTV auf Platz fünf der größten Medienkonzerne der Welt gearbeitet. Der führende amerikanische Anbieter für Satelliten-Pay-TV hat umgerechnet 23,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Im Laufe dieses Jahres wird DirecTV mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Telekommunikationskonzern AT&T übernommen. Quelle: dpa
Platz 4: News Corp. Ltd. / 21st Century FoxDer US-Medienkonzern News Corporation belegt mit einem Umsatz von umgerechnet 27,5 Milliarden Euro den vierten Platz im Ranking. 21st Century Fox wurde im Jahr 1979 als News Corporation gegründet. 2013 gliederte die News Corp. ihre verlustreichen Printmedien in eine neugegründete News Corp. aus. Da nun der Unternehmensfokus auf das Film- und Fernsehgeschäfte sowie Pay-TV ausgerichtet ist, vollzog das Unternehmen eine Namensänderung zur 21st Century Fox. Quelle: AP
Platz 3: Walt DisneyDer Walt-Disney-Konzern ist eine gut geölte Unterhaltungsmaschine, die beliebte Figuren wie Micky Maus in Schwung halten. Mit seinen Sparten – vom Unterhaltungspark bis zu den Filmstudios – machte das Unternehmen im vergangenen Jahr umgerechnet 33,9 Milliarden Euro Umsatz. 2010 führte das Unternehmen die Rangliste sogar an. Quelle: AP
Platz 2: GoogleAuch wenn Google selbst keine Inhalte herstellt, zählen die Forscher den Suchmaschinisten zu den Medienkonzernen. Der Umsatz betrug 2013 umgerechnet 45,1 Milliarden Euro. Experten und Beobachter rechnen damit, dass Google auch in den kommenden Jahren durch Zukäufe wachsen wird. Die Kriegskasse ist gut gefüllt. Quelle: AP
Platz 1: ComcastMit einem Umsatz von umgerechnet 48,7 Milliarden Euro ist Comcast/NBCUniversal das mit Abstand größte Medienunternehmen der Welt – im Bild eine TV-Sendung, in der der Whistleblower Edward Snowden zu sehen war. Die Spitzenposition wird der Konzern voraussichtlich auch in den kommenden Jahren behalten: Denn das von Comcast-Chef Brian Roberts geführte Unternehmen will 2015 Konkurrent Time Warner Cable übernehmen und wird dann voraussichtlich 65 bis 70 Milliarden Euro erlösen. Quelle: AP
Platz 19: ARDDie ARD mit ihrer „Tagesschau“ ist zwar kein kommerzieller Konzern – doch weil die Einnahmen aus Werbung und Rundfunkgebühren sich 2013 auf 6,284 Milliarden Euro beliefen, ist der Senderverbund ein Riese und hinter Bertelsmann das zweitgrößte deutsche Medienunternehmen. Quelle: NDR
Platz 45: Axel SpringerDrittgrößter deutscher Medienkonzern, aber im internationalen Ranking nur auf Platz 45 zu finden, ist die Axel Springer AG. Sie gibt unter anderem die Tageszeitungen „Bild“ und „Welt“ heraus, setzt aber immer mehr auf digitale Geschäftsfelder. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 2,8 Milliarden Euro. Die Pro Sieben Sat. 1 Media AG, die im Vorjahr noch auf Rang 48 lag, ist nach einem Umsatzrückgang von 2,9 auf 2,6 Milliarden Euro komplett aus dem Ranking verschwunden. Auch bei der Profitabilität hinken die deutschen Medienunternehmen hinterher: Axel Springer belegt mit einer Rendite von 16,2 Prozent als profitabelstes deutsches Medienunternehmen nur Platz 19. Quelle: REUTERS

Dem ZDF und seinem einzigen Politikmagazin „Frontal 21“ fehle es an redaktioneller Stärke, um ein kontinuierlich hohes Niveau zu halten, urteilt Gäbler weiter. „Spiegel TV“ auf RTL habe sich zu einem „bunten Gesellschaftsmagazin“ entwickelt. Gäbler, der früher unter anderem Geschäftsführer des Grimme-Instituts war, hatte die Studie im Auftrag der Otto Brenner Stiftung in Frankfurt angefertigt.

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