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Arvato-Chef Achim Berg "Wir sitzen auf einem Schatz"

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"Die neue Struktur bringt uns größere Flexibilität"

Haben Sie deshalb Arvato komplett umgebaut und von 23 Einheiten auf nur noch sieben Säulen vereinfacht?

Ja. Die neue Struktur bringt uns größere Flexibilität. Vorher waren viele Teile des Konzerns stark in sich abgeschlossen, und die Zusammenarbeit war sehr kompliziert. Jetzt gibt es eine Geschäftsführung etwa über dem ganzen Bereich Logistik, die das Zusammenspiel koordiniert.

Sie sind der erste Arvato-Chef, der von außen kam. Machte es das leichter, die einzelnen Fürstentümer zur Zusammenarbeit zu bringen?

Das mag sein. Ich habe aber auch intern sehr viel erklärt, und nun merken alle, dass sie profitieren. In der alten Arvato-Logik war jeder für sich selbst verantwortlich, und es gab viele kleine Einheiten, die aber nicht in der Lage waren, gemeinsam große Innovationen zu treiben, die für den ganzen Konzern wichtig sind. Dadurch rutschte Arvato immer mehr in eine Commodity-Falle: Wir haben unseren Kunden viel zu oft schlicht das geliefert, was sie nachgefragt haben, hatten aber zu wenige eigene neue Ideen.

Die sieben Geschäftsfelder von Arvato

Was war die Folge?

Die Marge ging immer weiter herunter. Das sollte durch mehr Umsatz kompensiert werden, was nur teilweise gelang. Deshalb haben wir jetzt größere Einheiten, sieben sogenannte Solution Groups, die Verantwortung für weltweite Lösungen tragen.

Macht sich das in den Zahlen bemerkbar?

Die ersten Zahlen sind sehr ermutigend. Wir wachsen beim Umsatz wie in der Marge. Das gab es bei Arvato längere Zeit nicht. Für eine belastbare Prognose ist es sicherlich noch zu früh, aber ich halte das für nachhaltig. Besonders in der Logistik merkt man den Schwung. Allein schon dadurch, dass Lagerflächen jetzt intelligenter genutzt werden, kann die ganze Organisation mehr atmen. Jetzt kann ich auch mal Pakete aus dem Fashion- oder Lifestyle-Bereich ins angrenzende High-Tech-Lager packen und von dort aus verschicken.

Neu ist der Bereich Digital Marketing – eröffnet Arvato eigene Werbeagenturen?

Nein, die Idee ist eine andere: Es dürfte in Deutschland kaum ein anderes Unternehmen geben, das über ähnlich viele Konsumenten- und Marketingdaten verfügt wie Arvato. Nehmen Sie allein die Versanddaten aus der Logistik, die Finanzdaten über Kunden oder die Informationen aus Kundenbindungsprogrammen wie Webmiles. Wir verschaffen uns gerade einen Überblick, auf welchem Schatz wir da sitzen, wie wir diese Daten verknüpfen können und welche Restriktionen für die Nutzung existieren. Und das machen wir quer durch den ganzen Bertelsmann-Konzern.

Was tun Sie mit den Daten? Verkaufen?

Nein, es geht darum, Daten für unsere Kunden intelligent aufzubereiten und durch weitere Informationen anzureichern. Ein Autohersteller etwa kann viel Reklamegeld sparen, wenn er weiß, wer gerade für seine Werbung empfänglich ist. Mit unseren Verbraucherdaten könnten wir ihm weiterhelfen und etwa ganz simpel aus den häufigeren Bestellungen von Autoprospekten Kaufabsichten ableiten. Als nächsten Schritt wollen wir Unternehmen Mittel und Wege aufzeigen, Konsumenten anzusprechen. Wir können Kunden aber auch mit Daten bei Investitionen beraten – etwa bei der Frage, wo setze ich meinen nächsten Baumarkt hin? In Spanien haben wir für ein Fast-Food-Unternehmen den besten Standort für eine neue Filiale errechnet. Das können wir noch ausbauen. Der ganze Bereich, um den ich mich selber kümmere, steht aber auch jetzt schon für zehn Prozent des Arvato-Umsatzes.

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