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Arvato-Chef Achim Berg "Wir sitzen auf einem Schatz"

Seit 15 Monaten ist Achim Berg Chef des milliardenschweren Logistik- und Druckkonglomerats Arvato. Jetzt will er den Großbetrieb digitalisieren - und Kundendaten zur Goldgrube machen.

Der Ex-Microsoft-Manager Berg soll der Dienstleistungssparte von Bertelsmann Beine machen Quelle: Ingo Rappers für WirtschaftsWoche

„Ab Mittag fallen hier die Klapperschlangen runter“, sagt Achim Berg. Berg, mittlerweile seit 15 Monaten Vorstandschef von Bertelsmanns Dienstleistungssparte Arvato, urlaubte letztens in Amerikas wildem Südwesten. Ein gut 1,50 Meter breites, gestochen scharfes Foto hinter seinem Schreibtisch erinnert den Manager jeden Tag an den abenteuerlichen Trip. Das selbst geschossene Bild zeigt einen schmalen Canyon mit leuchtend orangefarbenen Felswänden. Doch die Schönheit birgt Risiken – der indianische Führer wies Berg auf die Gefahr durch die mitunter herabstürzenden Giftschlangen hin.

In Gütersloh wurde ähnliches Ungetier bislang eher selten gesichtet. Doch mancher Arvato-Manager wird es Berg heimlich an den Hals gewünscht haben. Denn der umtriebige Macher, zuvor in Diensten von Microsoft und Deutscher Telekom, unterzieht den Dienstleistungsriesen einem radikalen Umbau – obwohl die letzte große Umorganisation erst drei Jahre zurückliegt.

Zahlen zu Arvato

Schneller, digitaler, vernetzter – so will Berg Arvato auf mehr Tempo und höhere Margen trimmen. „Wir müssen flexibler werden“, sagt Berg. Ob das gelingt? Kritiker rechneten Bertelsmann-Boss Thomas Rabe nach der Berufung von Berg flugs vor, sein Neuer an der Arvato-Spitze habe noch nie zuvor in seiner Karriere einen solchen Koloss geführt. 4,4 Milliarden Euro Umsatz, mehr als 66.000 Mitarbeiter, mehr als 250 Tochterunternehmen zu orchestrieren ist kein Pappenstiel.

Berg ist gut vernetzt und erfahren

Überhaupt ist der Rheinländer der erste Arvato-Chef, der nicht erst die unteren Ränge des westfälischen Industrieriesen durchlaufen musste, sondern von Rabe direkt auf den Chefsessel berufen wurde. Diese Personalie muss sitzen: Rabe darf sich nach dem Flop mit Digital-Vorstand Thomas Hesse, den er von Sony Music holte und der Ende 2013 nach einem mäßig erfolgreichen Intermezzo nach nicht mal ganz zwei Jahren vorzeitig die Segel strich, keine weiteren Personalpannen bei Arvato erlauben.

Immerhin: Mit Berg holte sich Bertelsmann einen Spitzenmann ins Haus, der die Digitalwelt kennt wie kaum ein anderer deutscher Top-Manager. Hardware, Software, Telekommunikation – der 50-Jährige ist mit allen Facetten des Internets bestens vertraut. Bei vielen Schlachten um die besten Plätze in den Wertschöpfungsketten im Web war der gebürtige Siegburger an vorderster Front dabei, national bei der Telekom, international bei Microsoft.

Sein wichtigster Trumpf: Wenn Berg als Dienstleister für Web-Riesen wie Google, Microsoft oder Vodafone noch mehr Geschäft machen will, dann kennt er die zuständigen Vorstände. Die Lehrjahre bei der Telekom und bei Microsoft hat er genutzt, ein engmaschiges Beziehungsnetz aufzubauen. Hinzu kommt: Computerfreak Berg besitzt die Gabe, komplizierte Technik so zu umschreiben, dass auch Laien sie verstehen. Bevor Berg ein Produkt verkauft, testet er es ausgiebig. Das vernetzte Haus probierte er schon aus, als es für andere noch eine Vision war. Fernseher und Stereoanlage über den eigenen Rechner intelligent steuern und Alarmmeldungen auf dem Handy empfangen, wenn die Grundwasserpumpe im Keller ausfällt – das funktionierte bei Berg schon vor einigen Jahren.

Unternehmenswechsel im Fünfjahres-Takt

Als Hardwareverkäufer macht Berg schnell Karriere. Bereits mit 36 wird er Vorsitzender der Geschäftsführung bei Fujitsu Siemens Computer.

Ungebändigt ist seitdem sein Drang, sich auf ungewohntes Terrain vorzuwagen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch seine Karriere. Länger als fünf bis sechs Jahre hielt es Berg bisher bei keinem Konzern aus. Meist kam ein gutes Angebot, das „er nicht ausschlagen konnte“, genau dann herein, wenn es mal nicht so gut lief.

2002 übernimmt er den Posten des Vertriebschefs bei der Festnetzsparte T-Com der Telekom. An der Seite des damaligen Vorstandschefs Kai-Uwe Ricke kämpft er gegen den Kundenschwund, kann ihn aber trotz großer Werbefeldzüge nicht stoppen.

Fünf Jahre später lockt ihn der Softwareriese Microsoft mit dem prestigeträchtigen Posten des Deutschland-Chefs. Konzernlenker Steve Ballmer ist so angetan von dem geselligen Rheinländer, dass er Berg nach drei Jahren in die Zentrale nach Redmond im US-Staat Washington holt. Berg ist einer der Geburtshelfer des Windows Phone, mit dem Microsoft den weit enteilten Konkurrenten Apple und Google im Smartphone-Geschäft Paroli bieten will. Er steuert den Vertrieb über die großen Mobilfunkkonzerne und jettet rund um den Globus.

Als der Dauerstress erste Spuren zeigt, flattert das Angebot aus Gütersloh herein. Nach Hardware, Telekommunikation und Software jetzt in die längst nicht so schillernden IT-Services einzutauchen – das verkauft Berg als logischen Karriereschritt. Der nächste wäre, an die Spitze eines großes Konzerns zu rücken. Mit 50 wäre die Zeit dafür langsam reif.

Lesen Sie ein Interview auf den folgenden Seiten ein Interview mit Achim Berg.

"1000 Seiten-Wälzer haben keine Zukunft"

WirtschaftsWoche: Herr Berg, Sie gelten als Vorzeige-Digitaler unter Deutschlands Managern und Unternehmenslenkern. Zeigen Sie uns mal, wie viele Geräte Sie gerade dabei haben?

Achim Berg: Klar, gerne. Meistens sind es fünf: Haupt-Handy, Reserve-Handy, iPod, Notebook und eine Uhr mit einer SIM-Karte, auf die ich interessante Android- Apps herunterladen kann. Zum Beispiel die App Runtastic, die via GPS meine Trainingsläufe dokumentiert. Ich habe ein Interesse daran, zu verstehen, was in Sachen Technik gerade kommt und welche Trends sich entwickeln. Dazu muss ich auch Dinge wie Nikes Fuelband oder eben diese Uhr selbst ausprobieren, um zu verstehen, wo die digitale Transformation hingeht.

Wie hat es Sie als digitalen Transformator dann zu Arvato verschlagen, einem Moloch, den viele nur als analogen Drucker und Vertriebsriesen kennen?

Arvato kommt aus dem Buchversand und Druck. Aber heute ist Arvato etwas ganz anderes, wir sind einer der führenden Technologie-Dienstleister der Welt. Wir machen alles, von Druck und Logistik über Callcenter und Web-Shop bis zum Betrieb von Rechenzentren und Finanzdienstleistungen. Durch die Digitalisierung steckt in diesem Sektor viel mehr Dynamik als in Märkten wie Telekommunikation oder Software, in denen ich vorher tätig war.

Zur Person

Was ist an Dienstleistung digital?

Alles – der komplette Sektor ist massiv IT- und technologiegetrieben. Nur ein Beispiel: Früher haben wir Benutzerhandbücher für unsere Kunden aus der Autobranche konzipiert, zusammengestellt und gedruckt. Heute entwickeln und produzieren wir gleichzeitig die entsprechende App für die Autokäufer. Oder nehmen Sie die Logistik: Die entwickeln wir seit geraumer Zeit in Richtung E-Commerce weiter und sind seit der Übernahme von Netrada 2013 Europas größter Betreiber von Web-Shops für die Mode- und Lifestylebranche.

Es klingt trotzdem nach Old School, wenn Sie als Digital-Prediger in Gütersloh feierlich eine neue 20 Millionen Euro teure Offset-Druckmaschine in Betrieb setzen.

Das ist immerhin die modernste der Welt. Die druckt nicht nur blitzschnell Kataloge, sie kann auch Flyer drucken, Beileger, auf die der Einzelhandel sehr stark setzt. Wenn wir schon die größte und modernste Offset-Druckerei Europas haben, müssen wir immer wieder investieren, um den Vorsprung zu halten. Maschinen wie diese bringen uns Kostenvorteile und helfen uns, neue große Aufträge anzunehmen...

...wie etwa den prestigeträchtigen Druckauftrag des „Spiegels“, der Arvato angeblich 24 Millionen Euro Umsatz im Jahr beschert. Aber steckt denn etwa im Katalogdruck noch Wachstum, wenn der E-Commerce so stark boomt?

1000-Seiten-Wälzer haben keine Zukunft. Stattdessen entwickelt sich aber gerade eine Mischung aus Magazin und Katalog sehr gut. Wir haben festgestellt, dass selbst Online-Verkäufe erst dann richtig abgehen, wenn ein Offline-Katalog danebenliegt.

Irritiert Sie das nicht?

Nein, für viele Käufer ist es offenbar spannend, einen Katalog durchzublättern und Dinge gedruckt vor sich zu sehen. Das gilt für alle Altersstufen. Nehmen Sie den Versender Zalando – warum lassen die wohl einen Katalog drucken? Es geht um das Erlebnis, sich hinzusetzen und zu schmökern. Deshalb wird sich der gedruckte Katalog noch lange halten. Aber gleichzeitig müssen wir in allen Bereichen vorausahnen, was kommt. Nehmen Sie das Thema 3-D-Druck, es ist vielleicht noch etwas früh, aber wir müssen uns damit beschäftigen.

Warum?

Es wird nicht mehr lange dauern, dann kommen viele Ersatzteile aus dem Drucker. Das hat auch Folgen für Arvato, denn es stellt die ganze Logistikkette auf den Kopf. Wir müssen uns dann 3-D-Drucker in unsere Lager stellen, weil kleine Losgrößen nicht mehr produziert und gelagert, sondern nach Bedarf ausgedruckt werden. Auf solche Entwicklungen müssen wir sehr flexibel reagieren können.

"Die neue Struktur bringt uns größere Flexibilität"

Haben Sie deshalb Arvato komplett umgebaut und von 23 Einheiten auf nur noch sieben Säulen vereinfacht?

Ja. Die neue Struktur bringt uns größere Flexibilität. Vorher waren viele Teile des Konzerns stark in sich abgeschlossen, und die Zusammenarbeit war sehr kompliziert. Jetzt gibt es eine Geschäftsführung etwa über dem ganzen Bereich Logistik, die das Zusammenspiel koordiniert.

Sie sind der erste Arvato-Chef, der von außen kam. Machte es das leichter, die einzelnen Fürstentümer zur Zusammenarbeit zu bringen?

Das mag sein. Ich habe aber auch intern sehr viel erklärt, und nun merken alle, dass sie profitieren. In der alten Arvato-Logik war jeder für sich selbst verantwortlich, und es gab viele kleine Einheiten, die aber nicht in der Lage waren, gemeinsam große Innovationen zu treiben, die für den ganzen Konzern wichtig sind. Dadurch rutschte Arvato immer mehr in eine Commodity-Falle: Wir haben unseren Kunden viel zu oft schlicht das geliefert, was sie nachgefragt haben, hatten aber zu wenige eigene neue Ideen.

Die sieben Geschäftsfelder von Arvato

Was war die Folge?

Die Marge ging immer weiter herunter. Das sollte durch mehr Umsatz kompensiert werden, was nur teilweise gelang. Deshalb haben wir jetzt größere Einheiten, sieben sogenannte Solution Groups, die Verantwortung für weltweite Lösungen tragen.

Macht sich das in den Zahlen bemerkbar?

Die ersten Zahlen sind sehr ermutigend. Wir wachsen beim Umsatz wie in der Marge. Das gab es bei Arvato längere Zeit nicht. Für eine belastbare Prognose ist es sicherlich noch zu früh, aber ich halte das für nachhaltig. Besonders in der Logistik merkt man den Schwung. Allein schon dadurch, dass Lagerflächen jetzt intelligenter genutzt werden, kann die ganze Organisation mehr atmen. Jetzt kann ich auch mal Pakete aus dem Fashion- oder Lifestyle-Bereich ins angrenzende High-Tech-Lager packen und von dort aus verschicken.

Neu ist der Bereich Digital Marketing – eröffnet Arvato eigene Werbeagenturen?

Nein, die Idee ist eine andere: Es dürfte in Deutschland kaum ein anderes Unternehmen geben, das über ähnlich viele Konsumenten- und Marketingdaten verfügt wie Arvato. Nehmen Sie allein die Versanddaten aus der Logistik, die Finanzdaten über Kunden oder die Informationen aus Kundenbindungsprogrammen wie Webmiles. Wir verschaffen uns gerade einen Überblick, auf welchem Schatz wir da sitzen, wie wir diese Daten verknüpfen können und welche Restriktionen für die Nutzung existieren. Und das machen wir quer durch den ganzen Bertelsmann-Konzern.

Was tun Sie mit den Daten? Verkaufen?

Nein, es geht darum, Daten für unsere Kunden intelligent aufzubereiten und durch weitere Informationen anzureichern. Ein Autohersteller etwa kann viel Reklamegeld sparen, wenn er weiß, wer gerade für seine Werbung empfänglich ist. Mit unseren Verbraucherdaten könnten wir ihm weiterhelfen und etwa ganz simpel aus den häufigeren Bestellungen von Autoprospekten Kaufabsichten ableiten. Als nächsten Schritt wollen wir Unternehmen Mittel und Wege aufzeigen, Konsumenten anzusprechen. Wir können Kunden aber auch mit Daten bei Investitionen beraten – etwa bei der Frage, wo setze ich meinen nächsten Baumarkt hin? In Spanien haben wir für ein Fast-Food-Unternehmen den besten Standort für eine neue Filiale errechnet. Das können wir noch ausbauen. Der ganze Bereich, um den ich mich selber kümmere, steht aber auch jetzt schon für zehn Prozent des Arvato-Umsatzes.

"Es entwickeln sich permanent neue Dinge"

Teilen Sie dieses Wissen direkt mit den Werbeplatzverkäufern Ihrer Bertelsmann-Schwestern RTL oder Gruner+Jahr?

Wie gesagt, wir prüfen gerade Optionen über den ganzen Konzern hinweg. Und dort, wo ein Austausch ökonomisch sinnvoll und datenschutzrechtlich möglich ist, werden wir innovative Geschäftsmodelle aufsetzen.

Macht Bertelsmann jetzt auf Google und wird zur Datenkrake?

Nein. Wir haben in Deutschland ein vernünftiges Datenschutzgesetz, in dem klar geregelt ist, was Unternehmen wie wir nutzen dürfen. Man muss bei der aktuellen Diskussion zwei Dinge sauber auseinanderhalten: Was rund um die NSA-Affäre ans Licht gekommen ist, ist klar illegal. Auf der anderen Seite gibt es die berechtigten Interessen von Unternehmen, legal und mit Einverständnis der Verbraucher gewonnene Daten zu nutzen.

NSA speicherte mehr als 300 Berichte über Merkel
29. März 2014Der US-Geheimdienst NSA hat nach einem Medienbericht in einer Datenbank über 100 Staats- und Regierungschefs offiziell als Spionageziele erfasst, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Allein über Merkel seien mehr als 300 Berichte gespeichert, berichtet „Der Spiegel“ unter Berufung auf ein geheimes NSA-Dokument aus dem Archiv des Informanten Edward Snowden. Das Dokument belege, dass die National Security Agency (NSA) nachrichtendienstliche Erkenntnisse über die Kanzlerin gesammelt habe, und könnte damit ein wichtiges Beweisstück für die Bundesanwaltschaft sein, heißt es weiter. Diese wolle in Kürze entscheiden, ob sie ein Ermittlungsverfahren wegen Spionage einleitet. Die Karlsruher Behörde beschäftigt sich mit zwei Vorwürfen. Einer betrifft das massenhafte Ausspähen der Bürger in Deutschland, der andere den konkreten Punkt, dass ein Mobiltelefon Merkels abgehört worden sein soll. Sollte tatsächlich ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden, erwarten Experten neuen Ärger mit den USA. Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Snowden hatte Tausende Geheimdokumente an Journalisten übergeben und so den NSA-Skandal losgetreten. Das Dokument, das „Der Spiegel“ einsehen konnte, liste allem Anschein nach alphabetisch 122 Staats- und Regierungschefs auf, über die die NSA im Mai 2009 Informationen gesammelt habe, heißt es. Zwölf Namen seien exemplarisch aufgeführt, darunter Merkel. Die Liste beginne bei A wie Abdullah Badawi, dem damals gerade zurückgetretenen malaysischen Ministerpräsidenten. Nummer 122 sei - von der NSA mit Y geschrieben - Julia Timoschenko, 2009 noch ukrainische Premierministerin. Das Magazin berichtet auch über ein weiteres Dokument aus der NSA-Abteilung „Special Sources Operations“, die für den Zugang zu den großen Internettrassen zuständig sei. Daraus gehe hervor, dass das für NSA-Anträge zuständige US-Sondergericht den Geheimdienst am 7. März 2013 autorisiert habe, Deutschland zu überwachen. Welche Daten davon genau betroffen seien, lasse sich anhand des Dokumentes nicht sagen. „Der Spiegel“ beruft sich aber auf die Einschätzung der amerikanischen Bürgerrechtsorganisation Aclu. Diese geht demnach davon aus, dass der NSA damit der Zugriff auf die Kommunikation aller deutschen Staatsbürger erlaubt ist. Quelle: dpa
19. März 2014Die NSA kann einem Zeitungsbericht zufolge sämtliche Telefongespräche eines Landes aufnehmen und 30 Tage lang anhören. Das Programm mit dem Namen Mystic sei im Jahr 2009 gestartet worden und 2011 erstmals gegen einen Staat in vollem Umfang eingesetzt worden, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf Personen, die mit dem System vertraut sind, sowie auf Dokumente des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden. Auf Wunsch der Behörden hält das Blatt demnach Einzelheiten zurück, damit der betroffene Staat und potenzielle weitere Zielländer nicht identifiziert werden können. Ein Verantwortlicher verglich das Programm dem Bericht zufolge mit einer Zeitmaschine, weil jeder Anruf erneut abgespielt werden kann. Auf eine bestimmte Zielperson müsse man sich vorher nicht festlegen. Quelle: dpa
17. Januar 2014Die NSA kann laut einem neuen Zeitungsbericht fast 200 Millionen SMS-Nachrichten pro Tag abgreifen. Das gehe aus einem Dokument aus dem Jahr 2011 hervor, berichtete die britische Zeitung „Guardian“ am Donnerstagabend. Das Programm mit dem Namen „Dishfire“ sammele wahllos „so ziemlich alles, was es kann“, gehe aus Papieren des britischen NSA-Partnerdienstes GCHQ hervor. Die Geheimdienste fischten aus den Kurznachrichten Informationen etwa über Reisepläne, Adressbücher oder Finanz-Transaktionen, hieß es. Außerdem gäben zum Beispiel Benachrichtigungen über entgangene Anrufe Informationen über den Bekanntenkreis eines Nutzers. Jeden Tag sammele die NSA den Unterlagen zufolge mehr als fünf Millionen davon ein. Genauso wiesen 1,6 Millionen registrierte Roaming-Benachrichtigungen auf Grenzübertritte hin. Ebenso seien aus mehr als 76 000 Kurznachrichten Geodaten extrahiert worden. Der Präsentation von 2011 zufolge wurden an einem Beispieltag 194 Millionen SMS-Nachrichten eingesammelt, schrieb die Zeitung. Ein weiteres Dokument gebe einen Eindruck von der Auswertungskapazität des Systems: Die Geheimdienst-Analysten würden darin aufgefordert, nach nicht mehr als 1800 Telefonnummern gleichzeitig zu suchen. Die Dokumente stammten aus dem Fundus des Informanten Edward Snowden und seien 2012 von einer Seite mit Anleitungen zum „Dishfire“-System für GCHQ-Mitarbeiter heruntergeladen worden. Das System sei zu diesem Zeitpunkt im Einsatz gewesen. Quelle: dpa
3. Januar 2014Der US-Geheimdienst NSA will einem US-Medienbericht zufolge einen Supercomputer entwickeln, der in der Lage sein soll, fast alle Verschlüsselungen weltweit zu knacken. Die "Washington Post" berichtete der Computer solle die Sicherheitsbarrieren so gut wie aller Einrichtungen weltweit überwinden können, von Regierungen über Banken bis hin zu geheimen Forschungseinrichtungen und etwa medizinischen Daten von Patienten. Quelle: AP
29. Dezember 2013Der US-Geheimdienst NSA hat nach Informationen des „Spiegel“ zahlreiche kommerzielle IT-Produkte geknackt und Schwachstellen für Spionagezwecke ausgenutzt. Darunter seien auch Produkte großer amerikanischer Firmen wie Microsoft,Cisco oder Dell, außerdem solche der chinesischen Firma Huawei, berichtet das Nachrichtenmagazin in seiner neuen Ausgabe. Das gehe aus Dokumenten des Informanten Edward Snowden hervor, die der „Spiegel“ ausgewertet habe. Die Unterlagen legten nahe, dass dies ohne das Wissen oder die Unterstützung der betroffenen Unternehmen passiert sei. Über das weltweit kritisierte NSA-Spähprogramm NSA streitet die US-Justiz. Quelle: dpa
21. Dezember 2013Der US-Geheimdienst NSA hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zehn Millionen Dollar an die Internetsicherheitsfirma RSA gezahlt, damit ein von ihm entwickeltes Verschlüsselungssystem als Kern der RSA-Sicherheitssoftware Bsafe genutzt wird. Die RSA hatte bereits im September nach den Enthüllungen über Spähaktionen der NSA eine Warnung zu ihrer Software Bsafe veröffentlicht. Darin sei ein Werkzeug zur Generierung von Zufallszahlen enthalten, die auf einer von der NSA mitentwickelten schwachen Formel basiere, erklärte das Unternehmen. Möglicherweise hat sich die NSA mit dem von ihr entwickelten Zufallsgenerator eine Hintertür geschaffen, um verschlüsselte Verbindungen ausspähen zu können. Quelle: dpa
15. Dezember 2013Die NSA kann nach neuen Enthüllungen massenhaft Handy-Gespräche abhören. Dabei nutze der US-Geheimdienst aus, dass die rund 30 Jahre alte Verschlüsselung des Mobilfunk-Standards GSM geknackt sei, schrieb die „Washington Post“ unter Berufung auf Unterlagen des Informanten Edward Snowden. Mit dieser Fähigkeit dürften auch die Gespräche von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört worden sein. Quelle: dpa

Dennoch bereitet es vielen Menschen Unbehagen, nicht zu wissen, wie Unternehmen ihre Daten nutzen und verknüpfen.

Der Europäische Gerichtshof hat gerade mit seinem Urteil zur Datenlöschung bestätigt, dass sich jedes Unternehmen an die bestehenden Gesetze halten muss. Darüber hinaus muss aber auch jeder Verbraucher lernen, welche Daten er preisgeben möchte und welche nicht. Jeder muss sich im Klaren darüber sein, dass sich der Suchmaschinenbetreiber das merkt, wenn ich dort etwas suche.

Kritiker fordern, die Politik müsse die Macht von Google etwa mithilfe des Kartellrechts brechen. Nun ist Google einer Ihrer wichtigsten Kunden, für den Sie die Werbegelder eintreiben. Was halten Sie von den Forderungen?

In Arbeit
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Natürlich gibt es sehr starke Player im Digital-Markt, aber wir haben auch gesehen, wie schnell sich in der Online-Welt die Verhältnisse ändern. Google ist ein Konzern, der sehr viel sehr gut und richtig macht. Dennoch kann es sein, dass es in zwei Jahren ganz andere Arten gibt, im Internet etwas zu suchen. Es entwickeln sich permanent neue Dinge, an die wir heute noch gar nicht denken. Wer hätte vor drei Jahren vorhersagen können, dass Airbnb die klassische Hotelreservierung angreift? Konnte man sich vorstellen, dass die heute in New York mehr verfügbare Zimmer haben als alle Hotels zusammen?

Also muss die Politik bei Google bloß abwarten, und der Markt regelt den Rest?

Ich bin Unternehmer, kein Politiker. Solange sich ein Unternehmen gesetzeskonform verhält, sehe ich keinen Grund, steuernd einzugreifen.

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