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Aufruf zum Schokoladen-Boykott Schwule und Lesben wettern gegen Schweizer Chocolatier Läderach

Familie Läderach. Quelle: Presse

Buttersäure-Anschläge und Boykottaufrufe: Ein Streit zwischen dem Schweizer Traditions-Chocolatier Läderach und der LGBTQ-Gemeinde spitzt sich wegen homophober Äußerungen zu. Jetzt schwappt der Konflikt auch nach Deutschland.

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Zwei Männer treten aus einer Filiale des Chocolatiers Läderach im Kanton Zug, schauen einander an, küssen sich. Die romantische Szene, die ein Schweizer TV-Sender im Dezember ausstrahlte, ist keine Werbung für den Schokoladen-Hersteller – sondern Teil einer Demonstration. Rechts und links des Pärchens tragen Demonstranten Plakate mit der Aufschrift „Liebe ist ein Menschenrecht“, ein Unterstützer schwenkt die Regenbogenflagge.

Die Aktion ist eine von vielen, mit denen Demonstranten das Familienunternehmen Läderach bereits seit vergangenem Herbst kritisieren. Der Grund für den Streit zwischen dem Chocolatiers-Betrieb und der LGBTQ-Gemeinschaft: Lesben- und Schwulenverbände werfen der Unternehmensführung unter Johannes Läderach Homophobie und Frauenfeindlichkeit vor. Sie rufen in der Schweiz zum Boykott der Edel-Schokolade auf.

15 Filialen betreibt Läderach derzeit auch in Deutschland, in naher Zukunft sollen es noch mehr werden. Nun kritisiert auch der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) das Unternehmen. Für das Familienunternehmen, das gerade international expandiert, kommt das ungelegen. Doch was steckt hinter den Vorwürfen?

Jene Veranstaltung, die den Konflikt ins Rollen brachte, liegt schon einige Monate zurück: Bereits im September beteiligte sich die Familie Läderach an der Organisation des „Marsch fürs Läbe“, der in Zürich stattfand. Der Marsch ist eine Veranstaltung von Abtreibungsgegnern, organisiert von 14 Trägerorganisationen. Viele Kritiker sehen darin den Versuch, Frauen das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper abzusprechen.

Im Vorstand einer der Trägerorganisationen, „Christianity for today“ (Cft) sitzt nicht nur der 33-jährige Läderach-Geschäftsführer Johannes Läderach, sondern auch sein Vater Jürg Läderach. Er ist zugleich Inhaber der Läderach AG und zudem Präsident der Handelskammer Deutschland Schweiz. Der Verein Cft hat klare Vorstellungen von Partnerschaft: „Wir glauben, dass die Familie – ein Mann und eine Frau, verheiratet, und deren Kinder – die Grundlage einer intakten Gesellschaft bildet, wenn zwischen ihnen eine Beziehung nach den Ratschlägen der Bibel besteht“, heißt es auf der Website.

Die Sorge der Kritiker: Der Einkauf beim Unternehmen Läderach finanziere indirekt die Organisation „Christianity for today“ – und so auch den Marsch. Deshalb riefen Aktivisten bereits im September zum Boykott der Läderach-Schokolade auf. Das Onlinemagazin bern*lgbt etwa betitelte einen Beitrag über den Boykott mit „Kauft nicht bei...“; das Network Gay Leadership Schweiz propagierte: „Nicht unsere Lieblingsschokolade“.

Dabei gehen die Eklats, die die Stimmung gegen Läderach aufheizten, noch weiter zurück: Bereits 2017 stellte sich Geschäftsführer Johannes Läderach hinter den SVP-Politiker Daniel Regli, als dieser sagte, dass homosexuelle Männer, die häufig den Partner wechseln, sich das Leben nehmen würden, wenn der Schließmuskel „nicht mehr hält, was er verspricht.“ Während öffentlich über den Ausschluss Reglis wegen der homophoben Äußerung diskutiert wurde, stellte sich Läderach unterstützend vor Regli.

Seither halten die Proteste an: Nachdem Aktivisten im Oktober Buttersäure-Anschläge auf Läderach-Filialen verübten und sich Demonstranten im Dezember vor der Zuger Filiale zum Prostest-Küssen positionierten, bezog Johannes Läderach am vergangenen Wochenende in einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ). Darin beruft er sich auf die Meinungsfreiheit. Auf die Frage des Blatts, ob er homophob und frauenfeindlich sei, antwortet Läderach der NZZ: „Ich weise beide Vorwürfe zurück. Niemand bei Läderach ist homophob, weder im Management noch in der Belegschaft.“ Zudem beschäftige er auch homosexuelle Angestellte.

Auf Anfrage der WirtschaftsWoche möchte sich Läderach nicht äußern. Eine Sprecherin des Unternehmens erklärt lediglich, das Unternehmen stehe in Deutschland für dieselben Werte wie in der Schweiz: „Das Unternehmen ist auf keinen Fall homophob und frauenverachtend. Das gilt genauso auch für die Familie.“ Und: „Wir respektieren uns gegenseitig und sind tolerant.“ Ländergrenzen seien für das Unternehmen nicht existent, so die Sprecherin.

Beim Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) zeigt man sich solidarisch mit den Schweizer Protestierenden. „Dass Aktivisten und Verbände in der Schweiz zum Boykott aufrufen, ist verständlich und nachvollziehbar“, erklärt ein Sprecher des Verbands. Dabei sollte sich die Kritik aber nicht gegen Mitarbeiter – wie etwa bei Buttersäure-Anschlägen –, sondern an die Führungsebene richten. Es sei richtig und gut, „dass man darauf aufmerksam macht, dass die Inhaber zum Teil homosexuellenfeindliche Einstellungen fördern und damit auch Homosexuellenfeindlichkeit unterstützen.“

Auch LSVD-Bundesvorstand Helmut Metzner betont: „Äußerungen können dem Chocolatier das Geschäft verhageln. Die Motive seiner Ablehnung der Ehe für alle dürfen seine Privatmeinung bleiben, solange er die Ablehnung für sich behält. Macht er sie öffentlich, muss er sich dafür auch kritisieren lassen.“

Ebensolche Äußerungen könnten womöglich auch das Geschäft in Deutschland treffen. „Eine Möglichkeit des Protests wäre es zum Beispiel, wenn sich Hotels oder Restaurants dazu entscheiden würden, die Produkte der Firma Läderach aus dem Sortiment zu nehmen und den Grund klar zu kennzeichnen“, so der Sprecher des LSVD.

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