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Aufsichtsratsitzung der Deutschen Bahn Die unbestimmte Zukunft der Bahncard

Die Deutsche Bahn will die Bahncard reformieren. Vor allem die 50-Prozent-Variante der Rabattkarte für Vielfahrer ist dem Konzern ein Dorn im Auge.

Quelle: dpa

In der Dezemberausgabe der Mitarbeiterzeitung „DB Welt“ überrascht Rüdiger Grube die Belegschaft gleich auf der Titelseite mit einer ganz besonderen Botschaft: „Wir stehen vor dem größten Umbruch seit der Bahnreform“, schreibt der Konzernchef. Auf der Folgeseite ruft Grube dann die digitale Revolution für sein Unternehmen aus und warnt: „Einstige Marktführer geraten ins Taumeln, junge Start-ups schießen in die Höhe.“

Wo öffentlicher Nahverkehr am teuersten ist
Platz 10: San Francisco und Chicago Wer in der berühmten Cable Car von San Francisco (Foto) oder in der Hochbahn von Chicago unterwegs ist, muss zwei US-Dollar für das günstigste Ticket bezahlen. Das macht den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) dieser beiden Städte zum zehntteuersten der Welt, hat die Deutsche Bank ausgerechnet. Dafür hat sie die Preise des jeweils günstigsten Nahverkehr-Tarifs in Städten weltweit in US-Dollar umgerechnet und verglichen. Um einzuordnen, wie teuer oder günstig die Preise sind, hat die Deutsche Bank New York als Bezugspunkt gewählt: Die Preise in Chicago und San Francisco sind beispielsweise 20 Prozent günstiger als im Big Apple. Quelle: dpa
Platz 9: Berlin und ParisBerlin teilt sich den neunten Platz mit Paris. In beiden Städten kostet der günstigste ÖPNV-Tarif umgerechnet 2,06 US-Dollar. Das sind gerade mal 82 Prozent des New Yorker Preises. Quelle: dpa
Platz 8: SydneyWer im australischen Sydney im öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, zahlt 2,14 US-Dollar für das günstigste Ticket – und damit 15 Prozent weniger als in New York. Quelle: AP
Platz 7: Edinburgh und OttawaDen siebten Platz teilen sich wieder zwei Städte: Im schottischen Edinburgh und im kanadischen Ottawa (Foto) kosten die günstigsten ÖPNV-Tickets jeweils umgerechnet 2,48 US-Dollar. Das ist ein Prozent weniger als in New York. Quelle: AP
Platz 6: New YorkWer einmal in New York ist, muss in den Central Park, ins Empire State Buildung – und eine U-Bahn-Fahrt mitmachen. Ein Ticket des günstigsten Tarifs kostet 2,50 US-Dollar, was die Deutsche Bank als Bezugspunkt für alle anderen weltweiten Preise genommen hat. Quelle: REUTERS
Platz 5: TorontoIn der größten Stadt Kanadas kostet ein ÖPNV-Ticket des kleinsten Tarifs umgerechnet 2,73 US-Dollar. Damit zahlen Menschen in Toronto neun Prozent mehr als in New York. Quelle: dpa
Platz 4: FrankfurtAuch Deutschlands Bankenmetropole hat es ins Ranking geschafft: Wer mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof zum Hauptsitz der Deutschen Bank fahren möchte, muss umgerechnet 2,88 US-Dollar zahlen. Das sind 15 Prozent mehr als der niedrigste Tarif in New York und platziert Frankfurt im weltweiten Vergleich auf Platz 4. Quelle: dpa

Damit meint Grube auch die Bahn. Der Fernverkehr steht unter enormen Wettbewerbsdruck, seitdem die Fernbusse der Bahn Marktanteile abjagen. In diesem Jahr prognostiziert der Konzern ein Umsatzminus von 120 Millionen Euro. Im kommenden Jahr dürfte der Umsatz doppelt so stark zurückgehen. Die Fernbusse haben nicht nur Erfolg, weil sie preiswerter fahren, sondern auch, weil sie die digitalen Möglichkeiten voll ausschöpfen: buchen per Mausklick, kostenlos surfen an Bord, Filme anschauen im eigenen Multimediabereich. Die Bahn guckt da hinterher.

Debatte um die Bahncard

Nun will der Bahn-Konzern reagieren. Auf der Aufsichtsratssitzung der Sparte Fernverkehr ging es am Mittwoch daher vor allem um die Zukunft des Personenverkehrs. Das Management muss den Negativtrend bei den Passagierzahlen stoppen, die Auslastung der Züge erhöhen und die Einnahmen stabilisieren.

In der Mitte der Debatte steht auch die Bahncard. Rund fünf Millionen Vielfahrer nutzen die Plastikkarte, die einen Rabatt von 25 oder 50 Prozent auf den Normalpreis garantiert. Darunter besitzen rund 40.000 Nutzer eine Bahncard100, die sie als Flatrate für unbegrenztes Bahnfahren nutzen. Eine Abschaffung der Bahncard sei zwar nicht geplant, heißt es bei der Bahn, die eine entsprechende Meldung des Hessischen Rundfunks vergangene Woche zurückwies. Doch Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg gab anschließend zu, dass er plane, ergänzende Angebote zu machen.

Wie die ausschauen, ist noch unklar. Allerdings gilt vor allem die Bahncard50 dem Management ein Dorn im Auge. Mit ihr erhalten Nutzer, die einmalig 255 Euro zahlen, ein Jahr lang 50 Prozent Rabatt auf den Normalpreis in der zweiten Klasse. Das Problem: Die Reisenden steigen in den Zug, wann immer sie wollen. Der Bahn entgeht damit die Möglichkeit, die Auslastung der Züge auszusteuern. Vor allem am Freitagnachmittag sind die Züge voll.

Für die Bahn ist das ein Ärgernis. Die Bahn könnte Sitzplätze und Tickets etwa für den Freitagnachmittag oder vor Feiertagen deutlich teurer verkaufen – und den Umsatz nach oben treiben. „Die Bahncard50 tut der Bahn richtig weh“, sagt ein Insider des Konzerns. Weniger Sorgen machen die anderen beiden Varianten: Weil die Bahncard25 mit Sparpreisen kombiniert werden kann, lässt sich das Nutzerverhalten bei dieser Karte über die Sparpreise deutlich besser aussteuern. Und die Bahncard100 ist mit mehr als 4000 Euro pro Jahr so teuer, dass sie nur wenige Vielfahrer nutzen.

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