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Augenoptiker Blindflug mit Brille

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Der große Preiskampf hat begonnen

Optiker Quelle: dpa/dpaweb

Wie unlauter das Geschäft mit der Sehschwäche teilweise läuft, zeigte sich im vergangenen Jahr. Da mussten fünf Glashersteller – Rodenstock, Essilor, Zeiss, Rupp+Hubrach und Hoya Lens – wegen unerlaubter Kartellabsprachen 115 Millionen Euro Strafe zahlen. Bis dahin hatten sich die Unternehmen – die zusammen auf einen Marktanteil von 90 Prozent kommen – bei ihren Preisen abgesprochen.

Vor diesem Hintergrund sorgen sich vor allem die kleinen traditionellen Meisterbetriebe um ihre Zukunft. „In zehn Jahren wird es das Handwerk so nicht mehr geben“, sagt Kai Rosinsky, seit 1992 Optikermeister in Rodgau nahe Frankfurt. „Schon jetzt lassen sich Nachfolger schwer finden, es gibt zu wenig Gesellen, Auszubildende interessieren sich für andere Berufe.“ Als einen Ausweg sieht der Düsseldorfer Innungsobermeister der Optiker, Michael Hauck, „durch Qualität, Einkaufsgemeinschaften und Kundenbindung“ gegen die neuen Wettbewerber zu punkten. Für Rosinsky liegt die Zukunft seiner Handwerkskollegen in der Nische, im Service und in der Verschränkung des stationären Geschäfts mit dem Internet. So ließen sich auch die Werkstätten optimal nutzen.

Alles-inklusive-Brillen

Das wird nicht einfach. Denn Angreifer wie René Krass, der Chef der gleichnamigen Kette, erweisen sich als sehr kreativ. Der Münchner Optiker mit bundesweit 50 Filialen will den Markt mit Alles-inklusive-Preisen aufrollen. Krass rechnet so: „Dank unserer Fixpreise bauen wir Stammkundschaft auf, und die kauft wegen des günstigen Preises mehr als eine Brille alle drei Jahre bei uns.“ Über die anschließende Zweit- und Drittbrille rechne sich für Krass Optik auch eine teure Spezialanpassung zum günstigeren Festpreis.

„Ich habe mir das Konzept von Zara und anderen Modeketten angeschaut“, sagt Krass. Ständiger Kollektionswechsel bei überschaubarer Auswahl, aber das in kleineren Läden, die wenig Miete kosten und kaum Personal benötigen. Dazu Festpreise von 149 Euro für einfachere bis 379 Euro für die komplizierteste Gleitsichtbrille.

Online-Anbieter drängen auf den Brillenmarkt

Zum großen Preiskampf blasen hingegen die Optiker im Internet. So wie das Online-Portal Zalando den vermeintlich unmöglichen Verkauf von Schuhen ohne Anprobe salonfähig machte, legen jetzt Ketten wie Mister Spex oder Netzoptiker erfolgreich nach. Selbst Gleitsichtbrillen werden online angeboten und geordert. Dabei bedient sich mancher Onliner kleiner Tricks. Per Gericht ließ der Zentralverband der Augenoptiker 2010 einem Online-Händler die Werbung „in erstklassiger Optiker-Qualität“ verbieten, der Beklagte hatte Asien-Importe ins Netz gestellt.

Die Geschäftsmodelle, mit denen die Internet-Optiker ihre stationären Konkurrenten bedrängen, sind unterschiedlich. Beispiel Mister Spex. Seit 2007 leitet Dirk Graber das Unternehmen, finanziert von Risikokapitalgebern. Mister Spex ist ein Online-Portal mit Infos über eine große Zahl von Brillen und Marken. Die Kunden können sich kostenlos bis zu vier Modelle zur Ansicht bestellen. Partneroptiker in einzelnen Städten – noch sind es wenige – übernehmen die Augenvermessung und Brillenanpassung in ihren Geschäften und werden am Umsatz beteiligt. Der Laden läuft: Elf Millionen Euro Umsatz machte er 2010. „Unser Umsatz soll in den dreistelligen Millionenbereich wachsen“, plant Graber.

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