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Augenoptiker Blindflug mit Brille

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Zweifelhafte Schnäppchen

Optiker Quelle: dpa/dpaweb

„Weil jetzt die geburtenstarken Jahrgänge der 40- und 50-Jährigen reif für Lese- oder Arbeitsplatzbrillen und viele auch für Gleitsichtgläser werden, ist uns die wachsende Nachfrage sicher“, freut sich Dirk Meier, Chef des Online-Anbieters Netzoptiker, „und Seehilfen sind unverzichtbar.“ Bei rund 62 Prozent der Deutschen hapert es schon jetzt am Augenlicht, je älter die Bevölkerung wird, desto mehr. 2,5 bis 3,0 Prozent Umsatzwachstum pro Jahr erwartet die Branche. Doch die Mittel, mit denen die Anbieter untereinander rangeln, sorgen nicht nur für Freude bei den Konsumenten. Vor allem die großen Ketten preisen gern ihre hochwertigen Gestelle und Brillengläser an. Ob sie das sind, erfährt der Kunde erst nach dem Kauf. Was in Regalen und Schaufenstern als Top-Qualität daherkommt, kann in Wirklichkeit ein Auslaufmodell sein, das ein Hersteller für 99 Cent das Stück verramscht hat. Teure Designer-Brillengestelle entpuppen sich nicht selten als Billigware aus Asien für 3,50 Euro im Einkauf – Haltbarkeit ungewiss.

Pfusch und Täuschung

Zusätzlichen Gewinn machen viele Optiker, indem sie nicht nur Gläser, sondern auch Brillengestelle bescheidener Qualität einkaufen und teuer an die fehlsichtige Kundschaft bringen.

Denn auch bei Fassungen vagabundieren technisch veraltete Angebote, Massenwaren, Restposten und zu viel produzierte Teile im Markt: häufig billig in Asien gefertigt, denn dort sind nicht nur die Löhne, sondern auch die Umweltauflagen niedrig.

Zum großen Rätselraten für die Kunden, worauf sie sich einlassen, kann der Kauf einer Gleitsichtbrille werden: Mal kostet das gleiche, angeblich hoch qualitative Glas 50 Euro pro Stück, mal 500 Euro und mehr. Ein Düsseldorfer Augenarzt nennt die Preispolitik mancher Optiker „skrupellos“ und die Qualität mancher Gläser „indiskutabel“. Kleine wie große Optiker bestätigten dies gegenüber der WirtschaftsWoche, wollen aber anonym bleiben.

Der Kunde muss teuer bezahlen

Angebote wie das vom Online-Anbieter Brille24 , nämlich „jede Brille für 39,90 Euro“, betrachten Marktbeobachter mit Skepsis. Komplette Gleitsichtbrillen für „99 Euro statt 478 Euro“ sind bei Augenärzten nicht viel besser beleumundet. Immerhin vereint solch ein Glas für Nah- und Fernsicht unterschiedliche Stärken, mehrere Sichtfelder plus Oberflächenschutz. Es gibt sie vorgefertigt, aber auch maßgeschneidert als High-Tech-Version.

Den Gewinn machen die Optiker dank der großen Spannen zwischen Einkaufs- und Verkaufspreisen. So wird ein Paar Gläser zum Einkaufspreis von vier Euro dem Kunden schon Mal für 80 Euro in Rechnung gestellt.

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