Aus für Niki Gespräche über Notverkauf sollen beginnen

Ein Passagierflugzeug des Unternehmens Niki Quelle: dpa

Die österreichische Ferienfluglinie Niki fliegt nicht mehr. Auf der Agenda stehen nun Gespräche über Notverkäufe und die Organisation von Rückflügen von 10.000 Passagieren.

Die Zeit drängt Lucas Flöther, Insolvenzverwalter der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki: "Wir haben noch ein paar Tage Zeit, ehe Niki die Start- und Landerechte verlieren würde", sagte ein Sprecher Flöthers.

Niki hatte am Mittwoch den Flugbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt ("Grounding"). Flöther hofft auf ein Umdenken bei der British-Airways-Mutter IAG oder dem Reiseveranstalter Thomas Cook, die bereits einen Blick in die Bücher von Niki geworfen hatten. Bei einem reinen Verkauf des Geschäftsbetriebs, wie er ihn plant, seien die Risiken für den neuen Eigentümer geringer. Auch Firmengründer Niki Lauda hatte erneut Interesse signalisiert.

Die Air-Berlin-Tochter hatte am Mittwoch beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenzantrag gestellt, nachdem die Lufthansa wegen des Widerstands der EU-Kommission ihr Angebot zurückgezogen hatte. Der Antrag sei in Deutschland gestellt worden, weil Niki von Berlin aus gesteuert werde, erklärte der Sprecher.

„IAG teilte Air Berlin schriftlich mit, dass sie kein Kaufinteresse mehr an der Niki hat,“ sagte der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus. Auch von Thomas Cook sei kein passendes Angebot unterbreitet worden. „Die Kommission wusste also, dass es gar keine Alternative zum Verkauf der Niki an die Lufthansa gab“, sagte Kebekus. Er warf der Kommission vor, sie erreiche mit dem „unkontrollierten Zusammenbruch“ der Airline „das genaue Gegenteil dessen, was sie beabsichtigt“.

Der Insolvenzverwalter, der auch Air Berlin abwickelt, ist am Donnerstag zunächst bei Niki in Wien. Allein dort stehen 790 Mitarbeiter vor dem Aus, insgesamt beschäftigt Niki 1000.

Nach dem Aus der Ferienfluglinie Niki richten sich die Bemühungen auch darauf, die Fluggäste der Airline nach Hause zu bringen. In den kommenden zwei Wochen müssen Plätze für bis zu 10 000 Passagiere organisiert werden, die derzeit im Ausland unterwegs sind. Die österreichische Regierung kündigte staatliche Hilfe an.

Die Regierung in Wien wolle die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines notfalls mit Charterflügen beauftragen, sagte ein Sprecher von Verkehrsminister Jörg Leichtfried der Tageszeitung „Die Presse“. „Mehrere Fluggesellschaften“ bereiteten derzeit einen Ersatz-Flugplan „auf Standby-Basis gegen ein geringes Entgelt aus dem Ausland nach Deutschland, Österreich und die Schweiz“ vor, teilte Niki mit. Der „Presse“ zufolge sind rund 800 000 bereits verkaufte Tickets nun wertlos.

Niki wie auch der Mutterkonzern Air Berlin kritisierten die EU-Kommission. „Auslöser für den heute erfolgten Schritt ist das Nein der Europäischen Kommission zum Verkauf der Niki an die Lufthansa-Gruppe wegen angeblicher Einschränkungen des Wettbewerbs“, betonte das österreichische Unternehmen in einer Mitteilung. Der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus, sagte: „Die Position der Europäischen Kommission ist nicht nachvollziehbar.“

Die Chronik von Air Berlin

Kebekus betonte, dass eine vollständige Rückzahlung des KfW-Kredits in Höhe von 150 Millionen Euro „unwahrscheinlicher geworden“ sei. Ähnlich hatte sich zuvor in Berlin auch der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert geäußert.

Die Lufthansa hatte als Grund für den Rückzug angegeben, dass eine schnelle Freigabe des Erwerbs durch die EU-Kommission nicht zu erwarten sei. Der im Oktober geschlossene Kaufvertrag könne nicht vollzogen werden. Air Berlin ist seit August insolvent und hat den eigenen Flugbetrieb Ende Oktober eingestellt.

Air-Berlin-Tochter: Rettet Niki Lauda die Pleite-Airline?

„Die Flüge der Niki werden mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Weitere Flüge der Niki sind nicht mehr buchbar. Der Flugplan der Niki verliert seine Gültigkeit“, teilte die Airline weiter mit.

Die EU-Wettbewerbshüter bedauerten die neue Unsicherheit um Niki. „Zumal dies nicht das einzig mögliche Resultat seit Beginn des Verkaufsprozesses war“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. Es sei von Beginn an klar gewesen, dass es auf vielen Strecken zwischen Lufthansa und Air Berlin Überschneidungen gegeben habe, mit Risiken für Verbraucher in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Aufgabe der EU-Kommission ist es, ihr präsentierte Transaktionen zu beurteilen. Wir müssen sicherstellen, dass Konsumenten durch Zusammenschlüsse nicht schlechter gestellt werden.“

Am Erwerb der anderen Air-Berlin-Tochter LG Walter will die Lufthansa hingegen festhalten. Dieser Kauf steht ebenfalls noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmung der EU-Kommission. Die Prüffrist läuft bis 21. Dezember. Für Niki und LG Walter hatte die Lufthansa 210 Millionen Euro geboten.

Air-Berlin-Sachwalter Flöther prüft nach Informationen von „B.Z.“ und „Bild“-Zeitung, den ehemaligen Großaktionär Etihad für die Pleite haftbar zu machen. Die arabische Fluglinie habe Air Berlin Ende April schriftlich versichert, sie wolle sicherstellen, dass die Airline ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen kann. Dennoch hatte Etihad Mitte August die versprochenen Zahlungen eingestellt - daraufhin stellte Air Berlin einen Insolvenzantrag.

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