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Ausgesperrt So schützen Sie sich vor unseriösen Schlüsseldiensten

Wer an einen unseriösen Schlüsseldienst gerät, muss mit einer viel zu hohen Rechnung rechnen. Quelle: Fotolia

Wenn der Schlüsseldienst kommen muss, kann es teuer werden. Immer wieder klagen Kunden über Wucherpreise. Eine besonders kriminelle Bande, „Schlüsseldienst-Mafia“ genannt, wurde nun verurteilt. Doch wie schützen sich Kunden vor unseriösen Anbietern?

„Als ich den Preis sah, war ich geschockt“, berichtete eine Frau aus Gifhorn vor dem Klever Landgericht über ihre Schlüsseldienst-Erfahrung. 1090 Euro sollte sie dafür bezahlen, dass ein Monteur der „Deutschen Schlüsseldienst-Zentrale (DSZ)“ ihre Tür öffnet. „Wir wollten eine Firma aus Gifhorn, weil wir bereits von Betrug bei Schlüsseldiensten gehört hatten.“ Dass sie aber statt bei einem örtlichen Dienstleister in der Zentrale einer deutschlandweit agierenden Firma landete, war ihr nicht bewusst. Eine andere Zeugin – ebenfalls Opfer der DSZ – berichtete, sie habe den Schlüsselnotdienst wegen eines Türdefekts gerufen. Die Rechnung für die Türöffnung sei letztlich vier Mal so hoch gewesen wie ursprünglich am Telefon besprochen. Statt 300 Euro sollte die Frau 1200 Euro zahlen. Als sie sich beschwerte, ging der Monteur auf 1090 Euro herunter. Mehr aber nicht.

Wegen dieser und über tausend ähnlicher Fälle standen seit Januar ein 58-Jähriger und sein 39 Jahre alter Komplize in Kleve vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft warf den beiden Betrug und Wucher in über 1000 Fällen vor. Nun fiel das Urteil: Die Richter verurteilten die beiden Geschäftsführer der „Deutschen Schlüsseldienstzentrale“ zu mehreren Jahren Haft, beide wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, Steuerhinterziehung und Vorenthaltens von Arbeitsentgelt. Den 58-jährige Drahtzieher, der wegen der Betrugsmasche schon einmal Jahre im Gefängnis gesessen hatte, wurde zu sechseinhalb Jahren verurteilt, sein Komplize zu drei Jahren und neun Monaten. Die Anwälte beider Angeklagten hatten Freispruch gefordert. Revision ist möglich.

Unter dem Namen „Deutsche Schlüsseldienst-Zentrale (DSZ)“ hatten die Komplizen deutschlandweit für ihren Schlüsseldienst-Service von angeblich ortsansässigen Betrieben. Örtliche Vorwahlen sollten diesen Schein waren. Dabei landeten die Kunden in einer Zentrale in Geldern, die regionale Monteure schickte. Die öffneten für teils horrende Summen Türen in ganz Deutschland. Durch unnötige Arbeiten und Beschädigungen lagen die Preise für die Türöffnungen deutlich höher als gerechtfertigt. So ergaunerten sich Monteure und die beiden Geschäftsführer wohl hunderttausende Euro über fast zehn Jahre.

Die sogenannte „Schlüsseldienst-Mafia“ ist ein besonders schwerwiegender Fall von Betrügereien rund um die Türnotöffnung – aber längst kein Einzelfall. Immer wieder wird in der Lokalpresse deutschlandweit von ähnlichen Vorfällen berichtet. Statt hundert, kostet die Türöffnung plötzlich fast tausend Euro. Wer nicht zahlen möchte, wird unter Druck gesetzt. Die Methoden, wie die Kosten in die Höhe getrieben werden, sind dabei ganz unterschiedlich. Manche Monteure kommen nicht alleine, sondern gleich zu zweit - und verlangen doppelt Stundenlohn. Manche öffnen nicht nur die Tür, sondern tauschen gleich das ganze Schloss - zu entsprechend saftigen Preisen. Manche kommen nicht aus dem Ort, sondern haben eine Anfahrt von hundert Kilometern und wollen deshalb eine entsprechende Fahrtkostenpauschale. Und wiederum andere verlangen ungewöhnliche Zusatzpauschalen, die sie „Sofortzuschläge“, „Bereitstellungszuschläge“ oder „Spezialwerkzeugzuschlag“ nennen. Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt.

Wie viele unseriöse Schlüsseldienste in Deutschland ihr Unwesen treiben und wie viele Opfer es gibt, ist schwer zu beziffern. Straftaten im Zusammenhang mit unseriösen Schlüsseldiensten oder Notdiensten werden in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nicht erfasst, sagt die Polizei. Die zahlreichen Beschwerden bei den Verbraucherzentralen, die sich allesamt ähneln, sprechen aber für ein nicht unerhebliches Problem. Nicht immer muss es dabei direkt um den Tausender gehen, aber auch mehrere hundert Euro sind für eine einfache Türöffnung zu viel.

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