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Automobil-Club Ärger um ADAC-Mitgliedschaft ohne Pannenhilfe

Der ADAC will sich neu erfinden und fit machen für eine Zukunft. So etwa sind Mitgliedschaften für Menschen ohne Pkw geplant. Quelle: dpa

Der ADAC will sich neu erfinden und fit machen für eine Zukunft mit selbstfahrenden Autos und Diesel-befreiten Innenstädten. Dazu sollte es eine Mitgliedschaft für Menschen ohne Pkw geben. Doch um die Neuerfindung ist ein heftiger Streit entbrannt.

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Eigentlich müsste der ADAC in Geld schwimmen. Deutschlands größter Verein wird in diesem Jahr die 21-Millionen-Mitglieder-Marke knacken, jedes Jahr kommt eine halbe Million neuer Mitglieder hinzu. Doch so verrückt es klingt: Jedes neue Mitglied bringt den Club mehr und mehr in finanzielle Nöte.

Der sogenannte „Deckungsbeitrag“, also eben jene Summe, die jeder Mitglieds-Euro dem Verein in die Kassen spielt, ist längst negativ. Gerade zum Beginn einer Mitgliedschaft fallen hohe Kosten an: für die Mitgliedswerbung an sich, für die Bürokratie, oft auch für die erste Pannenhilfe, derentwegen viele Menschen erst in den ADAC eintreten.

Schnell summiert sich so ein Betrag, der die ersten Jahresgebühren locker übersteigt.

Etwa eine halbe Milliarde Euro nimmt die ADAC-Zentrale jährlich durch Mitgliedsbeiträge ein. 338 Millionen kosten aber schon die vier Millionen Pannen, zu denen die gelben Engel rausfahren. 56 Millionen verschlingt das Clubmagazin „Motorwelt“, 238 Millionen das Personal. Und auch wenn es noch interne Verrechnungen mit den Regionalclubs gibt, bleibt am Ende ein Defizit. Acht Millionen Euro waren es 2017. Rund 50 Millionen 2018. Bis 2020, dürfte sich das Minus laut internen Berechnungen auf 170 Millionen summieren. Wenn nicht bald etwas passiert.

Strategiechef Sebastian Gundermann, 2015 von der Unternehmensberatung Roland Berger abgeworben, hat deshalb neue Mitgliedschaftsmodelle entwickelt. Sie sehen eine Beitragserhöhung um zehn bis zwölf Prozent im ersten Halbjahr 2020 vor, zudem eine Premium-Mitgliedschaft zusätzlich zum überarbeiteten Basis- und Plus-Tarif.

Als vierte Variante hatte Gundermann gar eine Mitgliedschaft ohne Auto geplant. Seine Argumentation: Die Zahl der Menschen, die kein Fahrzeug besitzen, steigt, vor allem in der Generation der 25- bis 35-Jährigen. Der ADAC solle ihnen andere Vorteile bieten – Tipps für Reisen, Krankenrücktransport bei Erkrankung im Urlaub etwa. Für nur 50 Euro jährlich.

Es wäre ein Signal des Aufbruchs und der Erneuerung gewesen – ein Schritt hin zum neuen ADAC. Doch Gundermanns Vorschläge sorgen für großen Unmut im Verein. Die ADAC-Basis versteht sein Modell als einen Angriff auf den Mythos Auto: Zu weit vom Markenkern des Automobilclubs entfernt sei das Angebot. Man könnte so Mitglieder aus den anderen, teureren Modellen verlieren, lautet die Befürchtung.

Im Herbst soll auf der außerordentlichen Hauptversammlung des ADAC über die „Beitragsanpassung“ und die neuen Modelle final entschieden werden. Ob Gundermanns Modell ohne Pannenhilfe dann überhaupt noch zur Wahl steht, ist sehr ungewiss. Er selbst wird bei der Abstimmung ohnehin schon lange nicht mehr dabei sein.

Gundermann verlässt den ADAC, frustriert über die Reformmüdigkeit des Konzerns. Ab April arbeitet er wieder als Berater, bei Roland Berger. Sein Hauptkunde dann: Volkswagen.

Mehr über den ADAC - und wie Streitigkeiten den Club zermürben - lesen Sie hier: Akte ADAC: Das Protokoll einer Selbstzerstörung.

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