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Bahn bekommt Unterstützung gegen Cargo-Kartell Robert Bosch und Kühne + Nagel schließen sich Milliarden-Klage an

Exklusiv

Der Klage der Deutschen Bahn gegen das Cargo-Kartell haben sich die Speditionen Kühne + Nagel und Panalpina sowie der Autozulieferer Robert Bosch angeschlossen. Dadurch könnten die Forderungen an die Lufthansa und weitere Airlines auf fast drei Milliarden Euro steigen.

Die spektakulärsten Kartellfälle
Verdacht verbotener Preisabsprachen im Großhandel mit Pflanzenschutzmitteln Quelle: dpa
Jemand fährt Fahrrad auf einem gepflasterten Weg Quelle: dpa/dpaweb
Magna Quelle: AP
Anna Kurnikova Quelle: dpa
U-Bahn Quelle: AP
Schriftzug von Villeroy und Boch Quelle: dpa
Bratwürste Quelle: dpa

Es war ein bitterer Tag für die Lufthansa, als die Deutsche Bahn am 1. Dezember 2014 mit einem Lkw vor das Landgericht in Köln fuhr und den Richtern vor Ort Dutzende Ordner Anklageschrift überreichte. Der Vorwurf: Die Frachttochter der Lufthansa hatte mit anderen Airlines jahrelang Preise für den Lufttransport abgesprochen und die Speditionstochter der Deutschen Bahn erheblich geschädigt.

Die Bahn fordert deshalb Schadenersatz in Höhe von 1,76 Milliarden Euro. Ein einmaliger Vorgang in der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Doch inzwischen ist klar: Die Klage beläuft sich in Wahrheit auf eine deutlich höhere Summe. Denn andere Unternehmen haben sich der Klage der Deutschen Bahn angeschlossen. Gemeinsam fordern sie von der Lufthansa und den anderen Frachtfliegern Schadenersatz in Höhe von fast drei Milliarden Euro. Die Bahn bestätigt, dass sich „namhafte Unternehmen“ der Klage angeschlossen hätten, so ein Sprecher. Konkrete Namen nannte er aber nicht. Der 1. Dezember 2014 könnte sich als schwarzer Montag für die Lufthansa herausstellen.

Forderungen summieren sich auf 800 Millionen Euro

So fordern auch die Speditionen Kühne + Nagel und Panalpina sowie der Autozulieferer Robert Bosch Geld von den Mitgliedern des Cargo-Kartells. Das erfuhr die WirtschaftsWoche aus Unternehmenskreisen. Die Forderungen aller Unternehmen neben der Bahn, die sich der Bahn-Klage angeschlossen haben, summieren sich auf rund 800 Millionen Euro. Hinzu kommen die Zinsen. Kühne + Nagel und Panalpina wollten sich dazu auf Nachfrage nicht äußern. Bosch bestätigte, sich der Klage angeschlossen zu haben.

Damit rächt sich, was 1999 seinen Anfang nahm. Die Lufthansa und andere Cargo-Airlines hatten in der Zeit von 1999 bis 2006 die Preise für Treibstoff- und Sicherheitsgebühren abgesprochen, die sie ihren Kunden in Rechnung stellten. Die Manager der Fluggesellschaften trafen sich am Rande von Branchenveranstaltungen, in Restaurants und in Büros der Unternehmen – im Outlook-Kalender und in E-Mail-Betreffs oft getarnt als harmlose „Coffee Meetings“.

Die größten Kartelle

Keine Zweifel an der Existenz von Preisabsprachen

Offenbar fühlen sich nicht nur Speditionen wie die Bahntochter DB Schenker, Kühne + Nagel und Panalpina durch das Kartell geschädigt. Mit Bosch klagt nun der erste Industriekunde, weil die Speditionen ihm die illegalen Frachtzuschläge zumindest teilweise in Form überhöhter Preise weitergereicht haben könnten. Denn Unternehmen wie Bosch beauftragen weltweit Speditionen, den Transport wichtiger Produkte per Schiff oder Flugzeug abzuwickeln.

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Zweifel an der Existenz der Preisabsprachen gibt es nicht. Die Lufthansa zeigte das Kartell nämlich selbst Ende 2005 an und brachte die Runde damit zu Fall. Die Europäische Kommission hatte die Kartellmitglieder daraufhin zu Bußgeldzahlungen in Höhe von 799 Millionen Euro verdonnert. Zu den Tätern gehören auch Fluglinien wie British Airways und die Lan-Gruppe mit Hauptsitz in Chile. Die Lufthansa kam als Kronzeugin straffrei davon. Darüber hinaus sprachen Gerichte in den USA und Kanada Kartellopfern in den vergangenen Jahren bereits hohe Schadenersatz-Summen zu.

Je nach Verlauf des Verfahrens könnte die Lufthansa jedoch die Hauptlast der zivilrechtlichen Auseinandersetzung tragen und im Extremfall für die rund drei Milliarden Euro aufkommen.

„Nach deutschem Kartellrecht kann ein Unternehmer als Gesamtschuldner grundsätzlich auch für Schäden durch andere Fluglinien haftbar gemacht werden“, sagt Kartellspezialistin Daniela Seeliger vom Düsseldorfer Büro der Kanzlei Linklaters. Das heißt, in einem solchen Fall müsste die Lufthansa erst einmal die Gesamtschadenssumme begleichen und danach bei den übrigen Teilnehmern des Kartells deren Anteile eintreiben.

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