Bahn Ich will meinen Streik zurück!

GDL und Deutsche Bahn wollen plötzlich doch wieder verhandeln. Ein Unding, findet unser Redakteur.

Die längsten Streiks Deutschlands
GDL gegen die Deutsche BahnSechs Tage streikten die Lokführer der Bahn, um ihre Forderungen durchzusetzen. Nur ein Drittel der Züge im Personenverkehr fuhr. Der Güterverkehr wurde noch einen Tag länger bestreikt. Es handelte sich um den längsten Streik in der Geschichte der Bahn - was aber bei einem ehemaligen Staatsbetrieb nicht weiter erstaunlich ist. In anderen Wirtschaftszweigen und Unternehmen haben Tarifkonflikte zu weit längeren Arbeitsniederlegungen geführt. Nachfolgend die zehn längsten Streiks in der Geschichte der Bundesrepublik. Quelle: dpa
Eine Anästhesistin überwacht während einer Operation den Patienten. Quelle: dpa
Einsatzkräfte der Polizei Quelle: dpa
An Naben für Windkraftanlagen arbeiten Monteure Quelle: dpa
In der Druckerei des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie kontrolliert ein Angestellter an einer Zwei-Farben-Bogen-Offsetdruckmaschine die gerade gedruckte Karte des Seehafens Rostock. Quelle: dpa
Mitarbeiter der Firma SH Natursteine GmbH befestigt ein Seil an einem Block Granitporphyr Quelle: ZB
Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe geht an mehreren Omnibussen entlang. Quelle: dpa

Ja habt Ihr sie noch alle? Da stehe ich heute früh im morgendlichen Sonnenschein am linken Niederrhein, warte auf den Bus der mich gemütlich durch die Dörfer Richtung Düsseldorf karren wird, und lese die wiwo.de-Meldung, dass sich GDL und Deutsche Bahn urplötzlich doch auf eine Schlichtung geeinigt haben. Noch heute soll der vermeintlich längste Bahnstreik der jüngeren Geschichte schon wieder Geschichte sein.

Selbst die dieselbetriebene Schnarchbahn, die mich ansonsten von meinem kleinen Landbahnhof (der eigentlich bloß noch ein vor langer Zeit schon zurück gebauter Regionalbahn-Haltepunkt ist) nach Düsseldorf kutschiert, soll in Kürze wieder fahren.

Mit Verlaub, was soll das?

Das sind die Bahngewerkschaften GDL und EVG

Ich hatte mich gerade erst in meiner Rolle als Streikopfer eingefunden, mich mit den Einschränkungen eines eingeschränkten Bahnbetriebs abgefunden und mir meine (wie ich durchaus überrascht feststellen durfte) zahlreichen Reisealternativen ins Büro und zu Terminen zusammen gesucht. Und dann sowas.

Ausstandus Interruptus sozusagen. Die Leere nach dem Stillstand.

Fahrgastrechte während des Bahnstreiks

Wo kommen wir denn hin, wenn das deutsche Gewohnheitstier sich nicht einmal mehr auf den Starrsinn der Bahn-Vorstände und die Sturköpfigkeit der Lokführer verlassen kann? Wenn plötzlich doch was geht? Wenn Vernunft regiert und Veränderung – womöglich wirklich – möglich wird? Das passt doch gar nicht. Wir Deutschen wollen planen, vorausschauen, uns auf alle Eventualitäten einstellen. Da passt ein abgeblasener Streik nun wirklich nicht ins Konzept.

Im Gegenteil.

In Arbeit
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Gerade erst haben wir erlebt, wie bequem und pünktlich es sich in den bemerkenswert oft nicht überfüllten Zügen des DB-Notfahrplans reisen lässt. Wir haben festgestellt, dass Fernbusse eine preislich hoch attraktive und durchaus kommode Alternative zum Reisegenuss in vollen Zügen sein können. Der Blick in den Regionalfahrplan hat offenbart, dass auch die Fahrt mit dem Bus ins Büro kaum länger dauert als die in der Regel ohnehin regelmäßig verspäteten Zug.

Und nun soll das alles schon wieder vorbei sein. Einfach so.

Für drei Wochen soll nun erst einmal Frieden im Arbeitskampf herrschen. Nicht mit mir. Ich hatte mich gerade so gut im Ausstand eingerichtet.

Ich will meinen Streik zurück!

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