Bahnstreik Warum die Bahn Weselsky dankbar sein muss

WiWo-Redakteurin Annina Reimann schreibt in einem nicht ganz ernst gemeinten Brief an GDL-Chef Claus Weselsky, warum auch die Deutsche Bahn vom Streik profitiert, aber das nicht so frei zugeben kann.

Viele Gleise sind leer, andere Züge dafür pünktlich. Quelle: dpa

Lieber Herr Weselsky,
ich möchte Ihnen heute persönlich danken. Danken dafür, dass ich in an diesem Samstag für mein Geld länger Bahn fahren durfte als üblich. Statt einer Stunde waren es zwischen Köln und Frankfurt ganze drei. Und das für den gleichen Preis, echt toll.

Ehrlich gesagt glaube ich ja, dass auch die Bahn Ihnen nach einer Woche Streik dankbar ist. Die Leute von der Bahn können das nur nicht so frei zugeben. Deswegen sage ich Ihnen mal, warum - vielleicht finden Sie in meinen Argumenten ja noch ein paar Punkte, mit denen Sie denen von der Bahn noch mal ordentlich Druck machen können.

Was die GDL erreichen will

Zum einen hat die Bahn nach dem längsten Streik der Bahngeschichte jetzt endlich mal belastbare Zahlen. Zum Beispiel darüber, wer eigentlich schuld ist an den ewigen Verspätungen der Bahn in normalen Zeiten. Der Fahrgast kann ja sonst nicht so klar trennen, wer da gerade die Lok steuert und unpünktlich ist. Jetzt, wo nur verbeamtete Lokführer fahren, läuft doch eigentlich alles ganz flüssig. Viele Züge sind pünktlich, einige nur so um die zehn Minuten verspätet. Ich habe jetzt natürlich keine umfangreichen Statistiken studiert, aber gefühlt ist das sonst mehr. Die Bahn dürfte jetzt also beweisen können, dass eigentlich Ihre Lokführer schuld sind an den sonst üblichen dramatischen Verspätungen der Bahn. Ok, ich gebe zu, das war jetzt noch kein Argument für Ihre Verhandlungen. 

Doch die Bahn hat weitere Gründe, Ihnen dankbar zu sein und hier können Sie sicher ordentlich Profit draus schlagen:

  1. Zum einen hat die Deutsche Bahn eine neue Einnahmequelle aufgetan: Reservierungsgebühren. Wer als Fahrgast in Streikzeiten dazu zu geizig war und stehen musste, wird das nächste mal sicher schlauer sein und hier in die Tasche greifen. Eine Goldgrube.

  2. Zum anderen waren die Züge viel besser ausgelastet als normal. Gefühlt sind ja oft die Hälfte der Plätze frei. Betrachtet man die vielen Menschen, die in den vergangenen Tagen auf den Fluren standen, darf man wohl von einer Belegung von 150 Prozent ausgehen. Ihre Dauerstreiks dürften also die durchschnittlichen Auslastungsquoten der Züge insgesamt im Jahr 2015 deutlich nach oben treiben. Das sieht natürlich gut aus für die Bahn, die Traumzahlen und Wachstumsraten in der Auslastung würden sicher selbst Investoren überzeugen - vielleicht klappt es so am Ende gar doch noch mit dem Börsengang.

  3. Nicht zuletzt haben ja auch die Fahrgäste deutlich vom Streik profitiert. Sie blieben immer in Bewegung, durften häufiger umsteigen und haben neue Strecken kennengelernt, weil die Bahn nicht immer direkt fahren konnte. Das alles war sicher eine sehr gute Werbung für die Bahn und wird künftig noch mehr Fahrgäste anziehen. Sie sollten das als guter Gewerkschafter jetzt schon mal in Ihre Gehaltsforderungen einbeziehen und diese zukünftigen Gewinne abschöpfen. 

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Lieber Herr Weselsky, ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche und viel Erfolg bei Ihren Verhandlungen.


Herzlich, 
Ihre Annina Reimann


© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%