Bahnverkehr stockt Mindestens neun Tote durch Orkantief „Niklas“

Ein Orkantief tobt durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Neun Menschen sterben. Die Schäden sind groß, der Bahnverkehr liegt vielerorts lahm. Das Aufräumen wird dauern.

Wo öffentlicher Nahverkehr am teuersten ist
Platz 10: San Francisco und Chicago Wer in der berühmten Cable Car von San Francisco (Foto) oder in der Hochbahn von Chicago unterwegs ist, muss zwei US-Dollar für das günstigste Ticket bezahlen. Das macht den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) dieser beiden Städte zum zehntteuersten der Welt, hat die Deutsche Bank ausgerechnet. Dafür hat sie die Preise des jeweils günstigsten Nahverkehr-Tarifs in Städten weltweit in US-Dollar umgerechnet und verglichen. Um einzuordnen, wie teuer oder günstig die Preise sind, hat die Deutsche Bank New York als Bezugspunkt gewählt: Die Preise in Chicago und San Francisco sind beispielsweise 20 Prozent günstiger als im Big Apple. Quelle: dpa
Platz 9: Berlin und ParisBerlin teilt sich den neunten Platz mit Paris. In beiden Städten kostet der günstigste ÖPNV-Tarif umgerechnet 2,06 US-Dollar. Das sind gerade mal 82 Prozent des New Yorker Preises. Quelle: dpa
Platz 8: SydneyWer im australischen Sydney im öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, zahlt 2,14 US-Dollar für das günstigste Ticket – und damit 15 Prozent weniger als in New York. Quelle: AP
Platz 7: Edinburgh und OttawaDen siebten Platz teilen sich wieder zwei Städte: Im schottischen Edinburgh und im kanadischen Ottawa (Foto) kosten die günstigsten ÖPNV-Tickets jeweils umgerechnet 2,48 US-Dollar. Das ist ein Prozent weniger als in New York. Quelle: AP
Platz 6: New YorkWer einmal in New York ist, muss in den Central Park, ins Empire State Buildung – und eine U-Bahn-Fahrt mitmachen. Ein Ticket des günstigsten Tarifs kostet 2,50 US-Dollar, was die Deutsche Bank als Bezugspunkt für alle anderen weltweiten Preise genommen hat. Quelle: REUTERS
Platz 5: TorontoIn der größten Stadt Kanadas kostet ein ÖPNV-Ticket des kleinsten Tarifs umgerechnet 2,73 US-Dollar. Damit zahlen Menschen in Toronto neun Prozent mehr als in New York. Quelle: dpa
Platz 4: FrankfurtAuch Deutschlands Bankenmetropole hat es ins Ranking geschafft: Wer mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof zum Hauptsitz der Deutschen Bank fahren möchte, muss umgerechnet 2,88 US-Dollar zahlen. Das sind 15 Prozent mehr als der niedrigste Tarif in New York und platziert Frankfurt im weltweiten Vergleich auf Platz 4. Quelle: dpa
Platz 3: ZürichZürich ist bekannt als teures Pflaster. Auch eine Straßenbahnfahrt durch die Bankenhochburg hat ihren stolzen Preis: Mit 2,91 US-Dollar für ein Ticket besitzt die Schweizer Großstadt den weltweit drittteuersten öffentlichen Nahverkehr. Das sind 16 Prozent mehr als in New York. Quelle: dpa
Platz 2: Melbourne3,33 US-Dollar müssen Menschen im australischen Melbourne für das günstigste ÖPNV-Ticket zahlen. Das ist ein Drittel mehr als in New York und bringt Melbourne somit auf den zweiten Platz. Quelle: Duliff, Wikimedia Commons, CC BY 3.0
Platz 1: LondonNirgends sind Bus- und Bahnfahrer so teuer unterwegs wie in London. 7,79 US-Dollar kostet das günstigste Ticket für den öffentlichen Nahverkehr in der britischen Hauptstadt. Das entspricht 311 Prozent der Ticketpreise in New York. Quelle: AP

Beim ersten großen Frühjahrssturm sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Orkantief „Niklas“ richtete auf seinem Weg von West nach Ost große Schäden an und legte in der Woche vor Ostern den Bahnverkehr in Teilen Deutschlands lahm. Für gestrandete Fahrgäste stellte die Bahn in mehreren Städten Übernachtungszüge bereit. „Niklas“ war mit Böen von bis zu 192 Stundenkilometern einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre. Er brachte am Dienstag auch den Straßen-, Schiffs- und Flugverkehr durcheinander. Heftige Böen und entwurzelte Bäume beschädigten Autos, Häuser und Stromleitungen. Tausende Haushalte waren ohne Elektrizität - oft noch bis in den Mittwoch. In der Nacht flaute der Sturm langsam ab.

Das Geschäftsjahr 2014 der Deutschen Bahn

In Bayern und Rheinland-Pfalz wurden eine Frau und zwei Männer erschlagen, als Bäume auf ihre Autos stürzten. In Sachsen-Anhalt tötete eine umgewehte Mauer einen Mann. Auch in Österreich und der Schweiz gab es zwei Unwettertote. Außerdem gab es mindestens drei Tote bei wetterbedingten Unfällen: Im baden-württembergischen Ostalbkreis starben zwei Männer auf einer schneebedeckten Straße. In Bayern wurde ein Mann bei starkem Hagel auf der Autobahn 95 getötet. Vielerorts gab es Verletzte: In Weimar kippte ein Baum auf eine Mutter und ihre zwei Töchter, die auf einem Gehweg liefen. Eines der Mädchen im Alter von neun Jahren wurde dabei am Dienstag schwer verletzt.

Auf der Schiene ging vielerorts nichts mehr. In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin ruhte der Regionalverkehr teilweise seit dem Morgen ganz. In Deutschlands größtem Bundesland Bayern wurde der Fernverkehr am Nachmittag komplett eingestellt. Anderswo rollten die Züge mit stark gedrosseltem Tempo. „Der Orkan Niklas hat die Bahn mit voller Wucht getroffen“, sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß. „Wichtig ist, dass wir zum Osterreiseverkehr ab Donnerstag wieder alles in Schuss haben.“

Das könnte knapp werden. „Die Sturmschäden, vor allem an den Oberleitungen sind so großflächig und erheblich, dass es noch mehrere Tage dauern kann, bis wieder alle Linien bedient werden können“, teilte die Deutsche Bahn am späten Abend mit. Auch Privatbahnen mussten ihre Züge in den Bahnhöfen oder Depots lassen. Auf freier Strecke zwischen Hamburg und Berlin blieb ein ICE mit 400 Passagieren liegen. Die Route wurde in beide Richtungen gesperrt. In einer Durchsage an die Fahrgäste hieß es in einem Zug: „Alle Fernzüge der Deutschen Bahn sind ab sofort zu Hotelzügen umfunktioniert.“

Bundesweit waren Polizisten und Feuerwehrleute im Dauereinsatz. Auf Straßen und Autobahnen blockierten umgekippte Lastwagen und Anhänger den Verkehr. Im Fährverkehr zu den ostfriesischen Inseln kam es zu Einschränkungen. Die Verbindung zwischen Cuxhaven und der Hochseeinsel Helgoland wurde komplett gestrichen.

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Am Flughafen in Frankfurt am Main fielen mehr als 180 Starts und Landungen aus. Angesichts der Wetterlage müsse auch am Mittwoch mit Einschränkungen im Flugbetrieb gerechnet werden, sagte ein Sprecher. In Hamburg waren 63 Flüge betroffen.

Mehrere zehntausend Haushalte in Bayern blieben ohne Strom; für tausend Haushalte sollte der Zustand über Nacht anhalten, so der Versorger Bayernwerk AG. Auch in anderen Ländern wie Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern blieben Tausende Kunden ohne Elektrizität. Unterdessen begannen in Hessen und Baden-Württemberg am Abend erste Aufräumarbeiten. „Die Aufräumarbeiten dauern noch mindestens den ganzen Mittwoch“, sagte ein Sprecher des Lagezentrums im Innenministerium am Dienstagabend in Stuttgart.

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