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Bain-Chef über Zölle, Digitalisierung, KI „25 Prozent aller Arbeitsplätze sind in Gefahr“

Digitalisierung, Künstliche Intelligenz: Walter Sinn im Interview Quelle: Christof Mattes/Bain & Company

Walter Sinn, Deutschlandchef der Strategieberatung Bain & Company, über Strategien für unsichere Zeiten, die Folgen der Digitalisierung und den Boom der Unternehmensberatungen.

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WirtschaftsWoche: Herr Sinn, nach zehn Jahren Aufschwung wächst die Unsicherheit. Liegt das Beste hinter uns?
Walter Sinn: Derzeit läuft die Konjunktur noch gut. Wir kommen allerdings aus einer Phase mit extrem niedrigen Zinsen. Hinzu kommen strukturelle Probleme wie etwa die Staatsschulden in Italien und das schwächere Wachstum in China. Das größte Risiko für die exportorientierte deutsche Wirtschaft sehe ich jedoch im wachsenden Protektionismus.

Droht eine neue Krise?
Wir gehen von keinem dramatischen Einbruch, aber von einer Verlangsamung aus.

Wie können sich Manager darauf vorbereiten?
Sie sollten die Hektik des Tagesgeschäfts und das kurzfristige Denken in Quartalsergebnissen ein Stück hinter sich lassen und strategisch auf ihr Unternehmen blicken. Das hört sich erstmal banal an, ist in der Praxis aber wahnsinnig schwer. Dabei geht es um ganz grundlegende Fragen, etwa welche Aktivitäten künftig den Kern des Geschäfts bilden und was vielleicht nicht mehr dazu gehört. Davon leitet sich dann ab, wo Unternehmen investieren und wo sie sparen sollten. Unternehmen, die sich jetzt gut vorbereiten, werden als Gewinner aus dem nächsten Abschwung hervorgehen.

Viele deutsche Unternehmen haben die Strukturen bereits deutlich verschlankt. Gibt es da noch Sparpotenzial?
Sicher. Allein durch die Digitalisierung lassen sich viele Prozesse wesentlich effizienter gestalten. Unsere Analysen zeigen, dass dauerhaft 25 Prozent aller heutigen Arbeitsplätze in Gefahr sind. Auch wenn durch die Digitalisierung neue Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen, ist das erstmal keine schöne Nachricht. Aber der Wandel lässt sich nicht aufhalten. Und er eröffnet auch Chancen für neues, profitables Wachstum.

Wo sehen Sie die?
Etwa bei der digitalen Vernetzung von Maschinen und Anlagen, dem sogenannten Internet der Dinge. Hier haben die deutschen Unternehmen in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht und gute Chancen, auch in Zukunft zur Weltspitze zu gehören. Bei digitalen Geschäften zwischen Unternehmen und Verbrauchern ist uns das bisher noch nicht ausreichend gelungen.

Unternehmensberatungen wie Bain wachsen mit dem Thema Digitalisierung in jedem Fall sehr stark und profitabel. Wie hoch ist der Anteil der Digitalprojekte an Ihrem Geschäft?
Er liegt aktuell zwischen 30 und 40 Prozent. Wir begleiten Unternehmen hier vor allem bei strategischen, transformierenden Projekten, zum Beispiel der Frage, wie die Digitalisierung die Schnittstelle zum Kunden verändert.

Das Thema ist nicht ganz neu….
… und es entwickelt sich immer weiter. Bei der Frage, wie sie die Daten ihrer Kunden am sinnvollsten verwenden, stehen die meisten Unternehmen noch am Anfang. Und die Zugänge zum Kunden ändern sich ständig. Derzeit ist die Strategie vieler Unternehmen noch „Mobile first“. In absehbarer Zeit wird es „Voice first“ oder „Artificial Intelligence first“ sein. Im Bereich Internet der Dinge hat der Wandel mit der Vernetzung von Produktion und Dienstleistungen gerade erst begonnen.

In den Unternehmen sorgt das Thema Digitalisierung für jede Menge Unruhe. Ist das nicht gefährlich?
Derzeit wird viel von agilen Strukturen geredet. Keine Frage, die können die Kreativität fördern, Innovationen beschleunigen und viel Energie in einem Unternehmen freisetzen. Ein Konzern allerdings kann und muss auch nicht von heute auf morgen in allen Bereichen agil werden. Hier muss das Management genau austarieren, was sinnvoll ist und wo bewährte Strukturen besser sind.

Best of Consulting 2018
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Trophäen Best of Consulting Quelle: Tim Frankenheim für WirtschaftsWoche
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(v.l.n.r.): Bodo Forstmann (Ginkgo), Timo Bularczyk (Daimler), Christian Kastrup (Ginkgo), Jochen Kaiser (Daimler), Christian Schädlich (Ginkgo). Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

Wie verändert die Digitalisierung Ihre Arbeit als Berater?
Wir investieren massiv in das Thema Digitalisierung, etwa in unsere Digital Discovery Hubs in San Francisco, Berlin und London. Und wir erweitern unsere Beratungsangebote ständig, vor allem in dem wir Kooperation und Partnerschaften mit anderen Firmen aufbauen. Kein Unternehmen kann in der heutigen digitalen Welt alles alleine machen, die anpassungsfähigsten werden gewinnen und diejenigen, die ihr Ökosystem aus Spezialisten gut managen können. Unser Kern bleibt aber bei allen Veränderungen die Strategieberatung, das wird und kann keine Maschine und kein noch so guter Algorithmus leisten.

Der Wettbewerb nimmt auch in Ihrer Branche immer weiter zu.
Der Beratungsmarkt wird weiter wachsen und sich weiter polarisieren. Es gibt nur wenige globale Player, die ausreichend Ressourcen haben, um die heute notwenigen Investitionen zu stemmen und Kunden umfassend bei ihren kritischsten Themen international zu begleiten. In dieser Gruppe sehen wir uns weiter als Angreifer, der Marktanteile gewinnt. Und in der Rolle fühlen wir uns sehr wohl.

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