Banken und Versicherer So eng ist das Band zwischen ADAC und Industrie

Die Aufregung um frisierte Stimmenzahlen bei einem Auto-Preis täuscht über ein viel größeres Problem hinweg: die extremen Verflechtungen des ADAC mit Industrie und Finanzbranche.

Die Affäre bringt Licht in das enge Geflecht des Clubs mit der Wirtschaft. Quelle: dpa


Von Franz Rother, Nele Hansen, Matthias Kamp, Hans-Jürgen Klesse und Florian Zerfaß.

Der Termin für den Besuch in der neuen ADAC-Zentrale an der Hansastraße in München war lange geplant. Bei dem turnusmäßigen „Jahresgespräch“ wollte Robert Rademacher, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), am vergangenen Donnerstag mit Präsident Peter Meyer über die Entwicklung der Autobranche insgesamt reden, über neue Herausforderungen für das Kfz-Handwerk – und die Pläne des ADAC, deutschlandweit ein Netz von Autowerkstätten aufzuziehen. Doch der Skandal um die Manipulation von Teilnehmerzahlen bei der Leserwahl zum ADAC-Auto-Preis „Gelber Engel“ drehte das Gespräch schnell in eine andere Richtung: Wie geht man künftig miteinander um – der Club und die Kfz-Branche?

ADAC-Manager wegen Veruntreuung unter Verdacht
Die Last der Krisen liegt noch immer auf dem ADAC. Quelle: dpa
02. Dezember 2014Der ADAC hat sich nach monatelangen Auseinandersetzungen mit seinem fristlos gekündigten Pressechef Michael Ramstetter geeinigt. Ramstetter habe Schadenersatz geleistet, sagte eine ADAC-Sprecherin Anfang Dezember in München und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Damit sei eine außergerichtliche Einigung erreicht worden. Zu der Höhe des geleisteten Schadenersatzes äußerte sich der ADAC nicht. "Im Übrigen wurde Stillschweigen vereinbart." Ramstetter hatte im Januar Manipulationen beim ADAC-Preis "Gelber Engel" zugeben und den ADAC damit in eine tiefe Krise gestürzt. Nachdem ein Prüfbericht der Beratungsfirma Deloitte den Verdacht auf Fälschungen bestätigt hatte, wurde Ramstetter fristlos gekündigt. Er wehrte sich aber vor Gericht gegen Schadenersatzforderungen und die Kündigung. Quelle: dpa
22. November 2014Der ADAC steht nach dem Skandal um Fälschungen beim Autopreis "Gelber Engel" und Kritik an seinen wirtschaftlichen Aktivitäten vor einer grundlegenden Strukturreform. Dabei will der Autoclub seinen steuermindernden Vereinsstatus behalten. Ein entsprechender Reformplan, der aus mehreren Entwürfen ausgewählt wurde, soll der außerordentlichen ADAC-Hauptversammlung am 6. Dezember in München vorgelegt werden. Neben mehr Transparenz und besserer Nachvollziehbarkeit der Struktur soll die Reform auch der "erforderlichen und sinnvollen Trennung zwischen Vereins- und Wirtschaftsaktivitäten besser Rechnung tragen", wie ADAC-Sprecher Christian Garrels erklärte. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und von NDR Info favorisiert der kommissarische ADAC-Präsident August Markl (66) ein Modell, das eine Ausgliederung der ADAC-Firmenholding in eine Aktiengesellschaft vorsieht. Diese Berichte wollte der Sprecher des Autoclubs nicht bestätigen und nicht kommentieren. Quelle: dpa
10. November 2014Der ADAC zieht sich aus dem umkämpften Markt für Fernbusse zurück und beendet seine Beteiligung an dem ADAC Postbus. Die Deutsche Post AG wird die Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen übernehmen. Über den Ausstieg des ADAC war seit Monaten spekuliert worden. Der Wettbewerb auf dem Fernbusmarkt hatte zuletzt auch andere Anbieter hart getroffen: Anfang November war bekanntgeworden, dass das Offenbacher Unternehmen DeinBus.de Insolvenz anmelden muste. Quelle: dpa
22. Oktober 2014August Markl, der kommissarische Präsident des ADAC, will auch in Zukunft auf dem Chefposten bleiben. Wie der Autoclub im Oktober mitteilte, wird Markl sich im Dezember auf einer außerordentlichen Hauptversammlung des ADAC als Präsident zur Wahl stellen. Der 66-Jährige, offiziell Erster Vizepräsident, war im Februar Interimschef geworden, nachdem Peter Meyer vom Präsidentenamt zurückgetreten war. "Ich fühle mich dem ADAC und seinem zutiefst solidarischen Grundgedanken von Hilfe, Rat und Schutz seit mehr als 40 Jahren so sehr verpflichtet, dass ich meine ursprüngliche persönliche Planung noch einmal hinten anstelle", erklärte Markl. Quelle: dpa
23. April 2014Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ werden liegengebliebene Kunden großer Autohersteller bei der Pannenhilfe bevorzugt. Mehrere ADAC-Insider hätten demnach berichtet, dass die „Gelben Engel“ häufig zunächst den Autofahrern helfen, die über die Hersteller ihrer Fahrzeuge versichert seien. Mehrere Autokonzerne haben den ADAC mit solchen Dienstleistungen beauftragt. Der ADAC hat den Vorwurf zurückgewiesen. „Alle Pannenfälle werden nach Eingang bearbeitet“, sagte ein Sprecher des Autoclubs. Quelle: dpa
16. April 2014Der frühere ADAC-Geschäftsführer Alfons Kifmann gibt in seinem Enthüllungsbuch "Die gelbe Gier" noch einmal Zunder ins Feuer der Wut auf den ADAC. So deckt Kifmann, der zwischen 1995 und 1998 Mitglied der Geschäftsführung sowie Chefredakteur der Clubzeitung "Motorwelt" war, etwa auf, dass die 650 Vertragsanwälte, die für den ADAC arbeiten, ein Auftragsvolumen von 460.000 Euro pro Kopf und Jahr erhalten. Die Anwaltslizenzen nennt er eine Lizenz zum Gelddrucken. Nahezu ebenso gut würden die Sachverständigenbüros und Abschleppdienste des ADAC verdienen. Quelle: Fotolia

Mehr als 100 Jahre nach der Gründung ist der mit 19 Millionen Mitgliedern zweitgrößte Automobilclub der Welt heute nicht nur die mächtigste Interessenvertretung der Autofahrer, sondern auch ein Wirtschaftsimperium. Der ADAC ist aber nicht nur mit der Autoindustrie, sondern auch mit Versicherungen, Banken und Tourismusanbietern weit enger verbandelt, als die meisten Mitglieder ahnen. Wie eng, das zeigen die Treuebekundungen aus der Wirtschaft trotz der „Gelber Engel“-Affäre.

Der Club vertreibt über seine 1981 gegründete 100-prozentige Tochter ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst (siehe Grafik) unter anderem Kfz-Versicherungen von Zurich Deutschland und vermittelt Mietwagen von Avis, Hertz und Sixt. Mit Schwäbisch Hall bietet der Club Bausparverträge an und über die Berliner Bank Autokredite. Und mit der Deutschen Post betreibt man neuerdings eine Fernbuslinie. „Wir werden den ADAC Postbus erfolgreich weiter betreiben“, versichert ein Post-Sprecher nach dem Skandal.

Die Post ist auch ein wichtiger Dienstleister für den ADAC: Ende 2009 unterzeichneten die Partner einen Fünfjahresvertrag über die Zustellung von monatlich rund 13,5 Millionen Exemplaren des Clubmagazins „Motorwelt“. Auftragsvolumen: rund 250 Millionen Euro.

Gelbe Geldmaschine: Der ADAC und seine Nebengeschäfte. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Auch in der Reisebranche ist der ADAC präsent, als Namensgeber für die Veranstaltermarke ADAC Reisen. Dahinter steht AD Clubreisen, ein Joint Venture zwischen ADAC (49 Prozent) und DER Touristik (51 Prozent). DER Touristik ist die Reisesparte der Handelskette Rewe und war 2012 mit 4,65 Milliarden Euro Umsatz der zweitgrößte Reiseanbieter in Deutschland nach TUI. Für Leitung und operatives Geschäft ist DER Touristik zuständig, der Gewinn wird geteilt.

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