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Bau-Konjunktur Widersprüchliche Signale aus der Bauwirtschaft

Die Spitzenverbände der Baubranche sind sich nicht einig: während der Hauptverband, der die großen Unternehmen vertritt, Anzeichen einer Konjunkturkrise dementiert, ist der Zentralverband, der Mittelstand und kleinere Betriebe organisiert, pessimistisch. Wer liegt richtig?

Die größten Baukonzerne Europas
Bauarbeiter arbeiten auf einem Gerüst Quelle: AP
Bauarbeiter arbeiten auf einer Baustelle des Konzerns Strabag Quelle: dpa
Platz 8: COLAS SADer französische Konzern hat sich auf Straßen- und Schienenbau spezialisiert. Der Name des Konzerns, für den 73.600 Menschen arbeiten, setzt sich aus den englischen Wörtern "cold" und "asphalt" zusammen. Umsatz 2012: 13 Milliarden Euro Quelle: dpa
Baukräne unter grauem Himmel Quelle: AP
Ein Bauarbeiter erhitzt auf einer Baustelle Rohre Quelle: APN
Bauarbeiter in einem neu gebauten U-Bahn-Schacht Quelle: dpa/dpaweb
Ein Arbeiter des Bauunternehmens Hochtief weist einen Container ein Quelle: dpa

"Bei uns ist dank der Zuwanderung von Kapital derzeit keine Krise angesagt", gibt Heiko Stiepelmann in der aktuellen WirtschaftsWoche konjunkturell Entwarnung. Der Mann muss es wissen – er ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Hans-Hartwig Loewenstein hingegen sieht über der Baubranche das "Damoklesschwert der Eurokrise. Einzelne Berichte über auf Eis gelegte Projekte haben uns bereits erreicht". Auch Loewenstein muss es wissen – er ist Präsident beim Zentralverband Deutsches Baugewerbe.

Was ist nun richtig?

Die kakaphonen Mitteilungen werden verständlicher, wenn man eine von Montag stammende andere Meldung des Bau-Hauptverbandes hinzu nimmt. Stiepelmanns Verband teilte zum Wochenanfang mit, er ergänze jetzt sein Logo um den Zusatz "Bauen und Services".

Neue Dienstleistungen sind weniger konjunkturanfällig

Bilfinger Berger, Hochtief, Strabag, aber auch manche großen Mittelständler bieten stetig wachsende Paletten von Dienstleistungen rund um zu bauende und bestehende Gebäude an. Besonders Bilfinger drängte unter dem neuen Vorstandschef Roland Koch darauf, der Hauptverband solle das auch nach außen zeigen.

Selbst die Wartung von Kraftwerken und Industrieanlagen gehört dazu. Diese Dienstleistungen sind durch langfristige Verträge weniger konjunkturanfällig als das eigentliche Baugeschäft. Auf Basis der verbreiterten Geschäftsgrundlage tut sich der Hauptverband leichter, optimistisch zu bleiben bei der Konjunkturprognose.

Konjunkturindikatoren

Das Baugewerbe hingegen verweist darauf, es erbringe 70 Prozent der eigentlichen Bauleistung in Deutschland und beschäftige 75 Prozent der Bau-Mitarbeiter. Schließlich ist die Baubranche in Deutschland mittelständisch geprägt. Aber auch diesem Bereich der Bauwirtschaft geht es noch gut. Von Loewensteins Konjunktur-Skepsis relativiert sich, wenn man die Zahlen anschaut.

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Sein Verband storniert zwar die frühere Prognose für 2012, nach der der Umsatz im Bauhauptgewerbe 2012 um 3,8 steigen sollte. Doch nun geht der Zentralverband von  2,3 Prozent Umsatzsteigerung für das Gesamtjahr aus - immer noch ansehnlich und alles andere als ein Krisensignal. Die Branche stellt sogar noch ein: auch nach den gedämpfteren Erwartungen geht der Zentralverband von einem Beschäftigungszuwachs um immerhin 1,5 Prozent aus. Das wären dann 745.000 Mitarbeiter - so viele hatte die Branche seit acht Jahren nicht!

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