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Bauunternehmen Boom auf dem Bau

Die Baubranche kann sich vor Aufträgen fast nicht retten. Die Folge: Ein sattes Umsatzplus, auch für 2018 sehen die Prognosen rosig aus, sagen die Verbände. Doch die Branche fürchtet vor allem ein Problem.

Die Baubranche freut sich über viele Aufträge. Quelle: dpa

DüsseldorfWer durch Düsseldorf, Hamburg oder Köln fährt, kann es sehen: Der Bauboom macht sich überall bemerkbar. Es werden Häuser und Wohnungen gebaut, Bürogebäude und Lagerhallen entstehen. Auch außerhalb der Städte, auf den Autobahnen zeigt sich der Aufschwung: Kaum eine Autobahn, an der nicht ausgebessert oder die nicht verbreitert wird.

Die Baubranche hat Hochkonjunktur. Das belegen auch die Zahlen: 112 Milliarden Euro setzte die Brache 2017 um. Ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hinzukommt: Die Auftragsbücher waren im letzten Quartal des vergangenen Jahrs so gut gefüllt wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das wiederum wirkt sich positiv auf 2018 aus.

Für den Wohnungsbau sagen die Verbände ein Plus von 3,5 Prozent voraus, für den öffentlichen Bau und Wirtschaftsbau sogar vier Prozent Plus. Der Umsatz soll 2018 117 Milliarden Euro erreichen. Entsprechend gut gelaunt sind die Vertreter der Verbände und sprechen von „Zuversicht“ für das Jahr.

Gründe für den Aufschwung am Bau gibt es mehrere: Die anhaltende gute Konjunktur, die hohe Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt, die günstigen Zinsen sowie das Geld aus dem Infrastrukturplan der Bundesregierung.

Das wirkt sich auch positiv auf die Investitionsfreude der Bauunternehmen aus: „Nach der aktuellen DIHK-Umfrage wollen signifikant mehr Bauunternehmen in Maschinen und Ausrüstungen investieren“, sagte Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie und Chef von Strabag Deutschland. Bereits für 2016 habe das Statistische Bundesamt eine Steigerung der Investitionen der Bauunternehmen in Sachanlagen von rund 17 Prozent ausgewiesen.

Doch der fortschreitende Aufschwung verstärkt ein Problem: Die Unternehmen suchen händeringend nach Nachwuchs. Obwohl die Baufirmen in den vergangenen Jahren Personal aufgebaut hätten, sei die Bauwirtschaft vom Fachkräftemangel betroffen. „Stellen für Meister sind rund 160 Tage vakant und liegen damit deutlich über der durchschnittlichen Engpassgrenze von 100 Tagen“, sagte Hübner. Auf einen arbeitslosen Bauingenieur kommen inzwischen zwei offene Stellen.

Zehn Jahre lang hat die Baubranche unter der Rezession gelitten. Die Krise formte die ganze Brache neu: Flaggschiffe wie Walter Bau gingen am Ende unter, aus dem einstigen Bauriesen Bilfinger wurde ein Industriedienstleister, der Essener Baukonzern Hochtief ging zum größten Teil in die Hände des spanischen Konzerns ACS. Einen Konzern von Weltrang gibt es seitdem in der deutschen Baubranche nicht mehr.

Die Folge der Krise war auch, dass immer weiter Personal abgebaut wurde. Und das fällt den Unternehmen nun auf die Füße. „Nach dem Tiefpunkt im Jahr 2009 mit einer Beschäftigtenzahl von 705.000 erwarten wir für 2017 circa 805.000 Beschäftigte“, sagte Hübner. Doch das reicht eben nicht aus.

Viele Mitarbeiter, die entlassen wurden, arbeiten nun als Solo-Selbständige, zeigen die Statistiken. „Die Auswirkungen auf den Wettbewerb werden nachhaltig unterschätzt“, sagt Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes. „Wir gehen davon aus, dass allein im Bauhauptgewerbe circa 150.000 Solo-Selbständige ohne Tarif- oder Mindestlohn und ohne Sozialabgaben auf kleinen wie großen Baustellen tätig sind.“

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