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Bauwirtschaft Hochtief am Rande des Nervenzusammenbruchs

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Bauchweh vor Lachen

Die Hochtief-Mitarbeiter sind völlig verunsichert. Wer soll als nächstes den Hut nehmen? Quelle: dpa

Jetzt kommt das Beste: Die drei dramatischen und gleichzeitig bekannt werdenden Personalabgänge haben angeblich „nichts miteinander zu tun“! An der Stelle kriegen die Kinobesucher Bauchweh vor Lachen. Sie erleben, wie ein armer Hochtief-Mitarbeiter am vergangenen Samstag Journalisten in ganz Deutschland anruft, um zu erklären, Herr Stieler habe sehr gute Arbeit geleistet seit seinem Amtsantritt vor anderthalb Jahren? Warum Don Florentino den Deutschen dann rauswerfe, fragen die Journalisten. „Keine Ahnung“, sagt der Mann von Hochtief entwaffnend ehrlich, „ich weiß es beim besten Willen nicht“.

Senor Almodòvar, so was haben wir hier noch nicht erlebt! Die Menschen in der Konzernzentrale in Essen und fast 80.000 Mitarbeiter in aller Welt fragen sich, ob Don Pedro vielleicht vor lauter Schulden nicht nur die Nerven, sondern den Überblick verliert? Oder rächt er sich für das verlorene Champions-League-Spiel seines Vereins Real Madrid in Dortmund und das zweite fast verlorene Rückspiel vor ein paar Wochen? Oder braucht er einfach „mehr Nähe“ – zum Beispiel, um Hochtief finanziell auszusaugen und so die Finanzlöcher in seinem maroden Baukonzern ACS zu stopfen, zu dem Hochtief gehört, und um doch noch seine Villa zu retten?

Hochtief-Kursentwicklung vor und nach der Übernahme durch ACS Quelle: Thomson Reuters

Jedenfalls setzt Don Florentino am kommenden Dienstag nun statt der deutschen „marioneta“ einen spanischen Manager ein: Marcelino Fernández Verdes. Toller Name. Aber Verdes ist von Perez so unabhängig wie eine Flamencotänzerin vom Takt. Im Film hören wir, wie der telefonierende Hochtief-Mann Verdes´ Kompetenz und Umgangsformen  lobt - und haben das ungute Gefühl, dass das nun wieder nicht ganze Wahrheit ist.

Denn als Verdes vor sieben Monaten aus Spanien kam, wurde uns weis gemacht, er werde loyal in Stielers Vorstand mitarbeiten. Das war so ehrlich wie das Winken mit dem roten Tuch beim Stierkampf. So ehrlich allerdings wie auch Stieler selber. Der hatte nämlich 2010 noch als einfaches Vorstandsmitglied den Anschein erweckt, er unterstütze seinen damaligen Chef im Kampf gegen die fatale Übernahme durch Don Florentino. Stattdessen hat Stieler die Selbständigkeit von Hochtief für schätzungsweise 30 Euro verkauft und wird nun zum Opfer seines doppelten Spiels. Geben solche gebrochenen Figuren einem Film nicht erst die richtige Tiefe?

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Das ist ganz großes Kino, was da bei Hochtief gerade läuft: tragisch und komisch zugleich. Ihr Stoff und viel zu schade für einen Til Schweiger. Blöd ist bloß, dass Aktionäre, Arbeitnehmer und Öffentlichkeit – entschuldigen Sie noch einmal – nun weiter verarscht werden, natürlich auch in den Mitteilungen nach der Aufsichtsratssitzung am Dienstag in Essen.

Wie der Film enden könnte? Keine Ahnung. Die ganze Geschichte kommt uns dermaßen spanisch vor. Nur die Statisten sind noch deutsch. Und manche von ihnen stehen nicht mehr vor dem Nervenzusammenbruch – sie stecken schon drin.

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