Bericht der Flugsicherung Fluglotsen stecken in der Krise

Europa kommt nur schwer voran - auch in der Luft. Ein einheitlicher Luftraum würde das Fliegen billiger und umweltfreundlicher machen, doch nationale Interessen stehen dem bislang entgegen. Die Deutsche Flugsicherung agiert in einem schwierigen Umfeld.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) überwacht täglich bis zu 10.000 Flugbewegungen ziviler und militärischer Flüge im deutschen Luftraum. Quelle: AP

Der frühere Verkehrsstaatssekretär Klaus-Dieter Scheurle ist schnell in seinem neuen Job an der Spitze der Deutschen Flugsicherung (DFS) angekommen. Auf dem Weg zu einem einheitlichen europäischen Luftraum sieht er die bundeseigene Organisation „an der Spitze der Bewegung“. Zusammen mit Frankreich, der Schweiz und den Beneluxländern will man bereits im Herbst der Politik erste konkrete Projekte zur Harmonisierung vorlegen, wohlgemerkt aber nur für den eigenen, kleinen Teil des europäischen Luftraums.

„Die deutsche Flugsicherung gehört sicher zu den besten in der Welt“, lobt Jörg Handwerg von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Die Probleme auf europäischer Ebene sind allerdings unübersehbar. Der Luftraum über der politischen Union wird laut Eurocontrol von nicht weniger als 27 nationalen Flugsicherungsorganisationen verwaltet, die sich unter anderem nicht auf ein einheitliches Betriebssystem einigen können. Die Fluggesellschaften beklagen milliardenschwere Mehrkosten und Zeitverluste durch umständliche Streckenführungen.

Auf europäischer Ebene bewegt sich bislang wenig, resümiert die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman im Auftrag des deutschen Luftverkehrsverbands BDL. Trotz der Initiativen der Europäischen Kommission zu einem einheitlichen europäischen Luftraum (Single European Sky I und II) fehle es immer noch an konkreten Schritten und einem klaren Zeitplan zur konkreten Umsetzung. Die bereits 1960 gegründete Eurocontrol mit ihrem Maastrichter Zentrum bleibt bislang auf Benelux und Nordwestdeutschland beschränkt und hat die ihr eigentlich zugedachte Rolle als Nukleus einer europäischen Flugsicherung auch nach Scheurles Überzeugung längst verloren.

Die nationalen Flugsicherungen, in den meisten Ländern auch noch eigenständig die Militärs und die nationalen Regierungen halten an den jeweiligen Besitzständen fest, kritisiert der Pilotenvertreter Handwerg. Letztlich gehe es natürlich darum, den Flugverkehr in Europa nach US-Vorbild in größeren Zonen mit weniger Personal und geringeren Kosten zu organisieren. „Stellen sollen aber möglichst nur bei den anderen abgebaut werden.“ Noch weitaus größer sind zudem die Vorbehalte aus verteidigungspolitischer Sicht. So scheint es derzeit kaum vorstellbar, dass Frankreich oder Spanien die Kontrolle ihrer Militärflüge durch eine zivile EU-Flugsicherung akzeptieren könnten.

Was die Deutschen nervt
Die weltweit größte Reise-Website TripAdvisor hat in einer aktuellen Umfrage unter 1045 Nutzern das Flugverhalten deutscher Reisender unter die Lupe genommen. Neben Handy- und Internetnutzung während des Fluges standen auch Flugpreise und die Buchung im Fokus der Befragung. Quelle: dpa
Befragt wurden die Reisenden nach konkreten Fällen: Störend oder nicht? Ziemlich eindeutig fiel die Antwort auf die Frage aus, ob das Telefonieren mit dem Handy im Flugzeug erlaubt sein sollte. 913 der 1.045 Befragten befürworten das bestehende Handy-Verbot an Bord, nur 132 wollen auch während des Fluges auf ihre Erreichbarkeit nicht verzichten. Quelle: picture-alliance
Anders verhält es sich dagegen mit der Internetnutzung an Bord. Knapp mehr als die Hälfte (528) wünschen sich ein W-LAN-Angebot in den Maschinen, um auch während des Fluges auf ihre Mails, Facebook oder Twitter zugreifen zu können. Im Gegensatz zu 106 weiteren Umfrage-Teilnehmern würde die Mehrheit für W-LAN allerdings keinen Aufpreis zahlen. Mit 411 Befragten lehnt hingegen gut ein Drittel die Internetnutzung im Flugzeug kategorisch ab. Quelle: Reuters
Die meisten Reisenden sehen das Fliegen sehr pragmatisch als eine Möglichkeit, schnell und problemlos von nach A nach B zu gelangen (490 Befragte). Nur 29 von 1.045 Nutzern gaben an, unter Flugangst zu leiden, ebenso viele sind froh, wenn der Flug einfach nur schnell vorbei geht. Quelle: dpa
Etwas überraschend fiel dagegen die Antwort aus, worauf Kunden bei der Auswahl der Fluggesellschaft am meisten Wert legen. Verblüffend: Nur ca. 58 Prozent gaben die Sicherheit als entscheidendes Kriterium an. Mehr Wert legen Fluggäste dagegen offenbar auf einen günstigen Flugpreis (73 Prozent), komfortable Flugzeiten (62 Prozent) und ausreichend Beinfreiheit (60 Prozent). Quelle: dapd
Die Zeiten, in denen sich über Billig-Airlines wirkliche Schnäppchen ergattern ließen, sind nach Meinung der Befragten offenbar vorbei. Da Airlines wie Ryanair Angebote wie Bordverpflegung und Gepäckmitnahme, die bei anderen Fluggesgellschaften im Flugpreis meist inbegriffen sind, extra berechnen, sehen nur noch wenige einen Kostenvorteil (837 Befragte). Mit 200 Nutzern ist nur noch knapp ein Fünftel von der Preisgestaltung der Billigflieger überzeugt. Quelle: dpa
Schnäppchen lassen sich heute vor allem über den Vergleich verschiedener Anbieter erzielen. Zu diesem Zweck finden sich im Internet zahlreiche Vergleichsportale wie opodo.de, momondo.de oder swoodoo.com, die sich bei den Nutzern großer Beliebtheit erfreuen. 60 Prozent der Befragten gaben an, vor der Flugbuchung grundsätzlich im Internet Preise zu vergleichen, etwa 36 Prozent nutzen diese Möglichkeit zumindest manchmal. Immerhin 4,6 Prozent halten einen Vergleich vorab für überflüssig und verzichten auf die Dienste der Internetportale. Quelle: dpa

Scheurle und seine Mannschaft suchen die kleinen Schritte innerhalb des eigenen funktionalen Luftraumblocks (Functional Airspace Blocks FAB), von denen es in Europa neun Stück gibt. So gibt es beispielsweise ein Projekt für eine gemeinsame militärische Flugzone von Deutschen, Franzosen und Amerikanern am Oberrhein, das viele andere Sperrgebiete, die bislang noch mühsam umflogen werden, überflüssig machen soll.

In Großbritannien eröffnet sich zudem eine Gelegenheit, die Scheurle am Schopfe fassen will, denn Größe könnte sich im Schneckenrennen auf dem Weg zur europäischen Flugsicherung einmal auszahlen. Die Fluggesellschaften wollen ihre Anteile an der teilprivatisierten britischen Flugsicherung NATS wieder abgeben - und die DFS gehört zu den entschlossenen Bietern. Bei den Übernahmeverhandlungen sei man in die zweite Runde gekommen, berichtet die DFS.

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