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Berliner Flughafen Mehdorns angekündigter Rücktritt

Der Rückzug von Hartmut Mehdorn als Chef des Hauptstadtflughafens BER dürfte viele Kritiker erfreuen. Doch in Wahrheit sagt er mehr aus über mangelhafte Arbeit des Aufsichtsrates.

Schild am Platz von Hartmut Mehdorn Quelle: dpa

Zumindest ein Zeitpunkt steht fest: Spätestens zum 30. Juni 2015 will BER-Chef Hartmut Mehdorn sein Amt als Chef des Hauptstadtflughafens BER abgeben. Mehdorn begründete die Entscheidung mit Spekulationen um seine Person im Umfeld des Aufsichtsrats, die das vertretbare Maß überstiegen. „Ich bedauere meinen Rücktritt persönlich sehr, da er weder meinem Pflichtbewusstsein noch meinen persönlichen Zielen entspricht“, ließ Mehdorn mitteilen. Der Schritt sei in Abwägung der Gesamtlage notwendig geworden.

Der Rückzug Mehdorns ist nur in Teilen eine persönliche Niederlage. In Wahrheit sagt er mehr aus über den Einfluss und die unzureichende Arbeit der Politik beim BER. Der Aufsichtsrat, in dem Vertreter der drei Hauptgesellschafter, sprich: Bund, Stadt Berlin und Land Brandenburg sitzen, ließ jahrelang eine effektive Kontrolle des BER vermissen. Und plötzlich, wo der BER Fortschritte machte, konnte die Politik gar nicht mehr genug anordnen, um die Zügel anzuziehen.

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Streit zwischen Aufsichtsrat und BER-Geschäftsführung

Zuletzt war es der neue Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der ein symbolisches Zeichen setzen wollte und für Streit zwischen Aufsichtsrat und BER-Geschäftsführung sorgte. Um sich von Beginn an als Meister der Kontrolle zu profilieren, sorgte Müller dafür, dass der Aufsichtsrat vergangene Woche eine Vorlage der Geschäftsführung stoppte, die vorsah, die Beratung Roland Berger für mehrere Hunderttausend Euro pro Monat zu beauftragen. Das mag man gutheißen, aber am Ende kommt es auf ein paar Millionen Euro mehr oder weniger auch nicht an.

Stattdessen vergiftet so ein Verhalten das Verhältnis zwischen Mehdorn und der Politik auf unnötige Art und Weise. Mehdorn wehrte sich auch heftig gegen eine externe Kontrolle seiner Arbeit, die der Aufsichtsrat veranlasst hatte. Der 72-Jährige sprach von „Inquisition“ und „Misstrauenskultur rund um den BER“. Mehdorns Schwäche ist ganz sicher, dass er inhaltliche Kritik gleich als Angriff auf seine Person interpretiert. Die Schwäche des Aufsichtsrates wiegt dagegen schwerer: Das Kontrollgremium entzog dem Manager das Vertrauen, obwohl es dafür keinen wirklichen Grund gab.

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