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Bernie Ecclestone "Warum sollte ich zurücktreten?"

Die Tage von Bernie Ecclestone als König der Formel 1 könnten bald gezählt sein. Im Interview mit WirtschaftsWoche und Handelsblatt berichtete der 83-Jährige diese Woche über seinen letzten, ganz persönlichen Kampf.

Der Formel-1-Chef Bernie Ecclestone im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: REUTERS

Ein dunkel verglastes Gebäude am Londoner Hyde Park. Kein  Adressschild, nur eine Klingel und Kameras. So unscheinbar der Bau, so mächtig sein Bewohner: Bernie Ecclestone, 83, Chef der Formel 1.  Hier laufen die Fäden des größten Motorsport-Ereignisses der Welt, und schon der Eingangsbereich macht klar, wer hier der Strippenzieher ist: Die Sekretärin sitzt auf einem umfunktionierten Rennwagen-Sitz als Bürostuhl. Im palisandergetäfelten Gang steht eine meterhohe Schwarz-Weiß-Zeichnung des legendären Rennfahrers Ayrton Senna - gemeinsam mit Ecclestone. In seinem mit Nippes aus aller Welt vollgestopften Büro spricht Ecclestone dann im gemeinsamen Interview von Handelsblatt und Wirtschaftswoche über die Bestechungsvorwürfe gegen ihn, eine Kaufofferte für den Nürburgring in Deutschland – und seine bislang erfolglose Suche nach dem Glück.

Formel-1-Chef Ecclestone angeklagt
Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage gegen den Geschäftsführer der Formel-1-Holding SLEC Bernhard "Bernie" Ecclestone, erhoben. Der Prozess könnte im Herbst beginnen. Ecclestone soll den ehemaligen BayernLB Gerhard Gribkowsky mit mehr als 33 Millionen Euro geschmiert haben. Eine Verurteilung könnte das Ende seiner Karriere bedeuten. Ecclestone selbst ist der Ansicht, dass er nur eine Haftstrafe das Aus für ihn bedeuten würde. Dann müsse er wohl zwangsläufig abdanken. Gegen Gribkowsky... Quelle: dapd
.... ist bereits ein Urteil ergangen. Der ehemalige BayernLB-Manager wurde zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Formel-1-Inhaber Bernie Ecclestone kassiert und nicht versteuert. Gribkowsky wollte zunächst nichts sagen, doch dann legte er nach acht Monaten Schweigen ein umfassendes Geständnis vor dem Landgericht München ab. Mittlerweile hat er aus dem Gefängnis heraus sein Vermögen freigegeben. Die BayernLB sammelt die Millionen ein und wird somit für den von Gribkowsky verursachten Schaden entschädigt. Es geht um 30 Millionen Euro: Immobilien, Uhren und 900 Flaschen Wein miteingerechnet. Gribkowsky erhofft sich dadurch eine kürzere Haftdauer. Quelle: dapd
Staatsanwaltschaft gegen Holger Härter (Porsche)Urteil: Härter muss einen Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 3500 Euro bezahlen. Richter Roderich sagte, Härter habe bei Kreditverhandlungen mit der französischen Bank BNP Paribas 2009 unvollständige und unrichtige Angaben gemacht. Bei den Verhandlungen ging es um einen 500-Millionen-Euro-Kredit. Zu der Zeit versuchte der Sportwagenbauer den ungleich größeren Volkswagen-Konzern zu schlucken. Mit der Strafe blieb das Gericht hinter dem von den Strafverfolgern geforderten Strafmaß zurück. Die Staatsanwälte hatte ein Haftstrafe von mindestens einem Jahr gefordert,, die bei einer Bewährungsauflage von einer Million Euro zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe hätte ausgesetzt werden können. Kreditbetrug kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden. Quelle: dpa
Piech und Porsche im VisierDie juristischen Nachwehen des Machtkampfes zwischen Porsche und VW treffen nun auch die Spitzen des bekanntesten deutschen Autoclans: Die Staatsanwälte in Stuttgart haben neuerdings Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche (beide Foto) im Visier. Die Ermittlungen erfassen den kompletten früheren Aufsichtsrat der Porsche-Dachgesellschaft PSE. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen alle Mitglieder des Gremiums, die zur heißen Phase des Machtkampfes 2008/2009 als Kontrolleure der PSE beteiligt waren. Grund sei der Verdacht auf Beihilfe zur Marktmanipulation, mit der Anleger womöglich getäuscht worden seien. Laut Geschäftsbericht mit Stand Ende Juli 2008 gehörten damals außerdem Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück dazu sowie Hans Baur, Ulrich Lehner, Wolfgang Leimgruber, Hans Michel Piëch, Ferdinand Oliver Porsche, Hans-Peter Porsche, Hansjörg Schmierer, Walter Uhl und Werner Weresch. Zudem nimmt die Behörde einen weiteren damaligen Porsche-Manager ins Visier: Auch gegen den Ex-Unternehmenssprecher Anton Hunger wird wegen desselben Verdachts ermittelt. Hintergrund ist der spektakulär gescheiterte Versuch von Porsche, die Macht beim wesentlich größeren VW-Konzern zu übernehmen. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass damals Anleger und Finanzwelt gezielt hinters Licht geführt wurden, als 2008/2009 die heiße Phase der Übernahmeschlacht tobte. In diesem Zusammenhang läuft auch eine Klage gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking... Quelle: dapd
Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Wendelin Wiedeking, PorscheVorwurf: Verdacht auf Manipulation des AktienmarktesFast drei Jahre ermittelte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen den einstigen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den früheren Finanzvorstand des Autobauers, Holger Härter. Im Dezember 2012 erhoben die Staatsanwälte schließlich Klage gegen Wiedeking. Der Vorwurf: Informationsgestützte Markmanipulation. Er habe die Börse im Verlauf der Übernahmeschlacht nicht korrekt über seine Pläne und den aktuellen Stand der Ding informiert. Der Vorwurf der Veruntreuung wurde allerdings fallen gelassen. Wiedeking und Härter hatten sich mit gewagten Aktienoptionsmodellen verspekuliert, was den Sportwagenbauer Milliarden gekostet hat. Allerdings soll die Situation nicht existenzgefährdend gewesen sein, daher wurde von der Anklage in diesem Punkt abgesehen. Das Landgericht Stuttgart muss nun in den nächsten Monaten entscheiden, ob es die Klage zulässt. Quelle: dpa
Staatsanwaltschaft gegen Michael Rook (Media Markt)Instanz: Landgericht AugsburgAnklage: Bestechung und Bestechlichkeit - Annahme von Schmiergeld. Ein anderer Angeklagter hat Ende Juni den Empfang von Schmiergeld gestanden und den Ex-Deutschland-Geschäftsführer der Elektronikmarktkette Media Markt, Michael Rook, wegen der Annahme von Schmiergeld mitbeschuldigt. Er und weitere Ex-Top-Manager von Media Markt hatten Schmiergelder für die Vergabe von DSL-Anschlüssen erhalten. Dadurch seien der Wettbewerb ausgehebelt und die Konkurrenten beschädigt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind mehr als vier Millionen Euro geflossen. Der Ex-Deutschland-Chef von Media Markt soll in 182 Fällen bestochen worden sein. Aktueller Stand: Die Staatsanwaltschaft glaubt den Beteuerungen Rooks nicht und beantragt eine Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten. Für den Ex-Regionalmanager beantragte der Staatsanwalt vier Jahre und sechs Monate Gefängnis. (November 2012) Quelle: dpa
Leo Kirch gegen die Deutsche BankVorwurf: Kirch und seine Familie werfen der Deutschen Bank vor, dass der ehemalige Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer mit einem Interview am 4. Februar 2002 im Nachrichtensender Bloomberg den Zusammenbruch der Kirch-Gruppe mitverursacht hat. Dauer/Instanz: Kirch reichte 2002 die erste Klage ein. Im Dezember 2012 fällt das Oberlandesgericht München das Urteil. Urteil: Der Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht München Guido Kotschy verurteilte die Deutsche Bank auf Schadenersatz. Die Höhe ließ er offen. Die Summe solle von zwei Gutachtern bestimmt werden. Die Kirch-Seite hatte die Bank in diesem Verfahren auf mehr als zwei Milliarden Euro verklagt. Eine Revision gegen das Urteil ist nicht zugelassen. Die Aussagen Breuers in dem umstrittenen Interview seien kein Unfall gewesen, so Kotschy. Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Mr. Ecclestone, in Grenoble kämpft der siebenmalige Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher derzeit um sein Leben. Haben Sie Kontakt zur Familie und können Sie uns sagen, wie es ihm geht?

Bernie Ecclestone: Niemand weiß,  wie es wirklich um ihn steht. Wahrscheinlich wissen es nicht einmal die Ärzte genau. Es heißt, sein Zustand sei stabil.

Sie haben einmal gesagt, Geld sei die neue Weltreligion. Ist Cash auch für Sie das Wichtigste im Leben?

Ich erinnere mich gar nicht daran, das je gesagt zu haben. Am wichtigsten ist es, am Leben zu bleiben. Mir zum Beispiel geht es nur darum, meinen 84. Geburtstag zu erleben.

Angesichts Ihres Alters dürften Sie jedenfalls gelegentlich an Ruhestand denken.

Ich mache so lange weiter, wie ich meinen Job gut mache und das erreiche, was ich mir vorgenommen habe.

Möglicherweise werden Sie das aber nicht alleine entscheiden. Die Investmentfirma CVC hat als größter Anteilseigner der Formel 1 ein wichtiges Wort mitzureden.

CVC wird sich daran orientieren, ob ich meine Aufgaben gut erfülle oder nicht.

Und die wären?

Es geht darum, dass die Formel 1 in der Spur bleibt, und dass sie Geld verdient. Jeder Sport ist heute kommerziell.

Es geht nicht nur ums Geld, es geht auch um Image. In mehreren Ländern wird gegen Sie wegen einer möglichen Schmiergeldaffäre im Zusammenhang mit dem Verkauf der Formel-1-Rechte im Jahr 2006 ermittelt. Von einem Londoner Gericht wird dieser Tage wegen einer Schadensersatzklage von Constantin Medien ein Urteil erwartet. Auch die Bayern LB will dort einen Schadensersatzprozess gegen Sie anstrengen und fordert 400 Millionen Dollar zurück. Selbst in München könnte bald ein Verfahren gegen Sie starten. Welcher Fall ist für Sie am gefährlichsten?

Wir warten im Moment auf das Urteil im Londoner Schadensersatzprozess, den die Constantin Medien AG angestrengt hat.

Und, treten Sie zurück, wenn Sie verlieren?

Warum sollte ich zurücktreten? Dafür besteht überhaupt keine Notwendigkeit. Constantin Medien klagen auf Schadensersatz. Wenn sie gewinnen, bekommen sie das Geld.

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