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Bernie Ecclestone 100 Millionen Dollar für die Freiheit

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Wie es zu der hohen Strafsumme kommt

Zentraler Punkt in der Argumentation der Staatsanwaltschaft war die Frage, ob Ecclestone gewusst habe, dass der Landesbanker Gribkowsky als Staatsdiener einzustufen sei. Dies habe dem Briten nicht nachgewiesen werden können. Doch nur dann hätte Ecclestones nach dem Gesetz wegen Bestechung eines Amtsträgers belangt werden können, wie es die Staatsanwaltschaft angestrebt hatte.

Grundsätzlich richtet sich die Höhe einer Geldauflage bei der Einstellung des Verfahrens nach der Vermögenslage des Angeklagten. Darum fällt sie bei Ecclestone mit umgerechnet fast 75 Millionen Euro deutlich höher aus als sonst üblich. Nach Durchsicht der Unterlagen äußerte sich Richter Noll überrascht. „Sie werden in der Öffentlichkeit als milliardenschwer bezeichnet. Aus den Unterlagen ergibt sich das nicht.“

Die BayernLB und die Formel 1

Nach der Einstellung ist der 83-Jährige offiziell unschuldig, nicht vorbestraft und kann weiter an der Spitze der Formel 1 bleiben, die er zu einem Milliardengeschäft aufgebaut hat und bis heute beherrscht. Im Falle einer Verurteilung wäre er seinen Job dort los gewesen. Ansonsten wären wohl Konzerne wie Daimler mit ihrem derzeit dominierenden Mercedes-Team aus der Rennserie ausgestiegen: Ihre eigenen Compliance-Regeln verbieten Geschäfte mit verurteilten Verbrechern.

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Zumal die Prozesse um die Bestechungsaffäre juristisch noch ein anderes „Geschmäckle“ haben. Ecclestone war angeklagt, den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky vor acht Jahren mit 44 Millionen Dollar bestochen zu haben. Gribkowsky soll damals als Gegenleistung in der Bank durchgeboxt haben, dass sie ihren Formel-1-Anteil an den von Ecclestone gewünschten Investor CVC verkaufte. Der frühere Banker wurde wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung bereits zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Aus dem Gribkowsky-Urteil ergibt sich eine zwingende Schuld für Ecclestone, schließlich hat er den damaligen Landesbank-Vorstand bestochen. Doch ausgerechnet das soll sich im aktuellen Ecclestone-Prozess nicht mehr eindeutig beweisen lassen.

Ganz vorbei sind die Münchner Prozesse für Ecclestone damit noch nicht. Es läuft noch ein Zivilprozess gegen die BayernLB. Doch auch hier deutet sich eine außergerichtliche Einigung an: Dieses Mal müsste Ecclestone den Berichten zufolge „nur“ 25 Millionen Euro zahlen.

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